Welche Unterstützung gibt es für den täglichen Einkauf, wenn es keinen Nahversorger mehr im Ort gibt? Dieser Frage wurde in Wimpassing im Rahmen eines Informationsabend durch die Gemeindeführung nachgegangen.
Ältester Betrieb bäckt täglich frisches Brot
Altdorfer feiert jubiläum
Das schaffen nur wenige Betriebe: 280 Jahre Familientradition und ein innovatives Konzept für die Zukunft. Hier ist die Geschichte der Bäckerei Altdorfer.
So sah die Bäckerei in der Eisenstädter Hauptstraße 10 im Jahr 1948 aus. Heute ist hier eine Auslage eingerichtet, das Verkaufsgeschäft befindet sich nebenan.
© Fa. Altdorfer
Johann Georg Holtzapffl eröffnete 1732 in Eisenstadt eine Lebzelterei, Zuckerbäckerei und Wachszieherei. 1746 wurde das Unternehmen urkundlich erwähnt, es ist somit der älteste Betrieb Eisenstadts. 1790 heiratete die Witwe Holtzapffl in zweiter Ehe Joseph Altdorfer, den Ur-Ur-Ur-Großvater der heutigen Besitzerin Ulrike Pruggnaller-Altdorfer. Im Oktober 2026 wird das 280-jährige Bestehen des Unternehmens gefeiert.
"Und unsere Kunden sind genauso traditionell wie wir", sagt Ulrike Pruggnaller-Altdorfer. "Wir hören oft so nette Geschichten: Kunden erzählen, dass sie schon mit ihren Großeltern bei uns einkaufen waren und jetzt kommen sie mit ihren Kindern."
Joseph Haydn, der von 1761 bis etwa 1790 in Eisenstadt lebte, "ist bei der Lebzelterei Altdorfer zumindest vorbeispaziert", sagt Ulrike Pruggnaller-Altdorfer. "Und wir nehmen schon an, dass er auch den einen oder anderen Lebkuchen kaufte."
Karl Altdorfer (1869-1960), Ur-Ur-Großvater von Ulrike Pruggnaller-Altdorfer, war Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Eiswagen in Eisenstadt unterwegs.
© Fa. Altdorfer
1948 wurde das Unternehmen in eine Bäckerei umgewandelt. Seit den frühen 2000er-Jahren kamen nach und nach zehn Dorfbäckerfilialen im Bezirk Eisenstadt dazu. "Wir warteten, bis ein Bäcker zusperrte", sagt Bäcker Dieter Pruggnaller. "Oft wurden wir schon vorher kontaktiert, wenn eine Bäckerei vor dem Zusperren stand." Wenn sich ein interessanter Standort auftat, sagten die Pruggnaller-Altdorfers zu und sicherten mehreren Orten die Nahversorgung.
Überall sperren Bäcker zu, die Firma Altdorfer eröffnet neu? Wie funktioniert das? "Wir gehen mit der Zeit und bewahren zugleich unsere Tradition", sagt Dieter Pruggnaller bescheiden. Er sieht sich und sein Team als "Handwerker", gebacken wird mit Geduld und Sauerteig.
Bäckerei Drive-in schon seit fast 30 Jahren
Zugleich prägte der Innovationsgeist schon die vorige Generation. 1997 eröffnete Johann Altdorfer, Vater der jetzigen Chefin, in der Industriestraße eine große moderne Backstube und das erste Bäckerei-Drive-in, das es bis heute gibt und während der Pandemie-Lockdowns einen großen Zulauf erlebte.
In allen Filialen stehen zumindest ein paar Tischchen, an denen man die Köstlichkeiten aus Bäcker- und Konditorhand verkosten und dazu einen Kaffee trinken kann. Mit dem "Alten Backhaus" in der Eisenstädter Fußgängerzone stärkte die Unternehmerfamilie das gastronomische Standbein: Das ehemalige Kaffeehaus der Familie Steiner im denkmalgeschützten, jahrhundertealten Haus Hauptstraße 33B wurde aufwendig renoviert und 2016 als Cafe-Restaurant eröffnet.
Gesund essen im Alten Backhaus
"Mit unseren gesunden Speiseangeboten haben wir den Nerv der Zeit getroffen", freut sich Dieter Pruggnaller. Die Gerichte werden aus frischen, regionalen und gesunden Zutaten zubereitet - "reiner und ehrlicher kann man es nicht machen", sagt der Unternehmer. Geöffnet ist an sieben Tagen die Woche, ein Hit ist das Frühstück mit dem frischen Gebäck aus der Backstube.
Apropos Backstube - dort wird gerne an neuen Produkten getüftelt. "Ein Kunde fragte wegen eines rustikalen Brotweckerls bei uns an, kürzlich kam die erste Charge in den Verkauf", erzählt Dieter Pruggnaller. Zwei unterschiedlich lang gereifte Natursauerteige treffen darin aufeinander, einer der beiden wird über mehrere Tage "geführt". Das aromatische Gebäck lässt den Natursauerteiggeschmack erahnen.
Spezielles für Haubenköche
"Hauben- und Spitzenköche kommen immer wieder zu uns", berichtet der Bäckerei-Chef. Gerne entwickelt er für die Küchenchefs originelle Produkte - etwa ein "Rote-Rüben-Baguette". Manche der Kreationen schaffen es dann auch in das große Bäckerei-Portfolio.
50 Mitarbeitende beschäftigt die Firma Altdorfer. Viele sind seit langen Jahren im Betrieb, ist eine Stelle frei, kann sie rasch wieder besetzt werden. "Länger als zwei Wochen dauert es nie, bis wir jemanden gefunden haben", sind die Eheleute Pruggnaller-Altdorfer stolz. Selbst das frühe Aufstehen für die Arbeit in der Backstube ist für die Teammitglieder kein Problem.
Vier Altdorfer-Generationen auf einem Bild: Lisa Pruggnaller, Maria Altdorfer, Dieter Pruggnaller, Ulrike Pruggnaller-Altdorfer, Johann Altdorfer, Josefine und Thomas Pruggnaller mit Töchterchen Katharina.
© Fa. Altdorfer
In der Familie selbst ist längst die nächste Generation am Werken. Sohn Thomas Pruggnaller absolvierte die Bäckerschule in Wels und ist seit 2020 Bäckermeister. "Er ist unsere rechte Hand, kümmert sich um Backstube und gemeinsam mit seiner Schwester Lisa um Caterings", erzählt Ulrike Pruggnaller-Altdorfer.
Sie selbst trat nach der Handelsschule mit 17 in den elterlichen Betrieb ein. "Seither bin ich da", lächelt sie. Ehemann Dieter Pruggnaller kam als Schüler auf die Flugzeugtechnik-HTL Eisenstadt, verliebte sich in die Bäckertochter und ließ sich im zweiten Bildungsweg zum Bäckermeister ausbilden.
Wien ist kein Thema
"Stillstand ist ein Wort, das für uns nicht existiert", sagt Ulrike Pruggnaller-Altdorfer. "Wir wollen uns aber auch nicht verzetteln", fügt ihr Mann hinzu. "Wir bleiben im Bäckereiumfeld und wollen nicht zu sehr wachsen. Wir haben jetzt eine gute und flexible Größe, schätzen die Regionalität." Ambitionen, nach Wien oder anderswo zu gehen, haben die Eisenstädter nicht.
Die Kunden schätzen, was Altdorfer zu bieten hat. "Als wir die Filiale in Siegendorf umbauten und nebenan den Verkauf in einem Pop-up-Store durchführten, sagte ein Kunde: Renovieren? Wäre nicht notwendig gewesen - Hauptsache die Ware ist gut."