Burgenlands Spitzensport hängt in der Warteschleife. Segeln, Golf, Snowboardcross, Schwimmen, Badminton, Eiskunstlauf, Tennis. Zahlreiche Athleten halten daheim die Stellung. Radsportlerin Eberhardt saß noch fest.

Von Bernhard Fenz, Martin Ivansich und Malcolm Zottl. Erstellt am 18. März 2020 (05:48)

Lena Grabowski

Burgenlands Teilnehmerin bei den Olympischen Spielen in Tokio ist aktuell zum Nichtstun gezwungen. Das Rückenschwimm-Ass kann einerseits natürlich nicht in der Südstadt die Schule besuchen, aber auch die Schwimmhalle ist gesperrt. Offiziell vorerst für eine Woche – freilich kann das noch wesentlich länger dauern.

„So wie alle anderen auch haben wir keine Infos, wie sich die Lage in weiterer Folge entwickeln wird“, zeigt sich die 17-jährige Parndorferin frustriert. Aus Mangel an Infrastruktur, die Schwimmhallen sind geschlossen, gibt es auch kein Training. „Ich lasse die weitere Entwicklung auf mich zukommen, ändern kann ich sowieso nichts.“

Bernd Wiesberger

Österreichs Nummer eins im Golfen war bereits für ein mehrwöchiges Turnierengagement in den USA, als die Absage für die Players Championship erfolgte, die der Wahl-Bad Tatzmannsdorfer eigentlich spielen hätte sollen. Am Samstag kehrte der 34-Jährige nach Österreich zurück – und wird auch bis auf weiteres bleiben.

Tom Zajac/Barbara Matz

Am vergangenen Donnerstag packten die Nacra17-Segler Barbara Matz und Thomas Zajac beim Trainingscamp in Mallorca zusammen und machten sich auf den Heimweg. „Wichtig war, dass das Material heimkommt, weil wir theoretisch Anfang April den Olympia-Container einpacken“, so Zajac, der statt Fliegen 38 Stunden quer durch Spanien, Frankreich und die Schweiz heimreiste.

Daheim angekommen, begaben sich beide in 14-tägige Quarantäne, eben wegen seines Auslandsaufenthalts wurde diese verordnet. Und zwar im Fall Zajac nicht zu Hause, sondern auf einer Hütte am Neusiedler See – diese gehört übrigens der Familie von Nacra17-Youngster Matthäus Zöchling. „Meine Nachbarn sind alt, da würde ich nur ungern am Gang gehen“, begründet Zajac den Entschluss. „Die Gedanken an den Sport sind längst im Hintergrund. Jetzt zählt Zusammenhalt.“

Tanja Frank/Lorena Abicht

Das 49er-fx-Duo war gerade — so wie Thomas Zajac und Barbara Matz — in Palma de Mallorca trainieren, als sich die aktuelle Lage begann zuzuspitzen. „Wir waren dann glücklicherweise bei den Ersten dabei, die wieder daheim waren“, so Tanja Frank. Zusatz: „Wer weiß, wie das sonst noch geworden wäre.“

Planung in sportlicher Hinsicht geht derzeit nicht: „Wir können ja nur von Tag zu Tag schauen. Trainiert wird zu Hause. Ich habe das große Glück viele Ergometer zu haben. Da ist dann sogar auch Abwechslung möglich. Kraft und Rumpf muss auch auf zu Hause verlegt werden. Unser Fitness-Trainer hat alle Hände voll zu tun, um ein Trainingsprogramm aufzustellen, das mit den vorhandenen Utensilien umsetzbar ist.“

Gleichzeitig geht das Gespann mit gutem Beispiel voran: „Wir bleiben natürlich daheim, weil wir ja länger in Spanien waren und keinesfalls jemanden anstecken wollen, falls wir auch betroffen sind. Das steht ganz klar im Vordergrund. Das sind wir der Gesellschaft auch schuldig. Ich hoffe es halten sich alle dran und dann wird es hoffentlich bald besser werden“, betont Frank.

Sebastian Jud

Am vergangenen Freitag bestritt Sebastian Jud noch das Snowboardcross-Weltcupfinale im Schweizer Veysonnaz, davor befand er sich in der Sierra Nevada in Spanien. „Es war ein komischer Abschluss, alles hat sich natürlich um das Thema Coronavirus gedreht“, ließ der Mühlgrabener wissen. Das Feld der Top-32 im Weltcup wurde noch vor dem Start dezimiert, „zwei Kanadier und drei Amerikaner mussten spontan heimreisen, ein Italiener durfte gar nicht einreisen.“

Das finale Resultat (Platz 20) rückte da in den Hintergrund. „Ich habe keine Angst, im Gegenteil. Trotzdem ist es heavy, wenn du die Nachricht vom Außenministerium erhältst, dass Schweiz, Spanien und Frankreich Gefahrenstufe sechs sind – und du in einem dieser Länder bist.“

Aktuell ist Sebastian Jud wieder daheim, allerdings in Schladming – und quasi in freiwilliger Quarantäne. „Das musste ich nicht, es hat gar kein Problem bei der Einreise gegeben. Trotzdem werde ich mich auf freiwilliger Basis bis auf weiteres einmal alleine aufhalten, da ich eine Woche in Spanien und fünf Tage in der Schweiz war und beides Risikogebiete sind. Dementsprechend werde ich aus eigener Motivation heraus daheim bleiben und schauen, ob sich da eh nichts anbahnt.“ Bis dato fühle er sich gut. „Es gibt keinerlei Symptome – und ich gehe davon aus, dass das auch so bleibt.“

Luka Wraber

Vor eineinhalb Wochen sammelte der ASKÖ Neudörfl-Spieler mit dem Halbfinale in Jamaika noch wichtige Punkte für die Olympia-Quali. Vergangene Woche konnte das Badminton-Ass immerhin noch normal trainieren. Diese Woche ist das BSFZ Südstadt gesperrt. „Es ist alles zu“, kann Wraber derzeit in keiner Halle trainieren, muss improvisieren: „Jetzt gehe ich Radfahren“, verriet er der BVZ am Montagnachmittag, ansonsten gibt es Krafttraining in einer privaten Kraftkammer. Der internationale Badmintonverband hat die Turniere für die nächsten vier Wochen abgesagt.

„Die All England Open in Birmingham wurden am Wochenende noch zu Ende gespielt, das versteht keiner“, schüttelt Wraber den Kopf. Er selbst könnte von den Absagen profitieren, wäre aktuell für Tokio qualifiziert. „Jetzt ist die Zeit, in der man sich diverse Eventualitäten durchrechnet. Für meine Verfolger wäre es ohnehin schwer geworden, wenn es normal läuft, mich zu überholen“, skizziert Wraber. Die EM (das letzte Olympia-Qualiturnier) Ende April ist noch nicht abgesagt. In der Woche zuvor erwägt Wraber aktuell auch einen Start in Peru.

Miriam Ziegler

Seit Montag wäre die Eiskunstlauf-WM im kanadischen Montreal im Gang. Das Event fiel der Coronavirus-Thematik zum Opfer und wurde abgesagt. Darum haben auch Österreichs Nummer eins-Paar Miriam Ziegler und Severin Kiefer Abstand von der Reise genommen. Zudem kam für die Heeressportler, die in Berlin leben und trainieren, die Bundesheer-Weisung heimzukommen.

„Am Donnerstagabend haben wir uns entschieden nach Hause zu fahren. Freitagmittag hat auch schon die Eishalle in Berlin zugemacht. Generell ist nirgends mehr ein Training auf Eis möglich“, sagt Miriam Ziegler, die nun daheim in Stoob weilt. Ihr Partner Severin Kiefer ist derzeit in Salzburg.

An sich wäre geplant gewesen, nach der WM in Kanada noch in den USA an der Choreo zu feilen, das verhängte Einreiseverbot für Europäer und die generell unsichere Lage veranlassten die Mittelburgenländerin und ihren Partner aus Salzburg dann aber rasch zum Retourweg nach Österreich. „Weder wollten wir uns auf einer Reise anstecken, noch wollten wir im Ernstfall dann im Ausland weilen. Da bin ich dann schon lieber daheim.“

In Stoob kann Ziegler einerseits Konditionstraining und Stabilisierungs-Einheiten absolvieren, andererseits auch gut abschalten – und morgen, Donnerstag, ihren 26. Geburtstag daheim feiern. „Das ist auch ziemlich ungewohnt, aber trotzdem schön. In der Vergangenheit war ich außerdem nie länger als eine Woche zu Hause im Burgenland.“ Das könnte nun anders sein, abhängig vom Verlauf der Coronavirus-Krise. Wie lange sie hier bleibt? „Auf ungewisse Zeit.“

David Pichler

Burgenlands Nummer eins im Tennis war vergangene Woche noch in Südafrika bei der Challenger Tour im Einsatz. Nachdem sein erstes Match im Doppel beim Stand von 3:3 wegen Regen unterbrochen wurde, dachte er noch nicht an eine Absage: „Wir haben ein Mail von der ATP bekommen, in dem uns mitgeteilt wurde, dass alle Turniere der nächsten sechs Wochen abgesagt werden. Das war ein Schock für uns Spieler“, erzählt Pichler.

Erst ab nächster Woche hatte er mit Auswirkungen des Coronavirus auf seinen Turnierkalender gerechnet. Die Heimreise wurde dann auch noch zur Odyssee für den Osliper: Nachdem er schon im Flugzeug von Johannesburg nach Istanbul war, mussten alle den Flieger wieder verlassen. Dadurch verpasste er den Flug von Istanbul nach Wien. Nach drei Stunden Wartezeit durfte er doch noch die Heimreise antreten, am Sonntag kam er zuhause an — und musste auch nicht in Quarantäne.

Verena Eberhardt

Pech hatte die Bahnradsportlerin aus St. Martin an der Wart. Nach ihrer WM-Teilnahme in Berlin verabschiedete sich die 25-Jährige in den Urlaub nach Bali.

Zuletzt wollte sie dann aufgrund der aktuellen Entwicklung und der unklaren Situation natürlich zurück. Das war aufgrund der jüngsten Engpässe im internationalen Flugverkehr allerdings nicht möglich, die Südburgenländerin musste schließlich umbuchen und wusste zu Redaktionsschluss am Montagabend noch nicht, wann der Weg retour möglich sei. Rennen gibt es im Bahnradsport übrigens derzeit freilich keine, bis Mitte April ist alles gestrichen.