Der Mann und sein Colt

Ninas liebes Geflüster

Nina Mayer (BVZ) macht sich diese Woche Gedanken darüber, ob Faschingsverkleidungen den Wunsch bergen, eine andere Persönlichkeit sein zu wollen.

Von Nina Mayer

Nina Mayer (BVZ) weiß noch nicht, wie sie sich am Faschingsdienstag verkleiden wird.

Nina Mayer (BVZ) weiß noch nicht, wie sie sich am Faschingsdienstag verkleiden wird.

© Nina Mayer

Vor zwei Wochen war ich am Ball der Eisenstädter. Fasching ist, was die Rathäusler zum Anlass nahmen, die Mitternachtseinlage kostümiert durchzuführen. Durchaus amüsant war das Gezeigte, Genierer hatte man keinen, was vom Publikum mit begeistertem Applaus honoriert wurde.

Ja, auch wir Erwachsene haben Spaß, uns zu verkleiden. Kinder sowieso. Sie haben durch ihr Kostüm die Möglichkeit, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Schadet nicht, da Kinder durch ihre Ich-Bezogenheit dadurch andere Perspektiven erfahren und vielleicht lernen, empathischer zu agieren.

Nun ist es so, dass unsere Persönlichkeit unser Kostüm beeinflusst, aber im Wechselzug beeinflusst unser Kostüm auch unsere Persönlichkeit. Sprich: wir verhalten und bewegen uns in einem Prinzessinnenkostüm anders als in einem Cowboy-Kostüm. Wir gehen auf in unseren Rollen. Obwohl: Rollen spielen wir Menschen tagtäglich, nur oft nicht die, die wir uns wünschen.

Das Schöne ist, dass Kostümierung ein verbindendes Element hat und Distanzen schmälert. In unserem Burgenland ist Distanz Gott sei Dank eh nicht so ein Thema wie anderswo, aber am Faschingsdienstag fällt diese in der Eisenstädter Hauptstraße fast ganz. Apropos „siezen“: wer siezt schon einen Hasen oder einen Bären?

In Verkleidungen wird oft viel interpretiert. Plüschkostümen suggerieren angeblich, dass man gerne geknuddelt werden will. Ich kenne jedoch etliche Manschen, die einfach nicht frieren wollen. Dann ist da die Sache mit den sexy Kostümen. Angeblich wählen die Ladys diese, die das ganze Jahr gerne auf die Pirsch gehen und solche, die einmal vorsichtig im „sicheren Rahmen“ gucken wollen, wie die Umwelt auf mehr Mut zur eigenen Weiblichkeit reagiert.

Last but not least vergessen wir auf die Ordnungshüter nicht. Sheriffs und Polizistenkostüme stehen nach wie vor hoch im Kurs, die „Knarre“ als wichtigstes Accessoire inklusive. Ob nun Männer diese Aufmachung wählen, die zu Hause nichts zu sagen haben und für einen einzigen Tag im Jahr auch Macht ausstrahlen wollen oder solche, die ihre Eigenschaft der Dominanz zur Schau stellen wollen, lassen wir dahingestellt. Am 4. März aber werden wir es in der Eisenstädter Hauptstraße genau beobachten.