Trotz restriktiver Haushaltsführung bleibt die Budgetsituation in der Stadt angespannt. Der Gemeinderat beschloss nun einen Nachtragsvoranschlag und die Aufnahme eines 1,9-Millionen-Euro-Kredits.
Schlumberger-Start: Es prickelt in Müllendorf
Modernster Sektbetrieb
Ein Blick hinter die Kulissen des diese Woche eröffneten „House of Sparkling“ zeigt, wie Tradition und Technik in Müllendorf zusammenfließen.
Eröffneten das House of Sparkling: Toni Faber, Florian Czink, Werner Huf, Daniela Winkler, Aurore Jeudy, Patrick Meszarits und Stephan Dubach (v.l.).
© katharinaschiffl.com, Katharina Schiffl
Die BVZ durfte vorab durch die neuen Hallen des Schlumberger-Standorts gehen. Zwischen Edelstahl, Glas und dem feinen Duft nach Gärung erklärt Produktionsdirektor Patrick Meszarits mit spürbarem Stolz die Abläufe. Der gebürtige Horitschoner, aufgewachsen in Ritzing, ist seit acht Jahren im Unternehmen und hat die gesamte Übersiedlung von Wien ins Burgenland begleitet.
„Wir hätten Millionen investieren müssen, um den alten Standort in Wien zu modernisieren. In Müllendorf konnten wir komplett neu aufbauen – mit effizienter Logistik, modernster Technik und idealer Infrastruktur“, sagt Meszarits. Auf 16.000 Quadratmetern Produktionsfläche lagern heute rund vier Millionen Flaschen.
Zweite Gärung im Burgenland
Während die Grundweine weiterhin in Bad Vöslau hergestellt werden, findet die zweite Gärung in Müllendorf statt – exakt nach dem Prinzip der Champagner-Herstellung. Die Flaschen liegen dabei zwischen einem und fünf Jahren auf der Hefe. „Das Verfahren ist komplett ident mit Champagner – nur dass unsere Trauben aus Niederösterreich und dem Burgenland stammen“, erklärt Meszarits.

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Die Französin Aurore Jeudy, Kellermeisterin aus dem Elsass, sorgt für die Assemblage, also das feine Zusammenspiel der Grundweine. „Komplexität kommt durch die zweite Gärung“, sagt sie. „Wie bei einem Blumenstrauß – eine Sorte ist schön, aber erst viele ergeben Tiefe.“ Sie hat die Rezeptur leicht verändert und setzt auf Cuvees aus Chardonnay, Welschriesling und Weißburgunder.
Rütteln, Kühlen, Präzision
Auf einer Plattform rütteln automatisch hunderte Flaschen, bis sich die Hefe sammelt. 10.000 von ihnen können pro Stunde prodziert werden. Danach werden sie kopfüber in ein Eisbad bei minus 27 Grad getaucht, um den Hefepfropfen zu entfernen – der Verlust liegt im Milliliterbereich. „Sauberkeit ist das A und O. Nur so können wir Sekt mit extrem niedrigen Histaminwerten garantieren“, betont der Produktionsleiter.

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In einer Stunde entstehen bis zu zehntausend Flaschen – produziert wird im Vier-Tage-Betrieb mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 80 Prozent der Wiener Belegschaft konnten übernommen werden, für die Pendler gibt es ein Shuttle vom Bahnhof.
Nachhaltig und energieeffizient
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Nachhaltigkeit: Eine 500-Kilowatt-Photovoltaikanlage deckt im Sommer tagsüber den gesamten Energiebedarf. Eine Erdkühlung sorgt zusätzlich für konstante Temperaturen. Die Kosten für den Neubau bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich. „Ein Speicher wäre derzeit nicht rentabel, aber wir arbeiten daran, künftig noch mehr Energie selbst zu nutzen“, so Meszarits.

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Nicht alles lief reibungslos: „Mit Netz Burgenland war’s schwierig – erst wegen dem Anschluss und dann wird oft wird die Einspeisung gedrosselt, weil der Knoten Müllendorf für unsere Einspeisemengen nicht ausgelegt ist. Das hat uns Zeit und Geld gekostet.“ Auch die Abstimmung mit Anrainern war aufwendig. „Manche Beschwerden haben uns Millionen gekostet. Daher fahren wir Informationskampagnen, um Vorurteile abzubauen.“
Vom Alltag bis zur großen Reserve
Neben Klassikern wie Schlumberger, Goldeck und Hochriegl entstehen hier künftig auch exklusive Reserven. Ein Pinot-Noir-Sekt aus Andau reift derzeit auf der Hefe, eine Variante ohne Dosage ist in Planung. „Sekt soll kein Luxusprodukt sein, sondern Freude machen – egal ob beim Feiern oder einfach zwischendurch“, lädt Jeudy zum Verkosten ein.

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- Eröffnung: 28. Oktober 2025
- Produktionsfläche: 16.000 Quadratmeter
- Jährliche Produktion: rund 3 Millionen Liter, bis zu 10.000 Flaschen pro Stunde
- Mitarbeiter: 30
- Lagerkapazität: 4 Millionen Flaschen, 2.500 Paletten
- Energie: 500 kWp Photovoltaikanlage, Erdkühlung
- Kosten: mittlerer zweistelliger Millionenbetrag
- Marken: Schlumberger, Hochriegl, Goldeck
- Kellermeisterin: Aurore Jeudy (Elsass)
- Produktionsdirektor: Patrick Meszarits (Ritzing)