Coronavirus: Oberwart soll weiter international bleiben. Martin und Roland Poiger kämpfen für das Judo-Event in ihrer Heimatstadt. Auch wenn aktuell das Coronavirus dominiert.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 23. März 2020 (06:01)
Brüder-Duo für den Judosport. Burgenlands-Judo-Präsident Roland Poiger und Europa-Judo-„Chef“ Martin Poiger v.l.).
Poiger

Seit zwei Jahrzehnten arbeiten Martin und Roland Poiger als Funktionäre auf unterschiedlichen Ebenen für den Judo-Sport zusammen. Derzeit ist Martin Präsident des Österreichischen Judoverbandes (ÖJV) und Leiter des Head Office der Europäischen Judo Union (EJU) ist, Roland Präsident des Burgenländischen Judoverbandes.

Die Zusammenarbeit klappt gut – „und das, obwohl Roland mehr von der Kampfrichter- und ich von der Trainerseite komme. Außerdem ist der Austausch zwischen dem ÖJV und den Landesverbänden sehr kollegial. Anweisungen von oben gibt es wenige“, so Martin Poiger.

Von ganz oben erfolgten zuletzt die Regierungs-Verordnungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Hier wandte sich Poiger („Selbstverständlich unterstützt der Verband diese und alle weiteren Maßnahmen…“) in einem offenen Brief an die Vereine. Wann wieder an öffentliche Judo-Aktivitäten gedacht werden kann, bleibt freilich offen. Auch im ÖJV steht der Trainingsbetrieb still, vorerst bis Ostern. Die Spitzenathleten halten sich über Heimtraining fit.

Stillstehen könnte künftig auch das European Open in Oberwart. Stand jetzt wurde das Event Mitte Februar zum letzten Mal im Südburgenland ausgetragen. ÖJV-Boss Martin Poiger erklärt: „Grundsätzlich ist das European Open eine Erfolgsgeschichte für Oberwart und seine Region, aber auch fürs Burgenland.“

„Es sollte weiter ein Heimturnier geben“

Dabei wird das Turnier von der Europäischen Judounion jeweils für vier Jahre an einen nationalen Verband gegeben. „Diese vier Jahre sind 2020 um. Nun ist der ÖJV am Zug, um das Event erneut nach Österreich zu holen“, erklärt Roland Poiger.

Aktuell wird über Format und Termin diskutiert, erst dann will der ÖJV einen Veranstalter suchen. Inwiefern das Burgenland im Rennen bleibt, werden dabei die künftigen Gespräche zeigen. Zurzeit ist Oberwart noch die einzige Option, ob andere Klubs und Standorte ins Spiel kommen, bleibt unklar. „Persönlich bin ich der Meinung, dass es für Judo-Österreich weiterhin ein Heimturnier geben sollte“, stellt Martin Poiger klar.

Bruder Roland ist nicht nur Präsident des Judolandesverbandes Burgenland, sondern hat auch das Obmann-Amt beim Judoklub Oberwart inne. „Es gilt jetzt, so wie in ganz Österreich, unseren Sport wieder mehr unter die Leute zu bringen. Wir sind überzeugt davon, dass Judo ein tolles Angebot darstellt, sowohl für Kinder als auch Erwachsene“, so die beiden Brüder unisono.

Das Burgenland ist gut aufgestellt, man sei stolz auf elf Vereine mit fast 500 Mitgliedern. „Diese Zahl ist stabil, trotz des vielfältigen Angebots, das ist positiv“, so Roland Poiger.

Nur positive Schlagzeilen schrieb der Judosport zuletzt aber nicht. Beispiel Doppel-Olympiasieger Peter Seisenbacher, der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Beispiel Judo-WM 2021, die Österreich nach einer ausbleibenden fristgerechten Zahlung als Ausrichter entzogen wurde. Dennoch sagt Martin Poiger: „In den österreichischen Vereinen wird hervorragende Arbeit geleistet. Das stimmt mich für die Zukunft sehr zuversichtlich.“