Ein Kaktus und ein Spargel

Ninas liebes Geflüster

Veronika, der Lenz ist da ...

Von Nina Mayer

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

In der Wirtschaftskammer in Eisenstadt kam es zu einer Wiedergeburt der „Wiener Comedian Harmonists“. Schön war’s, so viel schön …

„Mein kleiner grüner Kaktus steht draußen am Balkon, hollahollari, hollahollari, hollahollaro“ – schon die ersten Takte genügten, und überall im Publikum huschte ein seliges Lächeln über die Gesichter und verzauberte sie dadurch. Dieses augenzwinkernde Spiel mit dem Absurden, diese charmante Leichtigkeit, die nie banal wird.

Und dann „Veronika, der Lenz ist da … “. Kaum angestimmt, wurde der Raum heller. Als hätte jemand tatsächlich ein Fenster geöffnet. Frühling, wohin man auch hört. „Die Mädchen singen tralala…“ und für einen Moment glaubt man es wieder, dieses einfache Glück. Nun gut, bei der Textzeile „Veronika, der Spargel wächst…“ mussten meine Sitznachbarn und ich schon sehr lachen, aber wie heißt’s so schön: „Wie der Schelm denkt, so ist er!“

Oder mein Favorit: „Wochenend’ und Sonnenschein und dann mit dir im Wald allein, mehr brauch ich nicht zum Glücklichsein“. Ein musikalisches Versprechen. Nicht groß, nicht pathetisch, von einer zarten Romantik, die nichts fordert und dennoch alles ausdrückt. Mit schwingt die Hoffnung, dass es immer genau so bleibt oder wenigstens immer wieder so wird.

Warum funktioniert das alles heute noch so gut? Vielleicht liegt es daran, dass diese Lieder sich Zeit nehmen. Dass sie mit wenigen Mitteln viel erzählen. Mehrstimmigkeit statt Monolog. Witz statt Zynismus. Eleganz statt Effekt. Es ist diese Mischung aus Charme und Präzision, aus musikalischer Virtuosität und spielerischer Nonchalance. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts bemüht. Jeder Ton sitzt und doch scheint alles mühelos.

Vielleicht ist es auch eine leise Sehnsucht, die da mitschwingt. Nach einer Zeit, die wir selbst nie erlebt haben, die aber in diesen Liedern weiterlebt. Nicht verklärt, sondern veredelt. Eine Welt, in der Humor noch federleicht sein durfte und Melancholie niemals schwer wurde.

An diesem Abend in Eisenstadt durften wir all das erleben. Für ein paar Stunden war alles um uns herum vergessen und wir waren verzückt: Musik, Stimmen, Nostalgie und sehr, sehr viel Gefühl.