Der weite (und kalte) Weg zum Prinzessinnenwein

Jahrgangswein

Eine Weinprinzessin braucht einen standesgemäßen Wein, das ist der unstrittige Teil. Schwieriger gestaltete sich die Frage, was die Grade hergeben - wird es ein Eiswein? Oder eine Auslese?

Von Markus Kaiser

Statt einem Eiswein als Jahrgangswein für Weinprinzessin Lena wurde es ein "Prinzessinnenauslese".

Statt einem Eiswein als Jahrgangswein für Weinprinzessin Lena wurde es ein "Prinzessinnenauslese".

© zVg Weingut Glauber

Es ist finster, eine feuchte Eiseskälte hat sich in die Ebene zwischen Leithaberg und Föllik gelegt. Und um noch eins draufzulegen, geht natürlich auch noch der Wind. Lena Glauber ist warm eingepackt, aber so warm, dass es auch tatsächlich warm wäre, kann man sich an Tagen wie diesen natürlich nicht. Tage wie diese, das ist die Eisweinlese.

Aber von vorne: In der Kleinhöfleiner Riede „Satz“ besitzt das Sigleßer und Mörbischer Weingut Glauber eine kleine, aber feine Lage. Genau dort ließ Winzer Michael Glauber im Winter einige Reihen Traminer bewusst länger am Stock – insgesamt rund ein drittel Hektar. Der Grund dafür war ein ganz persönlicher: Der Wein sollte seiner Tochter Lena gewidmet sein, die im Jahr 2025 zur Weinprinzessin gewählt wurde.

Ursprünglich sei eine Beerenauslese als sogenannter Jahreswein für Lena geplant gewesen, erzählt Glauber. Doch das Wetter machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen brachte eine markante Kälteperiode Temperaturen von minus sechs bis minus sieben Grad – perfekte Bedingungen für einen Eiswein, dachte der erfahrene Winzer am Vortag im BVZ-Gespräch jedenfalls noch.

Damit Eiswein gelesen werden darf, müssen strenge Vorgaben erfüllt sein. Entscheidend ist unter anderem der Zuckergehalt der Trauben. Rund 25 Grad KMW sind notwendig, 23 wurden bereits am Vortag gemessen. Aufgrund der angesagten Kälte meldete Glauber die geplante Lese rechtzeitig beim zuständigen Kellereiinspektor an – mit positivem Bescheid.

Für Michael Glauber ist es nicht der erste Eiswein. Bereits drei Mal konnte er diese rare Spezialität keltern. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der erste Eiswein, der zufällig an jenem Tag gelesen wurde, an dem der damalige Bundespräsident Heinz Fischer das Weingut besuchte. Der Wein erhielt später den Namen „Präsidenten-Eiswein“.

Der aktuelle Eiswein hätte einen ebenso klangvollen Titel: „Prinzessinnen-Eiswein“. Hätte: Der Wind hat die notwendige Eiseskälte verweht, das Traubenmaterial nicht ganz durchgefroren. Der Familienrat der Familie Glauber entscheidet: Eine Stunde geben wir der Kälte noch.

Sechs Uhr Früh, der Wind ist nur noch unbarmherziger geworden. „Aus!“, sagt Glauber der BVZ: „Wir gehen am Nachmittag lesen, was eben zu lesen ist.“ Sein Pragmatismus wird belohnt, am Ende kommt dann doch noch eine Erfolgsmeldung: „Statt Eiswein wurde es eine Prinzessinnen-Auslese!“