Bildung, Betreuung und Bewegung an einem Standort: Die erste Ausbaustufe am Bildungscampus bringt eine Volksschule mit vier Klassen, drei Kindergartengruppen, eine Krippengruppe sowie eine Turnhalle.
St. Georgen: Familienleben wie es früher einmal war
Historisches im Dorfblick
Früher lebten in einem Bauernhaus nicht nur mehrere Generationen zusammen auch Knechte, Mägde und unverheiratete Geschwister.
80. Geburtstag von Theresia Leeb und mehrere Generationen der Familien Billes, Klauber, Leeb und Lichtscheidl
© Dorfblick St. Georgen
Das gemeinsame Bewirtschaften des Bauernhofes sicherte die Existenz und bei Erkrankung konnte man sich gegenseitig aushelfen. Sobald eine Familie Kinder hatte, wurde man von den Großeltern, Tanten oder Geschwistern unterstützt. Die Kinder damals hatten vor ihren Eltern und Großeltern großen Respekt, da man sie stets mit „per Sie“ anredete. Man nannte sie „Votta“ und „Mutta“, die Großeltern „Ahnl“ und „Äinl“ und die Urgroßeltern „Gux- Ahn“l und „Gux-Äinl“.
Die Kinder wurden meist zu Hause geboren, mit Unterstützung und Hilfe einer Hebamme. Männer durften damals bei der Geburt nicht dabei sein. Der jungen Mutter war es sechs Wochen verboten, irgendwelche Arbeiten zu verrichten. Verwandte und Freunde versorgten sie mit nahrhaftem Essen (God´l koch´n), kümmerten sich um den Haushalt und auch um die älteren Geschwister.
Bereits einen Tag nach der Geburt oder spätestens am nächsten Sonntag wurde das Neugeborene mit folgenden Worten zur Taufe gebracht: „An Heiden trag ma aus´m Haus, an Christen bring ma wieder z´Haus.“ Als Taufnamen waren nur christliche Namen zugelassen. Nach einem Monat nahm die Mutter ihr Kind in die Kirche mit, nahm im ersten Kirchstuhl Platz und wurde vom Pfarrer gesegnet. Das nannte man „Viagang“.
Die Säuglinge wickelte man bis vor dem 2. Weltkrieg in alte Leintücher oder Stofffetzen. Die Kleinkinder nannte man „Hia-Schmoan“. Die Kinder spielten ganzen Tag im Freien und waren sich zum Teil selbst überlassen. Die Kleineren standen unter der Obhut der älteren Mitglieder der Großfamilie, da die Eltern am Feld und im Haus arbeiteten. Größere Kinder mussten auch bei der Feldarbeit anpacken und spürten die Strenge der Eltern und Lehrer, wenn sie nicht gehorchten.
Es waren aber nur jene Kinder gesellschaftlich anerkannt, die einer legalen Ehe entstammten. Nach mündlicher Überlieferung musste sich ein Mädchen, das einer „Schandtat“ überführt war, vor und nach dem Kirchgang unter dem Kreuz an der Kirchensüdmauer hinstellen und war dem Spott und Hohn der Leute ausgesetzt. Ehebrecher und unverheiratete Eltern wurden bis in die 1930er Jahre in der Kirche öffentlich gemaßregelt.
Die Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend verändert und damit auch die Familienstruktur. Die Großfamilie mit mehreren Generationen in einem Haus findet man noch. Vermehrt leben viele Paare mit Kindern zusammen ohne verheiratet zu sein. Bedingt durch die Berufstätigkeit beider Elternteile sind neben den Großeltern, Leihomas, Tagesmütter, Kinderkrippen und Kindergärten für die Betreuung der Kinder notwendig.