Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
Neusiedler Stadtarchiv: Neues Jahrbuch und digitales Friedhofsprojekt
Präsentiert
Der Verein Neusiedler Stadtarchiv präsentierte gestern Band 26 des Neusiedler Jahrbuchs und sein neues digitales Friedhofsprojekt. Bei der Veranstaltung wurde sichtbar, wie der Verein die Geschichte der Stadt bewahrt – von historischen Beiträgen bis zu restaurierten Büchern. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm lobte: „Euer Verein ist für die Stadt unbezahlbar.“
Neusiedl am See historisch beleuchtet: Paul Rittsteuer, Martin Pieber, Eva Mannsberger, Ilse Schneider, Angelika Pieber, Lukas Malli, Ludwig Zwickl und Martin Krenn lieferten kurzweilige Beiträge für den 26. Band des Neusiedler Jahrbuchs.
© Birgit Böhm-Ritter
Band 26: Geschichte lebendig gemacht
Obmann Martin Pieber eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf das Buch: „Sieben Autorinnen und Autoren lieferten für Band 26 Beiträge. Das Jahrbuch hat 220 Seiten und ist dieses Mal so umfangreich wie noch nie. Deshalb fand die Präsentation auch erst im Herbst statt - und nicht wie sonst üblich im Frühjahr .“
Zur Einleitung beschrieb Pieber die Inhalte: Ludwig Zwickl gibt Einblicke in die Geschichte der Eisenbahn und ihrer Bahnhöfe. Paul Rittsteuer blickt auf die Zeit der Landwirtschaftlichen Schulen zurück, während Martin Pieber selbst das Schicksal der jüdischen Schwestern Karoline und Charlotte Jelinek erforscht, die sich 1939 nach England retteten. Ilse Schneider bringt erstmals Lyrik ins Jahrbuch: „Wir schauen über den Tellerrand unserer Stadt und werfen einen Blick auf zwei Gedichte von Maria Schneider aus Wallern“, erklärte Pieber. Lukas Malli betrachtet das Hallenbad Neusiedl am See aus architektonischer Sicht, und Angelika Pieber fasst die wichtigsten chronikalischen Ereignisse des Jahres 2024 zusammen.
Martin Krenn wiederum untersucht Neusiedl am See in historischen Beschreibungen und Reiseführern und präsentierte einige „O-Töne“ daraus:
„Vieles Obst und andere Gartengewächse, besonders schöner Spargel in Neusiedl am See, auch viele Krautfelder“(Stocz, 1824).
1926 schrieb Max Hoffer: „Durch Ausbaggerung eines Kanals, Aufwerfen von Dämmen usw. will man Neusiedl wirklich zu einer ‚Seestadt‘ machen. Bereits ist eine Badeanstalt weit hinaus auf Pfählen gebaut, bald soll sich eine luftige Gastwirtschaft anschließen; dem Wiener ‚Gänsehäufl‘ dürfte hier ein ernstlicher Rivale entstehen.“

© Birgit Böhm-Ritter
Das Jahrbuch erschien über den Verlag edition lex liszt 12 und ist im Buchhandel, beim Verlag, bei der Raiffeisenbank Neusiedl am See, der Sparkasse Neusiedl am See, im Stadtarchiv, im Neusiedler Tourismusbüro und im Weinwerk Burgenland für 22 Euro erhältlich.
Friedhof digital entdecken
Zum neuen Jahrbuch präsentierte der Verein auch sein neues Friedhofsprojekt: Eva Mannsberger und Angelika Pieber fotografierten alle Gräber am Neusiedler Friedhof. 2.394 Bilder wurden beschriftet, verschlagwortet und mit den Namen der Verstorbenen verknüpft. Auf der Website „Topothek Neusiedl am See: Unsere Geschichte“ können Interessierte gezielt nach Gräbern suchen. Die Fotos sind zudem mit einem Friedhofsplan verbunden.
Angelika Pieber erklärte: „Bis zu einem Verbot der Kirchenbestattung durch Kaiser Josef II. im Jahr 1782 wurden die Toten rund um die Neusiedler Kirche bestattet. Der heutige Friedhof wurde 1788 eingeweiht.“ Alt-Landesrat Paul Rittsteuer erzählte der BVZ im Anschluss an die Veranstaltung ein Detail zum Schmunzeln: „Die erste Verstorbene, die dort begraben wurde, hieß Frau Toth.“
Bücher bewahren, Geschichte sichern
Abschließend zeigte Pieber die Restaurierungsarbeit des Vereins: Seit 2019 wurden zwölf historische Bücher aufwendig restauriert. Die Gesamtkosten betrugen 10.590 Euro, getragen von Sponsoren. Die teuerste Restaurierung betraf das Weysenbuch (1762–1782) mit 2.100 Euro. Der Verein unterstreicht damit, wie wichtig die Pflege historischer Quellen für die Stadtgeschichte ist.

© Birgit Böhm-Ritter
Der Abend machte deutlich, dass der Verein Neusiedler Stadtarchiv Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern lebendig hält – sei es durch das Jahrbuch, digitale Archive oder restaurierte Bücher.
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