Geduld brauchen Verkehrsteilnehmer in den nächsten Wochen: Entlang der Bahnstrecke zwischen Wulkaprodersdorf und Schützen am Gebirge finden Bauarbeiten statt.
Aus für Eisenstadts letzte Innenstadt-Schneiderin
Ruth Gold schließt
Ruth Gold schließt ihr Schneiderei- und Modegeschäft in der Hauptstraße nach einem Schlussverkauf mit Monatsende.
Petra Geiger-Kletzl besuchte beim Grätzlfest die Schneiderei von Ruth Gold.
© Fotos: BVZ/Kaiser, Markus Kaiser
“Es freut mich ganz einfach nicht mehr”, erklärt Ruth Gold das Aus für ihr Modegeschäft in der oberen Hauptstraße mit Ende Oktober. Im Mai 2022 hatte sie ihr Geschäft eröffnet, Ziel war nicht nur, den Menschen das Schneiderhandwerk näherzubringen, sondern auch, gemeinsam mit anderen Designerinnen und Designern die Eigenkreationen auszustellen. Das sei, so Gold zur BVZ, leider nur mit Schneiderinnen aus Wien oder Graz gelungen - sie regelmäßig im Geschäft zu entlasten, sei bei der Distanz natürlich nicht möglich.
“Seit fast vier Jahren stehe ich entweder im Geschäft und verkaufe oder nähe, Urlaubstag habe ich keinen einzigen gehabt. Mit der Zeit geht das auf die Substanz”, erklärt Gold, wieso ihr die Motivation nun ausgegangen sei.
Mode: Bewusstsein für Regionalität fehlt
Dazu kommt, dass sich ihre harte Arbeit nicht wirklich auszahle: “Die Leute kaufen lieber in großen Modehäusern, wo das Gewand unter ausbeuterischen Verhältnissen produziert worden ist und nach wenigen Waschgängen schon wieder weggeworfen werden muss.” Ihre Ware sei durch und durch burgenländische Handarbeit, die Stoffe wie Lyocell im Mittelburgenland hergestellt und von ihr verarbeitet. Das kostet natürlich etwas, ist aber auch etwas wert.

© BVZ/Kaiser
“Lieber seltener und weniger kaufen, dafür mit mehr Qualität - das haben die Menschen beim Essen verstanden, bei der Mode fehlt dieses Verständnis aber. Seltsam, immerhin trage ich die Stoffe doch am Körper”, seufzt Gold.
Es wird eng für das traditionelle Handwerk
Ohne dieses Bewusstsein, also, dass Qualität und Regionalität zuerst etwas kosten, sich aber auf Sicht rentiert, wird es eng für das traditionelle Handwerk im Burgenland. Skalieren ließe sich das eben schwer, erklärt Gold: “Der Großhandel will gleich 300 Stück von mir, das geht als einzelne Schneiderin natürlich nicht.” Mit Webshops habe sie auch schlechte Erfahrungen gemacht. Selbst der gute Standort auf der FuZo bringe nicht genug Laufkundschaft. Märkte wie der Frauenkunsthandwerksmarkt seien gut und wichtig, würden aber vor allem den vielen Hobby-Schneiderinnen als Nebenerwerb nützen. Daher blieb für sie nur schweren Herzens das Aus.
Die letzte verbliebene Schneiderin in Eisenstadt ist die „Kleine Rose“ von Reingard Ruzicka am Langsatzweg nahe der Gloriette. Gold wird sich umschulen. Ein bisschen freut sie sich schon spürbar darauf: “Ich habe ein breites Interessensspektrum, von anderen Handwerken bis Büroarbeit - da wird sich schon was finden”, lacht sie. Immerhin: Ihren Humor, das kann ihr keine Krise nehmen.