Hitzewelle fordert Schulen: Zwischen Querlüften und Klimaanlagen

Neusiedler Bezirk

Steigende Temperaturen stellen Schulen im Bezirk Neusiedl am See vor immer größere Herausforderungen. Während einige Gebäude bereits über Klimaanlagen und wirksame Beschattung verfügen, kämpfen andere mit aufgeheizten Klassenräumen und fehlenden baulichen Möglichkeiten. Einig sind sich die Direktorinnen und Direktoren darin, dass der Klimawandel langfristige Investitionen notwendig macht.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Hitzewelle fordert Schulen: Zwischen Querlüften und Klimaanlagen

© APA (dpa/Archiv), APA (dpa/Archiv)

In der HAK/HAS Frauenkirchen beginnt der Arbeitstag für den Schulwart dieser Tage deutlich früher als gewöhnlich. Bereits um 5 Uhr öffnet er Türen und Fenster, um möglichst viel kühle Luft ins Schulgebäude zu lassen, bevor die Temperaturen wieder auf 30, 35 oder gar 40 Grad steigen. Mit Unterrichtsbeginn werden die Außenjalousien geschlossen und die Räume verdunkelt. Über diesen Sonnenschutz verfügt die Frauenkirchener Schule – längst nicht alle Bildungseinrichtungen im Bezirk haben diese Möglichkeit. Die vergangenen Tage wurden für viele Schulen zum Hitzestresstest. Angesichts des Klimawandels mit immer mehr Hitzetagen und immer früheren Hitzeperioden im Jahresverlauf dürfte das kein Ausnahmefall bleiben.

Dass die Hitzewelle in die letzten beiden Schulwochen fiel, entschärfte die Situation teilweise. Viele Noten standen bereits fest, zahlreiche Exkursionen und Workshops fanden außerhalb der Schule statt und an vielen Standorten entfiel der Nachmittagsunterricht. Dennoch berichten die Direktorinnen und Direktoren übereinstimmend, dass die Konzentration und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler unter den hohen Temperaturen spürbar nachließen. Auch für die Lehrkräfte wurde der Unterricht zunehmend zur Herausforderung.

Wie stark die Hitze den Schulalltag beeinflusst, hängt auch vom Gebäude ab. Die HAK/HAS Frauenkirchen ist teilweise in einem ehemaligen Schloss aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Das dicke Mauerwerk hält die Räume lange kühl. „Ist die Wärme aber einmal im Haus, hält sie sich auch lange drinnen“, sagt Direktor Hannes Schmid. Gleichzeitig erschwert der Denkmalschutz bauliche Veränderungen wie den nachträglichen Einbau von Klimaanlagen.

Vor ähnlichen Herausforderungen steht die HAK/HAS Neusiedl am See. Dort sind ebenfalls nur wenige Räume klimatisiert. Sie dienen vor allem als Prüfungsräume für die Reife- und Diplomprüfung oder Aufnahmeprüfungen sowie als Computer- und Serverräume.

Direktor Hannes Nitschinger beschäftigt sich seit Längerem mit möglichen Lösungen – von zusätzlichen Klimaanlagen bis hin zu einer Fassadenbegrünung. Doch jede bauliche Maßnahme muss vom Gebäudeeigentümer, also Bund oder Land, genehmigt werden und bedeutet einen größeren bürokratischen Aufwand. Das mache die Umsetzung langwierig. Selbst wenn finanzielle Mittel vorhanden seien, könnten Schulen Klimaanlagen nicht einfach einbauen.

Wie belastend die Situation inzwischen sein kann, beschreibt Nitschinger mit drastischen Worten: „Der dritte Stock hat eine durchgehende Glasfassade. Hier geht es ums Überleben.“

Dass bauliche Maßnahmen einen deutlichen Unterschied machen, zeigt der Blick auf andere Schulen im Bezirk. Die Volksschule Weiden am See verfügt über eine Klimaanlage sowie Außen- und Innenjalousien. Direktorin Heidelinde Mahr berichtet deshalb von weitgehend angenehmen Raumtemperaturen und einem Unterricht, der auch an sehr heißen Tagen ohne größere Einschränkungen möglich sei.

Auch die Sportmittelschule Gols profitiert teilweise von moderner Infrastruktur. Im klimatisierten Zubau, der heuer eröffnet worden ist, herrschen selbst an heißen Tagen gute Lernbedingungen. In den älteren Gebäudeteilen bleibe die Hitze jedoch eine Herausforderung. Zusätzliche Pausen, Unterricht an schattigen Plätzen sowie Schwimmen statt Turnen hätten sich bewährt.

Am Gymnasium Neusiedl am See setzt Direktorin Tanja Bayer-Felzmann neben organisatorischen Maßnahmen auf Verbesserungen am Gebäude. Unterrichtseinheiten im Freien, ausreichend Trinkpausen sowie Exkursionen und Workshops verkürzten die Zeit in den aufgeheizten Klassenräumen. Langfristig sieht sie jedoch Handlungsbedarf. Vor allem Außenjalousien und eine stärkere Begrünung rund um das Schulgebäude würden die Wärmebelastung deutlich verringern.

An der Mittelschule Kittsee helfen Ventilatoren, kühlere Ausweichquartiere im Schloss Kittsee oder Besuche im Freibad dabei, den Schulalltag zu erleichtern. Direktorin Isabell Lichtenberger schildert die Stimmung im Schulhaus so: „Es ist ziemlich ruhig und ‚entschleunigt‘ im Schulhaus, alle bewegen sich im Sparmodus, könnte man sagen.“

Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen ziehen die Schulleitungen ein ähnliches Fazit. Langfristig brauche es Investitionen in klimafitte Schulgebäude. Genannt werden Außenjalousien, Begrünungen, moderne Gebäudetechnik und zusätzliche Klimaanlagen.

Schmid sieht dabei auch die Politik in der Verantwortung: „Nur Querlüften wird auf Dauer nicht reichen. Ich hoffe, dass sich das Bundeministerium generell überlegt, wie man Österreichs Schulen rasch nachrüsten kann.“

Unterschiedlich fallen hingegen die Einschätzungen zur Diskussion über eine Anpassung der Sommerferien aus. Einer Vorverlegung steht Nitschinger grundsätzlich offen gegenüber, weil die Temperaturen Mitte August häufig wieder sinken. Eine Verkürzung der Sommerferien kommt für Schmid dagegen nicht infrage: „Wir, als berufsbildende Schule brauchen neun Wochen Ferien für die Praktika, die zu absolvieren sind.“

Die meisten Rückmeldungen sprechen sich jedoch dafür aus, die Gebäude an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen, statt den Ferienkalender zu ändern. Direktorin Petra Beck verweist darauf, dass Hitzetage nicht nur im Juni auftreten. Heidelinde Mahr sieht Investitionen in moderne Gebäudetechnik als entscheidend an. Auch Isabell Lichtenberger hält eine Vorverlegung der Sommerferien für keine nachhaltige Lösung. Hohe Temperaturen könnten ebenso im Mai oder Anfang Juni auftreten – überhitzte Klassenräume würden dadurch nicht verschwinden.