Internet: Wer etwas abseits wohnt, hat oft Pech . Schnelles Internet ist gerade im Südburgenland ein großes Thema – vor allem dann, wenn man keines hat. Oft werden auch die Begriffe verwechselt.

Von Michael Pekovics. Erstellt am 29. März 2017 (05:14)
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Retzer Land springt auf Breitband-Offensive auf. Mit Glasfaserkabeln soll die Datenübertragung schneller gehen. Foto: Shutterstock.com/cigdem
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Seit Jahren ist das Thema „Breitbandinternet“ nun schon präsent. Lange genug, um sich die genaue Faktenlage anzusehen. Und die ist durchaus interessant. So heißt es auf Anfrage der BVZ beim Regionalmanagement Burgenland, dass derzeit im Bezirk Oberwart nur eine einzige Gemeinde als versorgt gilt – in allen anderen 31 Gemeinden gibt es von unter 50 bis über 300 Wohnsitze, die nicht versorgt sind.

Oberwart. Die Bezirkshauptstadt ist aktuell wohl am besten versorgt – in weiten Teilen von Oberwart sollen sogar Geschwindigkeiten von mehr als 100 Mbit/s in der Sekunde möglich sein. Interessant: Im Gewerbe- und Industriegebiet Unterwart sinkt die Leistung, hier sind maximal 30 Mbit/s möglich. 
BVZ

Rund um das Thema gibt es oft einige Verwirrung: Beispielsweise gilt bereits jede Versorgung mit über zwei (!) Mbit/s als „Breitband“. Das kommt daher, weil der Begriff entstand, als noch über Telefonmodems „gesurft“ wurde.

„Breitband“ ab 2 Mbit/s: Verwirrung um Begriffe

Zum Vergleich: Mit der heute aktuellen LTE-Technologie surft man am Handy im Schnitt mit rund 40 Mbit/s. Mit einem Glasfaserkabel sind 250 Mbit/s und mehr möglich, allerdings sind diese Anschlüsse für Privathaushalte nicht interessant, weil die monatliche Grundgebühr sich auf mehrere hundert Euro belaufen würde.

Rechnitz. Im Dorfzentrum sind bis zu 100 Mbit/s möglich, weiter weg vom Knotenpunkt sind es noch bis zu 30 Mbit/s. Die Entfernung vom Knotenpunkt bestimmt schlussendlich die Bandbreite.
BVZ, www.breitbandatlas.info

Wenn heute vom „Breitband-Ausbau“ gesprochen wird, dann handelt es sich eigentlich um den Ausbau der Glasfasertechnologie. Aber auch wenn in Ihrer Gemeinde bereits ein Glasfaser-Knotenpunkt vorhanden ist, bedeutet das nicht, dass Sie mit voller Geschwindigkeit surfen können. Denn Glasfaserkabel werden nur in den seltensten Fällen direkt bis zum Haus gelegt (FTTH - fiber to the home).

Aktuell werden nur einzelne Knotenpunkte in der Gemeinde ans Glasfasernetz angeschlossen (FTTN - fiber to the node). Dort wird das Signal umgewandelt und über die alten, langsamen Kupferleitungen weiter zu den einzelnen Haushalten transportiert.

Ortsteilgemeinden und Streusiedlungen ein Problem

Gerade im Südburgenland ist das aufgrund der zahlreichen Ortsteilgemeinden und Streusiedlungen ein Problem. Denn umso weiter man von einem Knotenpunkt entfernt wohnt, desto schlechter wird die Verbindung. Eine genaue Übersicht finden Sie übrigens im Internet auf www.breitbandatlas.info. Auf Anfrage der BVZ heißt es dazu aus dem Infrastrukturministerium, dass „grundsätzlich in jeder Gemeinde Internet verfügbar ist, allerdings sind die Ortskerne in der Regel wesentlich besser versorgt, als die Peripherie“.

Ein weiterer Punkt, der die Geschwindigkeit beeinträchtigen kann, sind mehrere Abnehmer in einem Haus: Die Kinder schauen Videos auf YouTube, dazu hängt noch der Fernseher, einige Handys und PC sowie Laptop im Netz – und schon sinkt die Bandbreite für die einzelnen Geräte rapide ab.

Nur mehr wenige "weiße Flecken" auf der "High-Speed"-Landkarte

Richtig „weiße“ Flecken in der Versorgung gibt es nur mehr wenige, so zum Beispiel in Willersdorf. Ein Glasfaserausbau würde laut Experten ohne Förderungen rund 150.000 Euro kosten. Zu teuer für einen Ortsteil mit gerade einmal 350 Einwohnern. Die Lösung für diese unterversorgten Gebiete liegt aber ohnehin nicht in der Erde, sondern in der Luft: Die Versorgung mit Internet könnte entweder mit eigenen Funksendern oder aber direkt über das immer besser werdende Mobilfunknetz sichergestellt werden.