Oggauer Herztröpferl schließt endgültig

Pächter gesucht

Es bricht wohl nicht nur Oggauern das Herz, dass Maria und Matthias Siess ihr Gasthaus „Herztröpferl“ endgültig schließen. Sie hoffen nun, dass ein Pächter die Gastro-Perle weiterführt.

Von Von Peter Wagentristl

Matthias und Maria Siess in ihrem Gasthaus "Herztröpferl" in Oggau, das nun endgültig geschlossen bleibt.

Matthias und Maria Siess in ihrem Gasthaus "Herztröpferl" in Oggau, das nun endgültig geschlossen bleibt.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Die Gastronomie hat schon bessere Zeiten erlebt: bei den Kunden saß das Geldbörsel schon einmal lockerer, gutes Personal ist teuer und kaum zu finden, der Umatz stagniert (bestenfalls), die Kosten steigen stetig. Viele Wirte sperren ihre Lokale mit Bauchweh auf.

Oder sie sperren eben gar nicht mehr auf - wie Maria und Matthias Siess. Das traditionsreiche „Herztröpferl“ bleibt endgültig geschlossen.

Wir haben schweren Herzens beschlossen, dass wir nicht mehr aufsperren werden. Nicht nur, dass die Personalkosten stark gestiegen sind, müssten wir jetzt auch noch ein zweites Mal unser gesamtes Team wechseln. Nochmal mit neuem Team und neuen Koch zu starten - das tun wir uns nicht mehr an. „Herztröpferl“-Wirtin Maria Siess.

Wirtin Maria Siess ist seit ihrer Krebserkrankung gesundheitlich angeschlagen, Gatte Matthias Siess seit 1. April in Pension. Mit Weingut und Enkelkindern werde ihnen ohnehin nicht langweilig, betonen die Betreiber. Ihr „Herzi“ endgültig zu schließen fiel den beiden trotzdem nicht leicht. 1979 eröffnete Marias Mutter das Herztröpferl, 1995 übernahm sie das Familiengasthaus. Seither war das Herztröpferl eine kulinarische Institution und erfreute sich über Oggau hinaus hoher Beliebtheit.

Doch kein Heuriger als Nachfolgelösung

Zuletzt hatte die Familie mit dem Gedanken gespielt, das Wirtshaus und den Gastgarten als Heurigen weiterzuführen. Aber „das funktioniert nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt hätten“, erklären Maria und Matthias Siess. Tageweise zu öffnen sei komplizierter als gedacht, ob und wie viel die Kinder neben dem Weingut zum Aushelfen kommen sei nicht abschätzbar und die Personalsuche sei bei unregelmäßigen Öffnungszeiten noch schwieriger.

Oggauer Herztröpferl schließt endgültig

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Generell sei es aktuell schwierig, in der Gastronomie einen gesunden Mittelweg zu finden: zwischen bodenständiger Küche und Extravaganz, zwischen Kleinstbetrieb und Großgastro, zwischen 7-Tage-Woche und Ganzjahresbetrieb einerseits und wenigen Öffnungstagen pro Woche und Saisonbetrieb.

„Man muss schon sehr genau kalkulieren, wie viel man für das Essen verlangen kann. Zu billig kann man davon nicht leben, zu teuer und die Gäste bleiben aus. Man merkt schon: die Leute sparen, wo es geht“, schildert die Wirtin ihr Dilemma. An sieben Tagen die Woche zu öffnen und dann in einem fast leeren Gasthaus zu sitzen, sei nicht wirtschaftlich - „von drei, vier Tagen in der Woche kann man aber auch nicht leben.“

Obendrein habe die Vor- und Nachsaison stark nachgelassen, ganzjährige Küche werde daher immer unwirtschaftlicher, auch wenn 365 Tage Anstellung für Mitarbeiter reizvoller wäre.

Pächter gesucht!

Das Lokal sei mit dem passenden Konzept aber definitiv wirtschaftlich führbar und jedenfalls erhaltenswert, sind die Betreiber überzeugt. Nur als Pensionist (Matthias Siess) und angehende Pensionistin (Maria Siess) stehe der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis, außerdem würden die beiden als Großeltern und im Weingut gebraucht, erklären sie.

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich ein Pächter findet, der das Herztröpferl weiterführt. Maria und Matthias Siess, Winzer und Wirten aus Oggau.

Familie Siess hofft , dass das Schmuckstück in Oggau nicht gänzlich verloren geht. Mit 120 Sitzplätzen im Haus und etwa 70 im Gastgarten hat die Immobilie jedenfalls einiges zu bieten. Investitionsbedarf sei kaum bis gar nicht gegeben, „im Prinzip kann man das Licht aufdrehen und starten“, so Matthias Siess, der sich zuletzt in den Schließzeiten um die Instandhaltung kümmerte - als Pensionist hat er nun Zeit dafür.

Interessierte Gastronomen können sich direkt bei der Winzerfamilie melden. Über ein neues Gastro-Angebot im Traditionsgasthaus würden sich jedenfalls nicht nur Maria und Matthias Siess freuen, sondern auch die Gemeinde und die Touristen profitieren.

Übrigens: Wer noch Gutscheine für das Herztröpferl hat, kann diese im Weingut MAD einlösen.

Alles neu macht das Jahr 2024 für Matthias Siess: Bei Wein Burgenland übergab er die Obmannschaft an Herbert Oschep, nun sperrt der Neo-Pensionist auch noch das Gasthaus Herztröpferl zu.