Ein Kienzl kommt selten allein

Erstellt am 24. Januar 2022 | 02:43
Lesezeit: 5 Min
Wolfgang, Christoph, Patrick und Mario Kienzl sind eine der „Fußballerfamilien“ aus dem Südburgenland. Die vier gebürtigen Stremer sind heute noch höchst aktiv: Von der Reserve der 1. Klasse Süd bis hinauf als Kapitän in der Regionalliga Ost.
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Dort, wo die „Kienzl’s“ mit dem Fußballspielen begonnen haben, genauer gesagt in Strem im Bezirk Güssing, gibt es heute keinen Fußballverein mehr. Papa Wolfgang war der letzte Trainer des für den Sportplatzruf „Gemma Strem“ bekannten Klubs, der nach einer wahren Abgangsflut an Spielern für immer seine Pforten schloss.

Doch die Wurzeln der Familie gehen eigentlich nach Kärnten zurück, wo schon der Opa in Wolfsberg kickte und die Oma eine gute Turnerin war. „Wir sind da familiär etwas vorbestraft gewesen und waren ebenfalls drei Brüder“, lacht Papa Wolfgang, im Zivilberuf Karosseriebaumeister, KFZ-Mechaniker und Lacktechniker. Die Fußball-Affinität blieb in der Familie, denn auch Wolfgang bekam drei Söhne und alle trainierte er in jungen Jahren selbst. Vor allem zeitlich war das klarerweise ein riesiger Aufwand: „Wir sind jeden Tag herumgefahren und haben das ganze Wochenende über unseren Jungs zugeschaut“, erinnert sich der heutige Stegersbacher Nachwuchstrainer.

Mit dabei war auch immer seine Frau Heidi. Sie übte innerhalb der Familie die Funktion der „Zeugwartin“ aus. „Ohne Mama wäre nichts gegangen. Wir sind heimgekommen und alles war hergerichtet. Die Schultasche, eine Jause – sie war unser Zeugwart. Ab und zu ist sie um fünf Uhr in der Früh aufgestanden, um die nächste Waschmaschine mit Fußballgewand einzuschalten“, erinnert sich Mario, der heute „nur“ mehr in der Reserve des SV Sankt Michael in der 1. Klasse Süd aushilft.

Bruder Patrick, der bei Neusiedl am See als Kapitän in der Regionalliga tätig ist, erinnert sich auch gerne daran, wie sehr der Mama das Kicken wichtig war und muss dabei lachen: „Sie war die Schlimmste. Sie ist heute noch richtig ‚zwider‘, wenn sie nicht nach Neusiedl rauffahren kann.“

Familie im Fußball- Ausnahmezustand

Doch nicht nur die Eltern Wolfgang und Heidi waren im Fußballfieber, auch die jungen Kicker. „Bei uns war das fast schon ‚krankhaft‘. Wir sind nach Tirol zum Bundesnachwuchszentrum zuschauen gefahren. Es gibt sicher nicht viele Sportplätze, auf denen wir noch nicht waren“, erklärt Mario und sein Bruder Christoph ergänzt: „Wir waren jeden Tag auf irgendeinem Sportplatz, im Burgenland haben wir sicher alle Plätze durch. Da gibt es mittlerweile manche Vereine und Plätze schon nicht mehr.“ Nach den ersten gemeinsamen Versuchen des Brüder-Trios in der Stremer U12, wo Patrick unter anderem bereits mit fünf Jahren mitspielte, weil es keine anderen Nachwuchsteams gab, und dem Nachwuchs in Güssing, zog es die Jungs nach Stegersbach.

Das war allein schon aufgrund der verschiedenen Altersgruppen ein großer Sprung. „Wir hatten damals ein Match mit Strem, da haben alle drei gleichzeitig gespielt, aber den Patrick hat man gar nicht gesehen, weil alle Trikots in Größe L waren“, erinnert sich Wolfgang schmunzelnd zurück.

Trainiert hatte zuvor der Papa selbst. „Da hat es aber nie etwas gegeben, für mich waren beim Training oder Match alle Spieler gleich“, stellt Wolfgang Kienzl klar. „In Stegersbach waren wir dann alle wieder vereint“, freute sich Patrick. Von 2004 bis 2006 wechselte jedes Jahr ein weiterer Kienzl zum SV Stegersbach. Christoph erinnert sich an seine kuriose Verpflichtung: „Ich hab in Güssing gespielt. Nach einem Tor und einem Assist gegen Stegersbach ruft der Stegersbacher Kassier runter: ‚Dich hol ich im Sommer.‘ So war es dann auch.“

Nach ein paar Zwischenstationen, unter anderem in Neusiedl am See, kickt der älteste der Kienzl-Brüder mittlerweile wieder beim SVS in der 2. Liga Süd. Und: Solange es Spaß macht, will der 36-Jährige, der beruflich Lehrer an der NMS Güssing ist (Sport, Englisch) und passenderweise auch die Funktion von Burgenlands Fußball-Schülerliga-Koordinator ausübt, weiter kicken.

Den „300er“ als Ziel für die Sportkarriere

Sein Bruder Patrick, Sport- und Geographie-Lehrer am BRG Kurzwiese Eisenstadt, ist aktuell noch weiter für die Seestädter in der Ostliga im Einsatz und hat ein klares Ziel: „Ich will die 300 Spiele für den Verein noch erreichen. Das wird wohl noch so zwei Jahre dauern.“ Zuletzt waren die Neusiedler leider nicht aus sportlichen Gründen in den Schlagzeilen, sondern durch den aufgedeckten Wettskandal, bei dem mit dem (mittlerweile bereits suspendierten) Torhüter sowie einem Stürmer und dessen Vater Personen mit NSC-Bezug aktiv involviert sein sollen: „Das ist natürlich ärgerlich, wenn man spielt und im Nachhinein weiß, man hat gar nicht gewinnen können.“

Für Mario, der seine Tätigkeit in Kampfmannschaften bereits beendet hat, war Stegersbach das größte Erlebnis seiner Sportkarriere: „Da waren wir alle zusammen. Wir wurden Meister, gewannen den Mitropa-Cup und auch das BFV-Hallenmasters. Da hat alles im Verein gepasst damals, auch mit der 2006 errichteten neuen Anlage war alles top,“ erinnert er sich. Beruflich ist Mario wie seine Brüder Lehrer, konkret in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie. Er unterrichtet an der Austria Wien-Kooperationsschule Wendstattgasse in Wien-Favoriten.

Sportlich befinden sich alle drei jedenfalls im „Herbst“ ihrer Karriere. An eine etwaige Trainerkarriere danach will keiner denken: „Das wollen wir alle nicht“, ist sich das Trio einig. Christoph hat jedoch neben seinem Engagement beim Stegersbacher Fußballverein dort auch seine Leidenschaft für das Tennisspielen entdeckt: „Letztens waren auch meine Eltern zuschauen.“

Also schon das zukünftige neue Hobby für die gesamte Familie? Bruder Mario sieht ihn an und lacht: „Bevor ich dir Tennis zuschauen geh...“