„Mein Ziel ist es, die Landesgalerie zu einem Begegnungsort im Alltag

Interview der Woche

Im Februar übernahm die international anerkannte Künstlerin Birgit Sauer die Leitung der Landesgalerie in Eisenstadt. Selbst vom Fach, versteht sie es bestens als Bindeglied zwischen ausstellenden Künstlern und der Galerie zu fungieren und hat große Pläne, um die Landesgalerie aktiv in das Alltagsleben der Burgenländer zu integrieren.

Von Nina Mayer

Birgit Sauer startet voller Visionen und Pläne in eine neue Ära der Landesgalerie

Birgit Sauer startet voller Visionen und Pläne in eine neue Ära der Landesgalerie

© Nina Mayer

BVZ: Am 1. Februar wurden Sie mit der Leitung der Landesgalerie betraut. Kam das Angebot für Sie überraschend und brauchten Sie Bedenkzeit, um es anzunehmen?


Birgit Sauer: Man wurde durch meine Ausstellung „stillleben“ auf mich aufmerksam. 2021 in der Landesgalerie haben sich intensive und konstruktive Gespräche mit Landeshauptmann Doskozil ergeben. Daraus ist dann meine Tätigkeit als Koordinatorin für zeitgenössische bildende Kunst entstanden, schon mit der Verantwortung, die Landesgalerie konzeptionell mitzudenken.

Diese zwei Jahre als freier Dienstnehmer für die Kulturabteilung Projekte zu entwickeln und umzusetzen waren eine gute Vorbereitung für die Aufgabe jetzt, die Landesgalerie neu zu positionieren und reorganisieren.

Planen Sie Veränderungen und welche Projekte liegen Ihnen dabei besonders am Herzen?

Das größte Anliegen ist mir, dass die Landesgalerie eine Institution, die man wahrnimmt und ein Ort des Austauschs wird. Ein Treffpunkt, wo man immer wieder auch gerne spontan vorbeischaut und interessante Menschen trifft. Es gibt Überlegungen mit einfachen Mitteln, die Landesgalerie sichtbarer zu machen und die dritte Dimension des Ausstellungsraums zu aktivieren. Ganz besonders liegt mir die Öffnung nach außen am Herzen.

Wie wollen Sie mehr Menschen dazu motivieren, in die Galerie zu kommen?

Dazu gibt es viele Ideen, die schon auf Umsetzung warten. Den Beginn machen zwei große Tische auf Rollen, angefertigt von Christian Ruschitzka. Sie sind die Basis für die neuen Projekte.

Ich plane, mit drei Ausstellungsformaten zu arbeiten: Ausstellungen im Hauptraum, Ausstellungen im Extrazimmer – das Foyer im 2. Obergeschoss ist ein wunderbares Pendent zum Hauptraum – und ab September wollen wir die Reihe „im Fokus“ starten, die das „Kunstwerk des Monats“ ablösen wird.

Der jetzige Medienraum wird zum Kabinett, der Zentrale, umgestaltet. Dort soll für Künstlerinnen und Künstler in Zusammenarbeit mit der IG bildenden Kunst und Bildrecht Informationsaustausch angeboten werden, genauso sollen auch die Gäste über die bildende Kunstszene im Burgenland informiert werden, also ein Wissensaustausch und Sichtbarmachen.

„Mein Ziel ist es, die Landesgalerie zu einem Begegnungsort im Alltag

© zVg LMS/Hafenscher

Glauben Sie, dass es möglich sein wird, junge Menschen als Gäste zu gewinnen?

Ja, natürlich. Ich finde ja, dass man durch's Tun vieles einfacher begreifen und Zugang zu Neuem bekommen kann. Techniken praktisch vermitteln wird in den nächsten drei Jahren sicher ein Schwerpunkt sein. Das Angebot soll sich an alle Menschen richten. Ich glaube auch, dass das gemeinsame Einschließende und nicht in Altersgruppen Ein- und Aufgeteilte einen spannenden Austausch ergeben wird.


Stehen schon Ausstellungstermine fest? Auf welche Künstler darf man gespannt sein?

Es wird schon sehr lebendig: Am 26. April starten wir mit einem „RESET“ und laden das Publikum zu einem Dialog ein, Fritz Ostermayer sorgt für Musik, wir starten die Serie „Die unbekannten Österreicher“ – ausgewählte Möbelstücke aus der Sammlung Thomas Hochwarters. An dem Tag wird auch die erste Ausstellung im Extrazimmer eröffnet: Christian Ruschitzka „Das Bernsteinzimmer“.

Zu „offen“ im Nordburgenland am 4. und 5. Mai gibt es drei Positionen im Hauptraum der Landesgalerie zu sehen: Lisa Großkopf, Franza Maier, Richard Jurtitsch.

Am 24. Mai ist die Eröffnung der Ausstellung „Elfie Semotan. Der doppelte Blick“ kuratiert von Katrin Bucher Trantow, der Chefkuratorin des Kunsthauses Graz. Katrin Bucher, die Gründerin der Nomadengalerie Kunsthalle Burgenland, hat auch ein Plakatprojekt durch's ganze Burgenland initiiert.
„The Two Sides of Being Online“ eine Work-in-Progress Ausstellung von Hannah und Lea Neckel wird im Oktober eröffnet. Dazwischen sind Gespräche, Kunstausflüge und Filmvorführungen geplant.

Hannah und Lea Neckel sind in der digitalen, transmedialen Kunst zu Hause. Was halten Sie eigentlich von digitaler Kunst und der Möglichkeit, sie zu erwerben? Stichwort: NFT.

Digitale Kunst oder Computerkunst ist mittlerweile auch schon ein paar Dekaden alt. Der Forschungsauftrag der Kunst besteht eben darin, alles zu erforschen, zu zerlegen und mit anderer Logik wieder zusammenzubauen, egal in welcher Technik. Genau diese anderen Perspektiven machen die Kunst gesellschaftlich so wichtig.

„Mein Ziel ist es, die Landesgalerie zu einem Begegnungsort im Alltag

© zVg LMS/Hafenscher

Was sind die größten Probleme, mit denen Künstler im Moment konfrontiert sind und wie kann man ihnen entgegenwirken?

Die Zeit fordert auch die Künstlerinnen und Künstler dazu auf, marketingtechnisch immer perfekter aufzutreten. Das heißt perfekte Portfolios, Lagerlisten, Werkfotografien, Texte, Websites, Social-Media Auftritte und alles mindestens zweisprachig immer parat zu haben - im System eben optimiert zu funktionieren. Das ist irgendwie ein Widerspruch.

Würden Sie Ihren künstlerischen Werdegang kurz umreißen?

Ich habe an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studiert und parallel dazu die NN-fabrik in der Siegendorfer Zuckerfabrik mitaufgebaut. Dort habe ich sehr viel gelernt, auch viel Organisatorisches, da wir mit Ausstellungen bis nach Übersee unterwegs waren.

Wann kam dann die Entscheidung, den Weg alleine weiterzugehen?

Mit der NN-fabrik habe ich eine sehr intensive Zeit erlebt, dann hat die nächste begonnen. Mein jetziges Atelier befindet sich am Flugplatz Trausdorf, es ist für mich ein guter Platz zum Experimentieren und neue Techniken finden, ein guter Platz zum Wegfliegen und wieder Landen.

Vielleicht noch ein paar abschließende Worte, die Sie den Lesern der BVZ sagen wollen?

Ja, sicher. Ich lade sehr herzlich ein, zu uns in die Landesgalerie zu kommen, damit diese ein lebendiger Raum für kulturellen Austausch wird, ein Raum der Begegnung im Alltag. Darauf freue ich mich!

„Mein Ziel ist es, die Landesgalerie zu einem Begegnungsort im Alltag

© Reinhard Gombas, Reinhard Gombas

Steckbrief

Birgit Sauer

Geboren: 1972

Geburtsort: Wien

Wohnort: Flugplatz Trausdorf

Ausbildung: Kunststudium an der Universität für angewandte Kunst

Beruf: Leitung der Landesgalerie Burgenland, Künstlerin