Jeder Hund bringt seine Geschichte mit

Kynogetikos

„Jeder Hund bringt seine Geschichte mit“, weiß Kevin Bader‑Mersich. Er begleitet Mensch und Hund vom Alltagstraining für Familienhunde bis zur Jagdhundeausbildung. Dabei setzt er auf individuelle Konzepte, klare Kommunikation und gegenseitigen Respekt.

Von Isabella Kuzmits

Kevin Bader-Mersich ist tierschutzqualifizierter Hundeverhaltenstrainer, Tiertrainer im Tierschutzhaus Sonnenhof, Jagdaufseher und gemeinsam mit seiner Ehefrau Hundehalter von fünf Hunden.

Kevin Bader-Mersich ist tierschutzqualifizierter Hundeverhaltenstrainer, Tiertrainer im Tierschutzhaus Sonnenhof, Jagdaufseher und gemeinsam mit seiner Ehefrau Hundehalter von fünf Hunden.

© zVg

Die Arbeit mit Hunden ist für Kevin Bader‑Mersich weit mehr als ein Beruf – sie ist eine Lebensentscheidung, die bereits in seiner Kindheit ihren Ursprung fand. „Ich bin mit Jagdhunden aufgewachsen, mir wurde die Nähe zum Hund quasi in die Wiege gelegt“, erzählt der Hundetrainer. Schon früh habe ihn die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund fasziniert. Prägend war auch ein Beißvorfall in jungen Jahren, der sein Interesse an Verhalten und Kommunikation vertiefte: „Das hat mich sicherlich auch dahin geführt, intensiver mit verhaltensauffälligen Hunden zu arbeiten.“

Seinen Weg schlug der Horitschoner konsequent ein. Bereits als junger Erwachsener arbeitete er als Tierpfleger im Tierschutzhaus Sonnenhof (Eisenstadt), wo er vor allem für die Betreuung der Hunde verantwortlich war. Dies war eine lehrreiche Zeit, in der er sehr unterschiedlichen Charakteren und Lebensgeschichten begegnet ist. Diese Erfahrungen legten den Grundstein für seine heutige Arbeit als Hundetrainer.

Die fachliche Ausbildung absolvierte er 2021 bis 2023 beim Verein „Tiere Helfen Leben“, wo er das Diplom zum ganzheitlich orientierten Hundeverhaltenstrainer erlangte. Parallel dazu legte er die Prüfung zum tierschutzqualifizierten Hundetrainer am Messerli Institut in Wien ab. Da Stillstand für ihn jedoch nicht in Frage kommt, befindet sich der 35-Jährige aktuell in der Ausbildung zum Jagdhundetrainer beim Verein „Leitbruch“.

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Ganzheitlich orientiertes Training

Sein Angebot im Hund‑Mensch‑Coaching ist breit gefächert. Es beginnt bei Beratungsgesprächen vor der Anschaffung eines Hundes, reicht über Alltags‑ und Beschäftigungstraining bis hin zur Arbeit mit Problemverhalten.

Seine große Leidenschaft und mittlerweile einer seiner besonderen Schwerpunkte liegt auf der Ausbildung von Jagdgebrauchshunden. „Hier geht es darum, Mensch und Hund gemeinsam optimal auf ihren Aufgabenbereich vorzubereiten – oft auch auf Prüfungen“, erklärt er. Die Verantwortung wie auch die Anforderungen sind hier nochmal größer, denn Jagdhunde seien Arbeitskameraden: „Man kann sie durchaus mit anderen Arbeits- oder Diensthunden vergleichen. Die Ausbildung und das Training beanspruchen viel Zeit und Geduld und sollen Hundeführer und Hund auf ihre Verantwortung bestmöglich vorbereiten und schulen.“

Die Unterschiede zum klassischen Alltagstraining für Familienhunde sieht er klar. Während im Alltag kleine Fehler meist verzeihlich sind, seien im Jagdhundebereich Konsequenz, Geduld und Vorbereitung entscheidend. „Jäger tragen eine große Hege‑ und Tierschutzverantwortung. Deshalb müssen Bindung, Kommunikation und Verlässlichkeit besonders gut funktionieren.“ Trotz des hohen Anspruchs dürfe eines aber nie fehlen: „Der Spaß an der gemeinsamen Arbeit.“

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Es geht nicht um Dominanz, sondern um ein faires Miteinander

Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist der respektvolle Umgang zwischen Mensch und Hund. „Wichtig dafür ist eine klare Kommunikation, damit der Hund weiß, was ich von ihm möchte, was ich nicht möchte oder er alternativ tun soll“, so Bader‑Mersich. Hundehalter sollen nicht nur die Bedürfnisse ihres Hundes kennen, sondern eine gute Bindung sowie eine solide Vertrauensbasis aufbauen. Dies ermöglicht einen entspannten Alltag.

Alte Mythen schwirren noch in den Köpfen umher

Immer wieder müsse der Horitschoner mit veralteten Mythen aufräumen. Wie etwa dass der Hund etwas nur aus Protest tut, immer nur links von einem gehen oder nie vor dem Menschen aus der Tür gehen darf – solche Vorstellungen seien laut Kevin Bader-Mersich längst überholt. Stattdessen setzt er auf Aufklärung durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die individuell auf das jeweilige Mensch-Hund-Team angepasst werden.

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Für ein entspanntes Miteinander als besonders wertvoll empfindet er neben dem richtigen Training aber auch Beschäftigungsübungen wie zum Beispiel Dummyarbeit oder Nasenarbeit, von der gerade Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten profitieren. „Durch meine jahrelange Arbeit und die gesammelten Erfahrungen im Tierschutzhaus ist es mir auch ein großes Anliegen, Hunde zu fördern, die im Alltag zu Verhaltensauffälligkeiten neigen oder auch Unterstützung zur Reintegration in das familiäre Umfeld benötigen“, berichtet Kevin Bader-Mersich. Herausfordernde Fälle begegnen einem Hundetrainer regelmäßig, doch pauschale Antworten gibt es für sie nicht. „Jeder Hund und Halter sind individuell. Nur weil ein Plan bei einem Mensch-Hund-Team gut funktioniert hat, heißt das noch lange nicht, dass es beim nächsten Team genauso klappt,“ weiß der 35-Jährige. Genau deshalb sei ein ganzheitlicher Blick so wichtig.

Der größte Lohn für seine Arbeit sind sichtbare Fortschritte: „Wenn man sieht, wie ein Team zusammenwächst und unschlagbar durchs Leben geht, weiß man, warum man diesen Beruf gewählt hat.“ Für die Zukunft hat Kevin Bader‑Mersich klare Ziele. Sein nächster großer Traum ist ein eigenes Trainingsgelände. Wann und wo dieses verwirklicht wird, steht derzeit noch offen – die Richtung ist aber klar: Die Arbeit mit Mensch und Hund soll weiter wachsen, ebenso wie das Verständnis füreinander.

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