Geduld brauchen Verkehrsteilnehmer in den nächsten Wochen: Entlang der Bahnstrecke zwischen Wulkaprodersdorf und Schützen am Gebirge finden Bauarbeiten statt.
Hornsteiner Sigmapharm will mit japanischem Partner Weltmarkt erobern
Neufelder Pharmig-Chef
Sigmapharm-Geschäftsführer Bernhard Wittmann über Expansion, bürokratische Hürden – und seinen neuen Job als interimistischer Präsident des Pharmaverbands Pharmig.
Noch genügend Platz für Wachstum: Der Wahl-Neufelder Dr. Bernhard Wittmann konnte einen mächtigen japanischen Partner für seine Hornsteiner Sigmapharm an Land ziehen.
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Sigmapharm Arzneimittel GmbH produziert seit 2019 am Standort Hornstein sterile, flüssige Produkte als Nasensprays, Rachensprays, Augentropfen. Nun sorgt ein Deal mit dem japanischen Weltmarktführer für rezeptfreie Augentropfen, Rotho, für Aufbruchstimmung: „Wir bringen unser Know-how in der EU-Zulassung, unsere Produktionskapazitäten und unsere Marktkenntnis mit, Rotho seine starke Position auf dem Welt-Markt. Ein perfekter Match!“, so Geschäftsführer Dr. Bernhard Wittmann im Gespräch mit der BVZ.
Produktionsstätte mit Perspektive
Dass der Standort Hornstein gewählt wurde, sei kein Zufall. „Wir haben viele Jahre an unserem Stammsitz in Wien produziert, aber dort war kein Wachstum mehr möglich. Das Burgenland hat sich parteiübergreifend sehr um unsere Ansiedelung bemüht – das war für die Standort-Entscheidung immens wichtig“, so der Wahl-Neufelder. Förderungen, Grundstückspreise, Infrastruktur und die Nähe zu Wien seien zusätzliche Pluspunkte gewesen.
Die Zukunft des Standorts ist vielversprechend: „Wir haben hier Bau-Reserven und können jederzeit hochskalieren.“ Ziel sei es, bei erfolgreichem EU-Markteintritt mit Rotho die Kapazitäten weiter auszubauen.
Der Mittelstand als Innovationsmotor
Sigmapharm zählt zu den wenigen Pharmaunternehmen in Österreich, die tatsächlich im Inland produzieren. „Von rund 130 Firmen produzieren nur 15 bis 20 wirklich in Österreich“, betont Wittmann. Dabei sei gerade die Produktion entscheidend für Versorgungssicherheit. Das habe nicht zuletzt die Pandemie gezeigt. Sigmapharm konnte auch in den Lock-down-Phasen ständig den Markt versorgen und ohne Unterbrechung produzieren. Noch dazu hatte das Unternehmen ein eigenes, passendes Produkt schon zuvor am Markt: „Wären unsere Coldamaris-Sprays schon zu Beginn flächendeckend eingesetzt worden, hätten wir viele Corona-Fälle verhindern können“, ist Wittmann überzeugt. Eine geplante Studie der Erfinderfirma Marinomed zur antiviralen Wirkung sei damals an fehlenden Corona-Infektionen in der Frühphase gescheitert – und später sei die Impfung schon da gewesen. Die man, laut Wittmann, zu keinem Zeitpunkt ersetzen wollte, aber gut ergänzen konnte.

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Wittmann plädiert so auch aus eigener Erfahrung für eine Rückbesinnung auf pharmazeutische Produktion und Forschung in Europa – und in Österreich. „Die Life Sciences sind unsere Chance, auf der Wissensebene zu wachsen.“ Er verweist auf das Regierungsprogramm, in dem das Thema prominent enthalten sei. „Die Ausbildung ist da, die Voraussetzungen sind da – jetzt muss man es auch umsetzen und die Player unterstützen.“
Bürokratie als Wachstums- und Autarkiebremse
Derzeit würden viele Medikamente außerhalb Europas produziert. „Innovation aus der Forschung soll schon bei der Markteinführung möglichst wenig kosten. Wenn der Patentschutz dann wegfällt, wandert die Produktion oft genug sofort nach Indien oder China – das ist die Konsequenz einer rein preisorientierten Politik der Krankenkassen“, kritisiert Wittmann. Sein Wort ist gewichtig: Seit dem Rücktritt von Ingo Raimon – ebenfalls ein Burgenländer – steht er auch interimistisch an der Spitze des Branchenverbands Pharmig.

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Die heimische Bürokratie erschwere aber nicht nur eine nachhaltige Preis- sondern auch Energiepolitik. Etwa beim Versuch, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Betriebsgrundstück zu errichten. „Das Landesgesetz dazu hat so lange gedauert, dass sich die Amortisationszeit in der Zwischenzeit von fünfeinhalb auf zwanzig Jahre erhöht hat“, schildert Wittmann. „Energieversorgung ist aber für alle, die mit Hochtemperaturprozessen arbeiten, immer noch ein Zukunftsthema“, so Wittmann. Wasserstoff wäre eine Option – deshalb findet er die jüngsten Wasserstoff-Initiativen des Landes wiederum „sehr charmant“.
Jobs und Gesundheit: Verantwortung für die Region
Am Standort Hornstein arbeiten Menschen aus der Region – von promovierten Pharmaexperten - bis zu ungelernten Verpackungskräften, die erst im Unternehmen intensiv geschult werden. „Der Markt in der Branche ist so trocken, dass uns regelmäßig Fachkräfte abgeworben werden. Wir sind also eine gute Ausbildungsstätte“, sagt Wittmann. Umso wichtiger sei ein spannendes Arbeitsumfeld mit flachen Hierarchien: „Wer bei uns arbeitet, kann über den Tellerrand blicken und sich abteilungsübergreifend einbringen. Diese Chance hat man nicht überall.“