Starke Lebenszeichen des jüdischen Eisenstadts

Lesungen und Fest

Feste, Lesungen und Besuche lassen das jüdische Eisenstadt wieder aufleben.

Von Markus Kaiser

Die vielen Ehrenamtlichen der Nachbarschaftshilfe Plus Eisenstadt rund um Obfrau Waltraud Bachmaier (9.v.l.) bekamen eine Führung durch das Jüdische Museum von Direktorin Esther Heiss (11.v.l.). Das Interesse daran war so groß, dass Führungen zu den jüdischen Friedhöfen folgen sollen.

Die vielen Ehrenamtlichen der Nachbarschaftshilfe Plus Eisenstadt rund um Obfrau Waltraud Bachmaier (9.v.l.) bekamen eine Führung durch das Jüdische Museum von Direktorin Esther Heiss (11.v.l.). Das Interesse daran war so groß, dass Führungen zu den jüdischen Friedhöfen folgen sollen.

© zVg Nachbarschaftshilfe

Es ist ein gutes Zeichen für unseren Umgang mit Geschichte, wenn an den schwierigen Daten wie dem Hitler-Geburtstag (20. April) oder der Befreiung des KZ Mauthausen (5. Mai) nicht alle nur betroffen auf den Boden schauen, sondern, im Gegenteil, zusammensitzen und etwas Schönes und gleichzeitig Würdevolles machen. Ohne ein Opfer der NS-Zeit persönlich gekannt zu haben, wie auch ohne Zeitmaschine, lässt sich sicher behaupten, dass ihnen das lieber gewesen wäre.

In diesem Geiste führte die neue Direktorin des Jüdischen Museums, Esther Heiss, die Ehrenamtlichen und Klienten der Nachbarschaftshilfe Plus Eisenstadt persönlich durch das Museum. „Es war eine sehr beeindruckende und extrem informative Führung durch die jüdische Geschichte und die Teilnehmer waren sehr beeindruckt vom umfassenden Wissen von Direktorin Heiss. Esther sprüht vor Energie und ist ein Gewinn für unser Museum“, war Obfrau Waltraud Bachmaier begeistert.

Aufgrund des großen Interesses soll es auch eine Führung im Herbst durch die beiden Friedhöfe und die Besichtigung des Wolf-Mausoleums geben.

„Stolpertexte“ erinnern an vertriebene jüdische Landsleute

Am 6. Mai 2024 war der „Jom ha-Schoa“, an welchem in Israel der Opfer des Holocaust gedacht wurde. Im Jüdischen Museum fand daher eine „Stolpertexte“-Lesung statt. Diese sollen in Anlehnung an die bekannten „Stolpersteine“ an die während der Schoa geflüchteten und vertriebenen burgenländischen Jüdinnen und Juden erinnern. In Kooperation mit der Burgenländischen Forschungsgesellschaft wurden dazu Briefe vorgelesen und ein Interview gezeigt.

Direktorin Esther Heiss betonte: "Es war also wichtig, weil mit den Stolpertexten nicht nur die Grausamkeiten, die an Juden begangen wurden, sondern auch deren individuelle Geschichten ins Gedächtnis gerufen werden. Was gerade in der heutigen Zeit, in der wieder Hass und Antisemitismus um sich greifen, sehr wichtig ist. Nie wieder ist jetzt!"

Starke Lebenszeichen des jüdischen Eisenstadts

© zVg OJM/Heiss

Am Tag darauf, am 8. Mai, der Kapitulation Hitler-Deutschlands, besuchte die erste französische jüdische Gruppe mit rund 40 Personen das Jüdische Museum. Auch eine englischsprachige jüdische Gruppe war zu Gast. Beide besuchten den älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, um den Verstorbenen ihren Respekt zu zollen.

Pallitsch präsentierte Buch über Prophet Jeremia

Starke Lebenszeichen des jüdischen Eisenstadts

© zVg PH Burgeland

Auch die Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (PPH) stand in der Vorwoche ganz im Zeichen des Judentums. Lukas Pallitsch, Fachinspektor für den katholischen Religionsunterricht an AHS/BMHS und Lehrbeauftragter an der PPH, präsentierte sein neu erschienenen Buchs „Das Nachleben des Propheten Jeremia bei Stefan Zweig und Franz Werfel“. 1933 wurden die Bücher von Stefan Zweig und Franz Werfel von den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt, so mussten sich die beiden Schriftsteller auf tragische Weise mit ihrer - bis dahin bestenfalls hintergründig bewussten - jüdischen Herkunft auseinandersetzen. Sie befassten sich mit Motiven der jüdischen Geschichte und so landeten sowohl Zweig als auch Werfel dabei beim „Unheilpropheten“ Jeremia.

„Literatur ist der Rede wert“

Im Anschluss an die Vorstellung seines Werkes diskutierte Lukas Pallitsch gemeinsam mit Martin A. Hainz (PPH) und Wolfgang Treitler (Universität Wien) über die Stellung der Literatur im gegenwärtigen Bildungssystem und insbesondere der Bedeutung der österreichisch-jüdischen Literatur. Die drei Wissenschaftler am Podium kamen zum Ergebnis, dass die Aktualität von Werfel und Zweig ungebrochen sei. Prägnant und mit begrifflicher Schärfe argumentierten sie im Sinne des Jeremia-Motivs: In Zeiten, in denen Phrasen und Schlagworte dominieren, gilt es der inneren Stimme des Gewissens zu folgen.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Gitarristen Gen Hasegawa aus Eisenstadt. Es zeigte sich: Literatur ist der Rede wert!

Starke Lebenszeichen des jüdischen Eisenstadts

© zVg

Kurzwiese besuchte KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Außerdem besuchten fast 60 Schülerinnen und Schüler der 4A und 4B des Gymnasiums Kurzwiese die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Begleitet wurden sie von Landtagspräsident Robert Hergovich, der „die schulische Erinnerungskultur und Gedenkstättenbesuche als wesentlich für die Bewusstseinsbildung“ betrachtet. Die Begrüßung erfolgte durch Barbara Glück, Direktorin der Gedenkstätte. Nach einem Gedenkakt nahmen die Schülerinnen und Schüler an einem begleiteten Rundgang an der Gedenkstätte teil.

„Wir müssen die Erinnerung an die Gräuel der NS-Zeit wachhalten, damit es nie wieder dazu kommt. Einen wichtigen Stellenwert haben dabei Bildung, die pädagogische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Dialog mit der Jugend“, zeigt sich der Landtagspräsident überzeugt.

OJM-Events

35 Jahre Verlag Bibliothek der Provinz: „Jubelfest“ mit Gerhard Altmann, Jakob Perschy und vielen mehr am Sonntag, 26. Mai 2024, Matinee um 11 Uhr, ab 9 Uhr Museumsführungen.

„Jüdisches Gassenfest“ zugunsten der Restaurierung des Museums am Museumsplatz zwischen Museum und Schlosscafé: am Mittwoch, 29. Mai 2024, 18 bis 22:00 Uhr. Musik kommt von „Die Hawaras“, es gibt israelische Tänze und ein Pessach-Programm von Richard Seniow und Mika Ehrlich. Für Speis und Trank sorgt das Schlosscafé.