Ritzing

Erstellt am 26. April 2017, 06:17

von Bernhard Fenz

SC Ritzing: Was bleibt, ist der Wille zum Aufstieg. Ostliga-Aufstiegskandidat Ritzing hat zurückgezogen. Obmann Harald Reiszner will trotzdem weiter rauf.

Eine Frage des Lichts: Weil die notwendige Adaptierung des Flutlichts nicht zeitgerecht erfolgte und parallel dazu am Papier kein passendes Ausweichstadion gefunden wurde, zog der SC Ritzing den Lizenzantrag zurück.  |  BVZ

Eine Aussendung am Freitagnachmittag beendete alle Spekulationen, ob der SC Ritzing diesmal die Bundesliga-Lizenz erhalten werde. Die Mittelburgenländer zogen den Antrag zurück. Offizielle Begründung: Am 8. Juni soll das für die Lizenz notwendige verstärkte Flutlicht fertiggestellt werden, dem SC Ritzing war es „leider nicht möglich für einen befristeten Zeitraum vom 30.4. 2017 (Tag des Lizenzentscheids) bis zum 8.6. 2017 (Frist für die Fertigstellung der Flutlichtanlage) ein Ausweichstadion zu evaluieren“.

Geht es nach Ritzing-Obmann Harald Reiszner, soll der Klub früher oder später aufsteigen. Foto: Fenz  |  Fenz

Das sei aber nötig, wie auch Mathias Slezak von der Bundesliga-Pressestelle bestätigte: „Wenn sogenannte A-Kriterien zum Stichtag nicht rechtzeitig passen, ist ein entsprechendes Ausweichstadion Pflicht.“ Dieser vermeintlich kleine Punkt könne jedenfalls zur Lizenzverweigerung führen.

Reiszner: „Wir haben von Graz über Burgenland und Wien bis ins nördliche Niederösterreich alle Möglichkeiten ausgelotet, leider konnten wir aber kein geeignetes Stadion finden. Parallel dazu hat uns das Land Burgenland beim Flutlichtthema in politischer Hinsicht dankenswerterweise unterstützt.“

Ostligist SC/ESV Parndorf wäre jedenfalls bereit gewesen, Ritzing eine entsprechende schriftliche Genehmigung zu erteilen. Allerdings war beim ehemaligen Erste-Liga-Klub (06/07, 07/08, 13/ 14) die nötige Zulassung schon abgelaufen. Obmann und BFV-Präsident Gerhard Milletich: „Wir hätten kein Problem damit gehabt – selbst wenn Ritzing die eine oder andere Partie tatsächlich hier gespielt hätte.“

Wundertüte im Mittelburgenland. Im Sonnenseestadion Ritzing pendelt man zwischen professionellem Anspruch und der Lizenz-Realität. Foto: BVZ  |  NOEN, BVZ

Laut Reiszner wäre besagte Ausweichstätte aber ohnehin nur auf dem Papier nötig gewesen wäre. „Mitte Juli startet die Bundesliga. Da ist das Flutlicht längst adaptiert.“ Und doch drängt sich die Frage auf, ob das Flutlichtthema die einzige offene Baustelle für das Lizenzierungsverfahren war. Reiszner bestätigte, dass seitens des Finanzamts ein Punkt offen war, auch eine (persönliche) Bankgarantie des Klubchefs stand noch im Raum. „Daran wäre es aber jedenfalls nicht gescheitert.“

Dass die Lizenzbestimmungen für einen Zeitraum, in dem die neue Meisterschaft noch gar nicht gestartet ist, schlagend sind und es keine Toleranzgrenze gibt, führt der Obmann auf die jüngere Bundesliga-Vergangenheit zurück. „Es gibt ja das Beispiel Austria Salzburg, wo es in der vergangenen Saison große Probleme bezüglich eines Ausweichstadions gab.“

Was er, Reiszner, sich selbst vorwerfen könne? „Dass wir nicht schon am 1. August 2016 das neue Flutlicht bestellt haben. Da habe ich aber beispielsweise noch nicht gewusst, dass die Vienna als Konkurrent wegfällt.“ Auf Verdacht wollte der Klubboss die nötigen 130.000 Euro nicht in Auftrag geben. Bestellt sei nun trotzdem, geliefert und adaptiert werde ebenfalls. „Ich habe dann im Juni über 1.000 Lux hängen, darf aber nicht aufsteigen.“

Sportlich soll der Ritzinger Weg trotz des erneuten Scheiterns laut Reiszner weiter nach oben gehen. In der Saison 2018/2019 wird die Erste Liga von zehn auf 16 Klubs aufgestockt, vereinfachte Lizenzbestimmungen inklusive. „Wir schauen nach vorne. Auch ich muss mich einmal sammeln, weil es wirklich gut ausgesehen hat. Wir werden nun mit allen Beteiligten reden, die personellen Weichen stellen und natürlich weiter den Aufstieg anpeilen. Sonst wäre der ganze Aufwand umsonst. Was sollen wir denn mit der Anlage machen?“

Kein Fischteich im Stadion Ritzing

Ironischer Nachsatz: „Ich könnte höchstens einen Fischteich mit Tribüne und Festbeleuchtung draus machen und dann Nachtfischen, bei bester und klarer Sicht …“

Sportlich hat Stefan Rapp, seit Jänner 2014 Cheftrainer, nach der 0:5-Pleite beim Wiener Sportklub seinen Abgang bekanntgegeben. Wenige Stunden zuvor erfolgte die Bekanntgabe des Lizenzrückzugs. Interimistisch wird Co-Trainer Didi Heger bis Saisonende übernehmen.

Rapp: „Natürlich hat alles zusammengespielt – wir hatten alle auch ein super Gefühl, dass die Lizenz diesmal klappen wird. Für mich war letztlich die sportliche Komponente ausschlaggebend, beim Sportklub sind wir regelrecht abgeschlachtet worden. Was soll ich der Mannschaft noch sagen? Ich kann nicht schauspielen, darum habe ich den Schritt gesetzt. Dem Verein bin ich dankbar dafür, dass ich hauptberuflich als Trainer arbeiten durfte und die Plattform erhalten habe.“

Der gebürtige Tiroler und Wahl-Neusiedler sei jedenfalls bereit für Neues. Und auch Reiszner streute dem (Ex-)Trainer Rosen: „Ein super Bursche und hervorragender Trainer. Dass es jetzt so zu Ende gegangen ist, war nicht der Wunsch des Vereins, sondern sein persönlicher. Wir wünschen ihm jedenfalls alles Gute für seine Zukunft.“