Truppenübungsplatz: Versuchswald sucht Bäume für das Klima der Zukunft

Truppenübungsplatz

Am Truppenübungsplatz Bruckneudorf untersucht das Bundesheer gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien seit mehr als zehn Jahren, welche Baumarten künftig mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Wälder langfristig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Von Von BVZ Redaktion

Der Truppenübungsplatz fungiert als Versuchslabor für hitzeresistente Bäume.

Der Truppenübungsplatz fungiert als Versuchslabor für hitzeresistente Bäume.

© Stefan Friebe

Hitzeperioden dauern länger, Trockenphasen treten häufiger auf. Viele heimische Baumarten geraten dadurch zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund entstand am Truppenübungsplatz Bruckneudorf eine rund vier Hektar große Versuchsfläche, auf der nichtheimische Baumarten auf ihre Eignung für künftige Klimabedingungen untersucht werden.

Das Forschungsprojekt besteht seit 2012 und wird gemeinsam vom Bundesheer und der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstverwaltung des Truppenübungsplatzes betreuen den Versuchswald. Vergleichbare Versuchsflächen gibt es auch in Deutschland und der Schweiz.

Gepflanzt wurden Baumarten, die als anpassungsfähig an den Klimawandel gelten, zugleich einen wirtschaftlichen Nutzen versprechen und sich nicht invasiv ausbreiten. Zu den untersuchten Arten zählen die Libanon-Zeder, die Griechische Tanne, die Hemlocktanne, die Troja-Tanne, die Orient-Buche, die Silber-Linde, die Amerikanische Gleditschie, der Europäische Zürgelbaum sowie verschiedene Hickory-Arten. Nach Angaben des Bundesheeres hat sich die Libanon-Zeder bisher als besonders widerstandsfähig erwiesen.

Der Versuchswald ist Teil eines deutlich größeren Naturraums. Der insgesamt 4.130 Hektar große Truppenübungsplatz liegt vollständig im Europaschutzgebiet „Neusiedler See – Nordöstliches Leithagebirge“. Ein Managementplan soll dort den Erhalt besonders schützenswerter Pflanzen- und Tierarten sichern.

Am südöstlichen Rand des Geländes werden auf einer Fläche von 22 Hektar Dexter-Rinder für eine extensive Beweidung eingesetzt. Die Tiere halten die Vegetation kurz und schaffen damit geeignete Lebensräume für das streng geschützte Ziesel. Sträucher und Hecken bieten zahlreichen geschützten Vogelarten Brut- und Rückzugsmöglichkeiten.

Darüber hinaus sind fünf Waldflächen mit insgesamt rund 110 Hektar als Naturwaldreservate ausgewiesen. Sie bleiben von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen, sodass sich der Wald dort ohne menschliche Eingriffe entwickeln kann. Das Bundesheer verlängerte den Schutz dieser Flächen im Jahr 2021 um weitere 20 Jahre.

Die Erkenntnisse aus dem Versuchswald sollen nicht auf den Truppenübungsplatz beschränkt bleiben. Nach Angaben des Bundesheeres sollen sie dazu beitragen, die eigene Forstwirtschaft und darüber hinaus den Waldumbau langfristig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ordnet die Bedeutung des Projekts ein: „Das Bundesheer bewirtschaftet österreichweit rund 12.000 Hektar Wald. Pilot- und Forschungsprojekte wie jenes in Bruckneudorf entfalten ihre Wirkung weit über das Bundesheer hinaus und leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des klimafitten Waldbaus in Österreich und Europa. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstverwaltung sowie der Heeresökologie leisten dabei hervorragende Arbeit.“

Nach Angaben des Bundesheeres setzt es bereits seit mehreren Jahren bei Aufforstungen auf klimafitte Baumarten und artenreiche Mischwälder. Ziel ist es, die Wälder langfristig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.