Überschwemmungen verursacht? Verdächtiger vor Gericht

Tatserie in Eisenstadt

Im April 2023 standen in Eisenstadt mehrfach Keller, Tiefgaragen und Bunker von OSG-Wohnhausanlagen unter Wasser. Jetzt musste sich ein Verdächtiger wegen schwerer Sachbeschädigung vor Gericht verantworten.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der 25-jährige Installateur bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.

Der 25-jährige Installateur bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.

© BVZ/Kirchmeir

Von 15. bis 21. April 2023 trat in drei Wohnhausanlagen der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft in Eisenstadt immer wieder auf mysteriöse Weise Wasser aus. 16 Keller standen unter Wasser, der Schaden belief sich auf 128.000 Euro. Security-Mitarbeiter, Feuerwehrleute und Polizei mit Diensthunden und Drohnen waren im Dauereinsatz, um den mutmaßlichen Serientäter zu fassen.

Der Verdacht fiel schließlich auf einen 25-jährigen Installateur, der seit Februar 2023 im Serviceteam der OSG mitarbeitete. Dieser Mann gab seinen Vorgesetzten gegenüber zu, in einem Fall einen Wasseraustritt verursacht zu haben. Die anderen Straftaten habe er jedoch nicht begangen.

Der Mitarbeiter wurde daraufhin von der OSG entlassen.

Angeklagter bekannte sich nicht schuldig

Am 12. Februar 2024 sagte er vor Richterin Doris Halper-Praunias: „Ich bekenne mich auf keinen Fall schuldig, weil ich nichts getan habe.“

Ihr Mandant sei damals bei Auspumparbeiten im Einsatz gewesen, er habe wenig geschlafen, berichtete die Verteidigerin. Es gebe keinen Beweis, dass er für die Überschwemmungen verantwortlich sei.

Der erste Wasseraustritt ereignete sich am 15. April 2023 in einer Wohnhausanlage in der Bischof Laszlo Straße. Der Angeklagte war damals mit einem Kollegen vor Ort - auf einer Kontrollfahrt, weil man nach Regenfällen prüfen wollte, ob es in der Tiefgarage Wassereintritt gegeben hatte.

Die Tiefgarage war nass, das Wasser drang aus einem Technikraum. „Wir sahen, dass ein Gerätehahn am Boden lag“, berichtete der Angeklagte. Komisch sei ihm das nicht vorgekommen. Das Wasser wurde ausgepumpt und aufgesaugt.

Wasserhahn war abgesägt worden

Am nächsten Tag trat im selben Technikraum wieder Wasser aus. „Wir schauten uns den Hahn genauer an, da fielen uns Sägespuren auf“, sagte der Angeklagte. Der Hahn war offenbar abgeschnitten worden.

Am Abend habe ihn dann ein Kollege angerufen, dass ein „Oberteil“ abgeschraubt worden war. „Da muss der Verdacht entstanden sein, dass manipuliert wurde?“, fragte die Richterin. „Den Verdacht hatten wir schon in der Früh“, sagte der Angeklagte.

Am nächsten Tag sei aus einem Bunker in der Wohnhausanlage in der Bahngasse Wasser ausgetreten. Da seien die Wasserhähne entweder aufgedreht oder abgeschraubt gewesen.

Er habe dann gemeinsam mit Kollegen nachts Dienst gemacht, um weitere Vorfälle zu verhindern, so der Angeklagte. In einer Nacht machte er sich verdächtig, weil er bei McDonalds Essen holen wollte, dafür aber eine Stunde unterwegs war.

Verdächtig lange unterwegs

Später erzählte der Installateuer der Polizei, er habe nach dem Einkauf bei McDonalds in einer Wohnhausanlage in der Kasernenstraße Nachschau gehalten.

Nach mehreren weiteren Vorfällen endete die Serie am 21. April 2023. Am Gutkeledweg war neuerlich Wasser ausgetreten. „Ich ging in den Kellerbereich, sah, dass es von der Decke tropft und schraubte ein Oberteil ab“, berichtete der Angeklagte. „Da schoss das Wasser raus. In der Panik wusste ich nicht, was ich tun soll.“

Er sei hinausgelaufen und habe den Kollegen mitgeteilt, „dass es mir passiert ist“. Der Wasserhahn sei denn repariert worden.

Bei der Polizei sei er dann bei einem „Verhör“, wie der Angeklagte sagte, „nach sieben Stunden damit konfrontiert worden, dass ich der Täter bin“.

Warum nach dem letzten Vorfall am 21. April 2023 die Serie endete, könne er sich auch nicht erklären.

Angeklagter: „Wenn man nicht zwei linke Hände hat, schafft man das“

„Braucht man dazu besondere Kenntnisse?“, fragte Richterin Doris Halper-Praunias. „Wenn man nicht zwei linke Hände hat, schafft man das“, meinte der Angeklagte.

„Wir wussten, jemand muss die Kenntnisse und Zutritt haben“, meinte ein Ex-Kollege des Angeklagten. Er nahm den 25-Jährigen in Schutz: Diesen habe er nie im Verdacht gehabt.

Mieterin stieg morgens ins Wasser

Ein Wohnungsmieter berichtete, seiner Frau sei in einer Nacht Wasserrauschen aufgefallen. „Um 5 Uhr stand sie auf und ging in den Keller. Auf der letzten Stufe stieg sie ins Wasser“, erzählte der Mieter. Er selbst habe das Wasser abgedreht und auch auf anderen Stiegen Wasseraustritte bemerkt. Dann habe er bei der OSG angerufen. Im seinem Kellerabteil sei ein Kasten beschädigt worden, sagte der Mieter.

Die OSG ließ Entsorgungsmulden aufstellen, damit die Mieter vom Wasser beschädigte Gegenstände aus den Kellern bringen konnten.

„Ich ordnete an, dass Ventile geholt werden, um rasch reagieren zu können“, sagte ein früherer Vorgesetzter des Angeklagten als Zeuge aus. Bei Bunkerräumen in einer Wohnhausanlage seien die Schlösser ausgetauscht worden. „Trotzdem wurde dort wieder geflutet“, berichtete der OSG-Mitarbeiter.

Gegenüber Vorarbeiter gab 25-Jähriger die letzte Tat zu

Eine Woche nach dem letzten Vorfall kontaktierte der 25-Jährige seinen Vorarbeiter. „Er sagte, das am Gutkeledweg, das war er“, berichtete der Vorarbeiter. Da sei ihm „schlecht geworden“ und er habe sich „niedersetzen müssen“.

Seinem Ex-Mitarbeiter habe er die Taten nicht zugetraut. „Als Kollege war ich sehr zufrieden mit ihm“, sagte der Vorarbeiter.

Es kam am 29. April 2023 zu einem persönlichen Treffen mit dem Vorgesetzten des 25-Jährigen. Später hielt dieser Vorgesetzte in einem E-Mail an die OSG-Geschäftsführung fest, der Verdächtige habe die Taten begangen, weil er „gut dastehen und zeigen wollte, dass er schnell vor Ort“ sei. Das Dienstverhältnis wurde fristlos beendet.

25-Jähriger soll Polizei auf falsche Fährte gelockt haben

Der 25-Jährige wurde nicht nur wegen der mutwillig herbeigeführten Wasseraustritte angeklagt, sondern auch wegen Verleumdung: Er habe den Verdacht bewusst auf einen Unbeteiligten gelenkt. „Das war eine falsche Fährte, auf die wir gelockt wurden“, sagte der ermitteltende Kriminalbeamte.

Dieser sprach auch von Ungereimtheiten in den Aussagen des 25-Jährigen. Der OSG-Mitarbeiter habe immer über alles Bescheid gewusst, was passiert sei, und wer wo gewesen sei, so der Kriminalbeamte. „Am Anfang dachte ich er ist der Partieführer“, meinte er. Der Angeklagte habe in dieser Zeit „viel Aufmerksamkeit“ bekommen.

„Er wollte gebraucht werden, wichtig sein“, meinte der Kriminalbeamte. Zugegeben habe der Verdächtige aber nur den letzten, von ihm verursachten Wasseraustritt. „Die anderen Tatorte gab er nicht zu“, sagte der Kriminalbeamte.

Der Prozess wurde auf März vertagt.