Reich an Archäologie. Studentin Manuela Thurner und ihre Kollegen konnten zahlreichen Erzknollen bergen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 21. Juni 2017 (05:58)
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Bei Ausgrabungen in Unterpullendorf: Die Bubendorferin Manuela Thurner.
BVZ, zVg

Manuela Thurner aus Bubendorf studiert Urgeschichte- und Historische Archäologie an der Universität in Wien. Anfangs war Thurner skeptisch, ob es denn im Burgenland so viel Archäologie gibt.

„Das Burgenland ist reich an Archäologie"

„Das Burgenland ist reich an Archäologie. Von steinzeitlichen Fundstellen wie in Deutschkreutz, Neckenmarkt, Horitschon und Nikitsch, über römerzeitliche Villen in Frankenau, die Bernsteinstraße, die durch unseren Bezirk führt bis hin zu mittelalterlichen Burgen wie in Lockenhaus und neuzeitlichen Braunkohlebergwerken wie in Bubendorf ist alles vertreten“, schildert Thurner. Im Zuge der Lehrveranstaltung über Experimentalarchäologie kamen Thurner und ihren Studienkollegen auf Eisenerzvorkommen in Österreich zu sprechen. Dabei kam erstmals zur Sprache, dass im Burgenland, genauer gesagt, in Unterpullendorf, ein bereits in den 1970er-Jahren ergrabenes Raseneisenerzfeld liegt.

Unterpullendorf wurde genau erforscht

„Der Wald, durchzogen mit Pingen, lässt auf einen Jahrhunderte währenden Erzabbau schließen. Da Unterpullendorf auch nicht weitab der Bernsteinstraße liegt, lässt sich einfach erklären, dass die Römer die Rohstoffe zur Herstellung ihrer Waffen und Eisengegenstände wohl aus diesem Gebiet bezogen haben“, so Thurner.

Raseneisenerz entdeckt: Diese Funde wurden bei den Ausgrabungen in Unterpullendorf gemacht.
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Aus diesem Grund erforschten die Studenten diesen Zusammenhang in Unterpullendorf genauer. Ein Teil des Steilhanges war abgerutscht und hatte die Erzadern verschüttet, sodass zuallererst ein Bagger für den groben Abtrag notwendig war. „Dabei wurden wir tatkräftig von den Ortsansässigen unterstützt“, fügt Thurner hinzu.

Eisenerz wurde händisch abgebaut

Danach konnte das Erz gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Experimentelle Archäologie und dem burgenländischen Archäologieverein „Pannarch“ händisch abgebaut werden. „Die Erzader zeichnete sich bereits nach kurzem Graben ab und wir konnten die Erzknollen ‚ernten‘. Walnuss- bis kokosnussgroße Knollen konnten geborgen werden. In weiterer Folge haben wir das Roherz von den Hüllen gelöst und in unserer Werkstatt zur Weiterverarbeitung zwischengelagert.

Dieses Erz wird für unsere Verhüttungsversuche zur Gewinnung von Eisen in selbstgebauten Rennöfen verwendet. Da es sich um leicht zu verarbeitendes Raseneisenerz von sehr guter Qualität handelt, wird es uns bestimmt gelingen, hochwertiges Eisen herzustellen“, so Thurner. Für Lehrveranstaltungen und auch für andere Experimente werden die Studenten rund um Thurner einen weiteren Abbaudurchgang in Unterpullendorf starten.

Archäologie soll der Allgemeinheit näher gebracht werden

Thurner ist es wichtig, dass die Menschen der Archäologie positiv gegenüberstehen. „Um die Archäologie der Allgemeinheit ein wenig näher zu bringen, startet Anfang 2018 eine große archäologische Ausstellung im Landesmuseum Eisenstadt zum Thema ‚Straßengrabungen‘“, so Thurner.