Der neue Pfarrer vom Oberberg und Kleinhöflein im BVZ-Gespräch

Lorenz Voith

Bischofsvikar Lorenz Voith wird mit 8. September der neue Pfarrer am Oberberg und in Kleinhöflein. Mit der BVZ sprach er über sein Herzensthema, die Seelsorge, aber auch über die Rückkehr der Armut ins Burgenland und was die Kirche dagegen tun kann und muss.

Von Markus Kaiser

Die Bergkirche bekommt einen neuen Hausherren: Lorenz Voith.

Die Bergkirche bekommt einen neuen Hausherren: Lorenz Voith.

© Foto: BVZ/Kaiser

Bischofsvikar Lorenz Voith wird mit 8. September der neue Pfarrer am Oberberg und in Kleinhöflein. Mit der BVZ sprach er über sein Herzensthema, die Seelsorge, aber auch über die Rückkehr der Armut ins Burgenland und was die Kirche dagegen tun kann und muss.

Die Sommersonne brennt erbarmungslos auf die Bergkirche nieder, man könnte fast neidig sein, dass Joseph Haydn darin in seiner kühlen Krypta liegen kann. Auf den Steinstufen hinauf zu der nach dem größten Komponisten der Musikgeschichte benannten Kapelle wartet geduldig Pfarrer Lorenz Voith, der gebürtige Kärntner kennt sich ja mit Sonne aus.

“Ich habe zu Bischof Ägidius gesagt, dass meine Zeit in der Marienpfarre in Hernals als Rektor und Pfarre zu Ende geht, ich also eine kleine Aufgabe hier im Burgenland übernehmen könnte”, erzählt Voith und lacht: “Aus der ,kleinen Aufgabe’ wurde eine der bekanntesten Kirchen in ganz Österreich.”

Der neue Pfarrer vom Oberberg und Kleinhöflein im BVZ-Gespräch

© Foto: BVZ/Kaiser

Am 1. September hält er hier seinen Gottesdienst, am 8. September folgt seine feierliche Installation durch Bischof Ägidius Zsifkovics, dem er schon seit 2015 als Vikar verbunden ist. “Jetzt folgt einmal die Kennenlern-Phase. Ich bin mir sicher, dass wir am Oberberg und in Kleinhöflein engagierte Pfarrmitglieder haben, um die wir ein aktives Pfarrleben gestalten können”, so Voith.

Eine offensichtliche Aufgabe für den Oberberg hat er aber bereits identifiziert: “Es gab in den letzten Jahrzehnten einen starken Rückgang von Pilgerreisen, die den Oberberg ja immer geprägt haben. Das muss neu gedacht werden, immerhin sind Tagesausflüge vor allem für Senioren ja wieder eine besonders beliebte Urlaubsform geworden.”

“Tradition braucht auch Updates”

Was es dafür brauche, sei eine “offene Kirche”. Diese Offenheit müsse mehrere Ebenen haben, sie beginnt aber ganz einfach einmal bei der Kirchentür: “Wenn Gläubige zur Kirche kommen, muss jemand dort sein, der sie empfängt und sich ihrer annimmt. Das Besucherzentrum in der Bergkirche ist da die ideale Ausgangsbasis.”

Mit “offen” meint Voith aber auch, das offene Ohr, das er versucht hat, mit Seelsorgeräumen und Gesprächsinseln in seiner Zeit in Innsbruck und Wien zu verankern: “Der Zustand der Not ist mehr geworden. Aber viele finden nicht mehr in der Kirche die Stelle, wo man diese Last abladen kann. Wir haben starken Gegenwind und teilweise einen schlechten Ruf. Da müssen wir die Kirche neu denken.”

Es gibt kaum genug Therapie-Plätze, für die große Nachfrage - wäre da das gute, alte Sakrament der Beichte geeignet, um den Gläubigen einen Ort zu geben, um offen über ihre Sorgen reden zu können? Da rennt man bei Voith offene Türen ein: “Genau das war die Idee hinter den Gesprächsräumen in Innsbruck und Wien! Ein neu verstandenes Sakrament wäre so wichtig. Aber die Beichte hat den Ruf, dass man dort wie vor Gericht sitzt, dabei ist es ein erlösendes Element. Jede Tradition braucht hin und wieder ein Update. Dazu braucht es aber auch ein gutes Angebot und fixe Zeiten, an denen immer eine geschulte Person da ist. Das müsste auch nicht unbedingt ein Pfarrer sein.”

Der neue Pfarrer vom Oberberg und Kleinhöflein im BVZ-Gespräch

© Fotos: BVZ/Kaiser

Gerade für ihn als Redemptorist sei das wichtig, der Gründer, der Heilige Alfons, sei immerhin der Patron der Beichtväter. Passenderweise wird er am 1. August gefeiert. Mit “barmherzig sein - und nicht nachfragen”, zitiert Voith ihn.

Er hat nun sechs Jahre Zeit, das Vertrauensverhältnis aufzubauen, das es für Wiederbelebung der Beichte braucht. Danach gibt dann die Option auf Verlängerung. “Das hat die Bischofskonferenz zum Standard gemacht, in Italien wird das bereits länger so gelebt und es hat sich bewährt”, ist Voith zufrieden.

Eine Volkskirche mit ersten Burchlinien

Was fällt besonders an der Kirche im Burgenland im Vergleich zu seinen früheren priesterlichen Stationen in Innsbruck und Wien auf? “Im Burgenland gehen die Uhren anders. Man hat eine gewisse Flexibilität im Leben, es ist nicht immer alles so streng. Das hat Vor- und Nachteile, aber die Vorteile überwiegen”, lacht Voith. “Im Burgenland die Kirche noch Volkskirche, zu einer Firmung marschiert alles auf, was es im Dorf gibt, Familie, Freunde, Vereine. Aber auch hier erkenne ich langsam Brüche.”

Offen müssen für Voith also nicht nur die Türen und Ohren, sondern auch Augen sein. Sonst sieht man ein neues, aber eigentlich altes Phänomen nicht, das Voith “verschämte Armut” nennt: “Von Armut bedrohte Menschen verstecken sich, bitten kaum an offizieller Stelle um Hilfe. Aber sie zu finden ist ein Grundauftrag Jesu. Viele von ihnen fühlen sich leider bei uns nicht zuhause, dabei wären sie eine wichtige Zielgruppe von uns.” Es brauche ein gutes Netzwerk von guten Leiten, die wissen, wo man hinschauen müsse.

Dieses Netzwerk mit Organisationen wie der Pannonischen Tafel aufzubauen ist für Voith ebenso wichtig, wie die Zusammenarbeit mit anderen Eisenstädter Kirchen: “Die Schwestern im Theresianum, die Barmherzigen Brüder im Krankenhaus, die Franziskaner, der Dom und die St. Georgener - wir sitzen alle im gleichen Boot.”

Zusammenarbeiten und sich auszutauschen liege - kann Voith nach neun Jahren im Burgenland schon sagen - ja auch in unserem Wesen: “Mich hat von Anfang an die Weite der Pannonischen Tiefebene fasziniert. Der weite Horizont, das hat schon etwas Philosophisches.”