Paukenschlag in Strem: Gruppe Süd stimmt für eine weitere Ligastufe!
Ligareform
Für weniger statt mehr Regionalität stimmten die Vereine der Gruppe Süd am Mittwochabend. Nicht der Antrag von Oberschützen setzte sich durch, sondern jener des UFC Siget – der sieht ab der Saison 2027/28 eine weitere Leistungsstufe im Südburgenland vor. Es soll unterhalb der Burgenlandliga mit Oberliga, Unterliga, 1. Klasse und 2. Klasse gespielt werden. Am Ende der Sitzung trat Gruppenobmann Florian Jud zurück. „Ich kann das nicht vertreten.“
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Der Andrang zur Sitzung der Gruppe Süd am Mittwoch in Strem war riesig: 57 von 58 Vereinen folgten der Einladung zur Veranstaltung, bei der über eine Ligareform abgestimmt wurde. Nicht mit dabei waren BFV-Präsident Johannes Wutzlhofer und Vizepräsident Konrad Renner, beide ließen sich entschuldigen. Nach Begrüßungsworten ging es dann kurz nach 19 Uhr auch mit dem Hauptprogramm los.
Abstimmungsmäßig zusammengefunden haben sich die Klubs im Zuge der obligaten Gruppensitzung, die im Vorfeld der neuen Saison steigt, eigentlich wegen eines Antrags des UFC Oberschützen. Dieser sah vor, ab der Saison 2026/27 mit drei 1. Klassen zu spielen – die 2. Klassen wären damit Geschichte. Wenige Tage vor der Sitzung kamen aber noch zwei neue Anträge hinzu. Der SV Kirchfidisch beantragte, künftig mit drei 1. Klassen zu je acht Teams und einer 2. Klasse zu spielen. Der UFC Siget, vertreten durch Obmann Alexander Takacs (er ist auch Mitglied im Gruppenausschuss Süd des BFV) wiederum schlug vor, überhaupt eine Leistungsstufe hinzuzufügen – statt bisher drei Ligen unter der Landesliga soll es vier geben: Oberliga, Unterliga, 1. Klasse und 2. Klasse. Weil die Anträge erst kurz vor der Sitzung abgegeben wurden, musste abgestimmt werden, ob sie es in die Hauptabstimmung schaffen. Siget knackte die nötige Zwei-Drittel-Marke mit 68 Prozent, Kirchfidisch schrammte vorbei (52 Prozent). Bereits im Vorfeld war klar: Diese beiden Systeme würden aber erst 2027/28 gespielt werden.
Also gab es in der Hauptabstimmung drei Optionen: das Behalten des aktuellen Systems (A), Antrag Oberschützen (B, drei 1. Klassen, keine 2. Klassen) und Antrag Siget (C, Oberliga, Unterliga, 1. Klasse, 2. Klasse, pro Leistungsstufe nur mehr eine Gruppe südburgenlandweit). Dabei erreichte überraschend der Antrag von Siget mit 58 Prozent die Mehrheit. Option A erreichte 16, Option B 24 Prozent, zwei Prozent der geheimen Abstimmung waren ungültig.
Somit entschied sich die Mehrheit der Gruppe entgegen des eigentlichen Vorschlags von Oberschützen für weniger statt mehr Regionalität. Sigets System sieht eine zusätzliche Leistungsstufe und mehr sportlichen Wettbewerb vor, in der Oberliga (16 Vereine) spielen die Teams der jetzigen 2. Liga Süd, in der Unterliga (14) die Top-Teams der 1. Klasse, in der 1. Klasse (12) die hinteren Teams der 1. Klasse und die Top-Teams der 2. Klasse und in der 2. Klasse (12) die hinteren Teams der 2. Klasse. Wer dann wirklich wo um Punkte kämpfen wird, soll die Saison 2026/27 entscheiden. Hier bleibt das Spielsystem gleich – mit dem Unterschied, dass sich die Aufteilung in den 2. Klassen Süd A und B von derzeit 13/8 auf künftig 12/10 ändert.
„Das ist eine demokratische Entscheidung, die zu akzeptieren ist“, nahm Gruppenobmann Florian Jud den Wahlausgang zur Kenntnis, sorgte dann aber für einen kurzen Schockmoment im Raum: „Für mich selbst stand immer das Wohl der Vereine im Vordergrund, es ist kein Geheimnis, dass ich für eine regionalere Variante gewesen wäre. Durch das abgestimmte System fällt die Regionalität fast weg und das kann ich nicht vertreten. Deshalb werde ich mein Amt als Gruppenobmann mit Ende dieser Saison zurücklegen. Ich fürchte, wir werden in den kommenden Jahren so einige Vereine verlieren.“
Sowohl der Ausgang der Wahl, als auch der Rücktritt von Florian Jud waren für Bernd Eger „total unerwartet“. Der BFV-Geschäftsführer war bei der Sitzung vor Ort und stellte klar: „Die Gruppe Süd hat sich nun auf ein neues System verständigt. Jetzt muss aber auch in diesem besagten System nachhaltig gearbeitet werden. Als BFV sind wir Bewerbshüter und müssen schauen, dass das Konstrukt nachhaltig wirkt. Dass Florian Jud zurückgetreten ist, tut mir sehr leid. Wir verlieren einen richtig guten Gruppenobmann und ein wichtiges Vorstandsmitglied. Man hat auch gemerkt, wie sein Standing ist - zahlreiche Vereinsvertreter sind daraufhin auf ihn zugekommen.“
Dass Florian Jud abtritt, muss auch Burgenlands Fußballverbands-Präsident Johannes Wutzlhofer mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Dass sich die Dynamik der Abstimmung in diese Richtung entwickelte, bewertet der Rechtsanwalt emotionsfrei: „Unser Ansinnen war, unterhalb der Burgenland Energie Landesliga mehr Flexibilität zu schaffen. Das war also eine hundertprozentig basisdemokratische Entscheidung der Vereine. Wichtig ist, dass man das zulässt.“ Auf Basis der Umfrageergebnisse, die der BFV durchführen ließ, ging die Tendenz in der Gruppe Süd stark in die Richtung, dass der sportliche Aspekt für die Klubs wichtig sei. „Die größere Durchmischung war ein wichtiger Aspekt, der hier zum Tragen kommt. Ob das etwas ist, das auch langfristig hält, wird sich weisen.“
Fakt ist aber, dass die eingeschlagene rot-goldene Tendenz im Südburgenland nicht greift. Das Credo lautete, durch weniger Liga-Ebenen die Regionalität zu stärken, den Auf- und Abstiegsdruck zu reduzieren und damit einhergehend auch den notwendigen Einsatz von Legionären. Bei dieser Variante steht nun primär der sportliche Aspekt im Vordergrund, wenn es unterhalb der Burgenlandliga vier Ligen gibt, die allesamt mit Vereinen aus den drei Bezirken (Oberwart, Güssing, Jennersdorf) besetzt sein können.
Für Johannes Wutzlhofer ist klar: „Aufgrund der demografischen Struktur im Burgenland ist es schwer, ein einheitliches System zu schaffen, mit dem alle zufrieden sind. Wenn es gleichzeitig eine Eigeninitiative der Vereine gibt, die eine Mehrheit erhält, dann werden wir als BFV das auch umsetzen.“