Hitler jetzt fix nicht mehr Ehrenbürger von Eisenstadt

Nie existiert? Erloschen?

Bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag gab es einen ungewöhnlichen Tagesordnungspunkt: Eine Wiener Tageszeitung hatte rechiert, dass Adolf Hitler einst zum Eisenstädter Ehrenbürger ernannt worden sein soll und diese Ehrenbürgerschaft nie aberkannt wurde.

Von Markus Kaiser

Bei gewissen Themen sind sich alle einig.

Bei gewissen Themen sind sich alle einig.

© Archivfoto: BVZ/Kaiser

„Es gibt dazu keine Unterlagen“, erklärte Bürgermeister Thomas Steiner. Er habe die Archive durchsuchen lassen, viele Akten aus den Jahren 1938 bis 1945 seien in den Kriegswirren aber vernichtet worden. „Noch dazu ist die gültige Rechtsmeinung, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt“, betonte Steiner. Dennoch sah er sich zum Handeln verpflichtet, da ihn einige Nachrichten besorgter und historisch interessierter Eisenstädter dazu erreicht hatten.

Außerdem, habe die städtische Recherche ergeben, sei Hitler bei über 40.000 Gemeinden Ehrenbürger gewesen, der Gemeinderat ging also auf „Nummer sicher“ und fasste folgenden Beschluss: Die Ehrenbürgerschaft erlischt generell mit dem Tode, der Gemeinderat distanziert sich von einer Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Hitler - sollte diese jemals bestanden haben - sowie von jeglichem nationalsozialistischen Gedankengut.

Die Abstimmung war natürlich einstimmig und ohne Diskussion.

Erste Hitler-Ehrenbürgerschaften schon 1933

Übrigens: Die ersten Ehrenbürgerschaften aus dem Burgenland bekam Hitler bereits wenige Wochen nach seiner Machtübernahme als Deutscher Reichskanzler verliehen. Wie der Halbturner Historiker Herbert Brettl rechiert hatte, berichtete die Wochenzeitung „Burgenländische Heimat“ 13. Mai 1933 darüber. Sie betonte, dass es sich dabei um evangelische Gemeinden handelt: „Mörbisch. Zum Maisegen brachte uns der Gemeinderat, bestehend aus 7 Landbündlern, 4 Sozialdemokraten und 3 Christlichsozialen, eine besondere Überraschung: Reichskanzler Hitler wurde Ehrenbürger der Gemeinde Mörbisch. Dafür stimmten die 7 Landbündler und einer von den Christlichsozialen; alle 8 evangelisch. Von den zwei katholischen Christlichsozialen war einer krank, der andere, sowie die 4 Sozialdemokraten stimmten dagegen. Aus diesem Abstimmungsergebnis ist zu ersehen, daß Hitler wohl zum Ehrenbürger der evangelischen Kultusgemeinde, nicht aber als Ehrenbürger der Gemeinde Mörbisch gewählt hätte werden sollen. Die übrigen Bürger der Gemeinde sind der Ansicht, daß sich Hitler derzeit sowohl für die Gemeinde selbst als auch für das übrige Osterreich noch keine Verdienste erworben hat. Daher sollte diese Hitler-Anbetung besonders gläubiger Protestanten-Gemeinden ganz einfach verboten werden.”

Auch Unter- und Oberschützen verliehen Hitler zeitgleich die Ehrenbürgerschaft. Näheres dazu finden Sie hier: https://www.brettl.at/blog/adolf-hitler-zum-ehrenbuerger-ernannt/

Weitere Beschlüsse des Gemeinderats

Der Bericht der gemeinsamen Schlossparkerhaltungs-GmbH mit Esterhazy wurde einstimmig angenommen. Für sie werden rund 520.000 Euro von der Stadt und 220.000 von Esterhazy ausgegeben. Die größten Posten: Fahrzeuge, Tore und Zaunelemente. Außerdem wurden Bänke und Mistkübeln erweitert und die Statik der Felswand beim Leopoldinentempel geprüft. Außerdem gab es die Zusage eines EU-Projekts mit den Bundesgärten in Wien und der Slowakei. Mit dem Geld soll der historische Lauf der Wasserleitung wieder in Gang gesetzt werden. Außerdem soll es für den Park ein “Sicherheitskonzept” geben.

Die Baulandfreigabe für die Haidäcker Süd, wo das Rote Kreuz seine Landeszentrale sowie Hornbach Eisenstadts mittlerweile vierten Baumarkt errichten will, erfolgte mit Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ, gegen die Stimmen der Grünen.

Ein ÖVP-Grüner-Antrag zur Sicherung von Schulstraßen wurde einstimmig angenommen. Diese in einer Probewoche im September zu verkehrsberuhigen, wird angedacht.

Die Kleinhöfleiner Feuerwehr bekommt ein neues Löschfahrzeug, die Stadt schießt 300.000 Euro zum Kaufpreis von rund 500.000 Euro zu.