Trotz restriktiver Haushaltsführung bleibt die Budgetsituation in der Stadt angespannt. Der Gemeinderat beschloss nun einen Nachtragsvoranschlag und die Aufnahme eines 1,9-Millionen-Euro-Kredits.
Franz Steindl: Wirtschaftler auf musikalischen Höhenflügen
PORTRAIT
Der Purbacher Franz Steindl war unter anderem Nationalratsabgeordneter, Purbacher Bürgermeister und Landeshauptmann-Stv. In den letzten Jahren gelang es dem Vollblutmusiker und Wirtschaftstalent in Eisenstadt die erste burgenländische Hochschule für Musik aufzubauen, an der er seit 2021 als Geschäftsführer eine Institution leitet, an der die zukünftige Musikelite in den Genuss bester Ausbildungsmöglichkeiten kommt. Nun geht's in die wohlverdiente Pension.
Nina Mayer (BVZ) besuchte Franz Steindl in der "Joseph Haydn-Privathochschule", die der ehemalige Politiker mit aufgebaut hat und in der er seit dem Jahr 2021 Geschäftsführer ist.
© Nina Mayer
Geboren wurde Franz Steindl 1960 in Purbach. Das Eisenstädter Gymnasium besuchte er, weshalb er mit 10 Lenzen ins Konvikt eintrat, nicht gerade zu seiner Begeisterung. Der Musik gehörte schon zu jener Zeit sein Herz. Vorerst war es ein Akkordeon - nun ja, der Herr Papa hatte noch das Sagen - und Franz schleppte das schwere Ding regelmäßig zum Unterricht ins Konservatorium, damals noch nicht ahnend, welch tragende Rolle er in diesem Gebäude einmal spielen wird.
Dann stimmten die Eltern dem Instrumentenwechsel zur Trompete zu, allerdings mit der Auflage, dass der Sohnemann bei der Feuerwehr in Purbach zu Allerheiligen den Zapfenstreich spielen müsse. Der 13-jährige meisterte die Prüfung mit Bravour und der Musikkarriere stand nichts im Weg.
Bühnenzeiten mit „Les Fleurs“ und „Playboys“
Mit 17 Jahren gründete Franz Steindl gemeinsam mit seinen Brüdern die siebenköpfige Band „Les Fleurs“. Unterhaltungsmusik vom Feinsten, in dessen Genuss vor wenigen Jahren, nach 26-jähriger Pause, in Purbach bei einem Charity-Revival 2000 jubelnde Besucher kamen.
Parallel spielte Franz Steindl in den 80er-Jahren bei den „Playboys“, deren Auftritte ihn bis nach Moskau und Kiew führten. An der Uni in Wien schloss er ein Wirtschaftsstudium ab und investierte zusätzlich etliche Semester ins Konzertfach „Trompete“.
Dann ging es beruflich Schlag auf Schlag, für Musik blieb wenig Zeit. Franz Steindl wurde unter anderem Schulungsreferent im WIFI, dann der Eintritt in die ÖVP-Politik. Das Bürgermeisteramt von Purbach bekleidete er genauso wie einen Nationalratsabgeordnetensitz. Im Jahr 2000 schied er freiwillig aus, um Institutsleiter des WIFI Burgenland zu werden.

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An die burgenländische Spitze
In der ÖVP wurden Rufe nach seiner Rückkehr in die Politik laut und nach Zusicherung einer Karenzierung und der Möglichkeit einer Rückkehr an seinen Posten ließ er sich überreden zur Wahl anzutreten und bekleidete in Folge 15 Jahre lang das Amt des Landeshauptmann-Stvs. im Burgenland.
Dann der Tiefpunkt. Das Regierungsamt war weg, ins WIFI gab es kein Zurück und weil ein Unglück nie alleine kommt, gesellten sich noch private Probleme dazu. „Krisen sind da, um bewältigt zu werden und auch aus Stolpersteinen lassen sich schöne Dinge bauen“, sagte sich der sympathische, stets positiv denkende Wirtschaftler und begann am Eisenstädter Konservatorium „Jazz, Komposition, Harmonielehre und Tonsatz“ zu studieren.

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Aufbau einer Universität
Er bestand, lebte sich gut ein und dann kam etwas Großes. Franz Steindl war nach zwei Jahren beinharter Arbeit maßgeblich daran beteiligt, dass aus dem Konservatorium im Jahr 2021 die 1. burgenländische Privatuniversität für Musik wurde, die „Joseph Haydn Privathochschule“. Er wurde Geschäftsführer, Gerhard Krammer Rektor.
Gemeinsam baute man eine Bildungsinstitution auf, an der Studierende aus 32 Ländern eine bestmögliche musikalische Ausbildung genießen. Familiär, trotzdem auf höchstem Niveau. Zu jeder Tages- und Nachtzeit haben die Haydns und Beethovens von morgen Zutritt, um zu üben, etwas ganz Seltenes. 50 Konzerte spielen die Auszubildenden pro Jahr und zeigen dabei ihr unglaubliches Können. Infos zur Uni finden Sie hier: https://jhp.ac.at/
Im September 2025 geht Franz Steindl in Pension, zufrieden mit seinem Werk, das er dann beruhigt in die Hände eines anderen legen wird.

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Kein Stillstand in der Pension
Pläne hat er viele. Drei Enkelkinder gehören betreut, viel Zeit soll zum Komponieren bleiben. Unglaublich, welch tolle Stücke in den letzten Jahren seiner Feder entsprungen sind: ein Hochzeitsmarsch für seinen Sohn, das Lied „A New Life Is Born“ für sein erstes Enkelkind, das Chorstück „Eine Ode an das Leben“ und vieles mehr.
Sein 2021 gegründeter „Kulturverein Purbach“ soll nun jeden Monat eine Veranstaltung bieten, wahrscheinlich ab Herbst im Pur-Pub, einem urigen Gewölbekeller, in dem fortan Konzerte, Tanzveranstaltungen und Jam-Sessions stattfinden werden.
Dankbar blickt Franz Steindl zurück auf sein Leben: „Ich habe vieles richtig und auch einiges falsch gemacht, nach Niederlagen bin ich immer wieder aufgestanden und habe versucht, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.“ Nie aufzugeben, dazu will er auch andere ermutigen. Und, ach ja: ein ganz besonderes Projekt steht auch noch an: ein Cocktail-Workshop, man darf sich schon freuen.