Kulturwanderweg: Sieben Routen durch die Geschichte Mattersburgs

120 Denkmäler

Aus einem rund 40 Jahre alten Bildstockwanderweg entsteht in Mattersburg ein modernes Kulturwanderweg-Netz mit sieben Routen und rund 120 Kulturdenkmälern. Die erste Route wird am 6. September eröffnet.

Von Richard Vogler

Die Pestsäule am Veranstaltungsplatz  ist eines der Denkmäler des Kulturwanderwegs.

Die Pestsäule am Veranstaltungsplatz ist eines der Denkmäler des Kulturwanderwegs.

© Richard Vogler

Die Geschichte Mattersburgs soll künftig auf neue Art erlebbar werden. Auf Initiative von Sophia Wilfing, Obfrau der Naturfreunde Mattersburg und Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadtgemeinde, wird derzeit ein umfassender Kulturwanderweg entwickelt. Die inhaltliche Umsetzung übernimmt Karl Aufner von den Naturfreunden, der sich seit Monaten intensiv mit der historischen Aufarbeitung beschäftigt.

Die Idee knüpft an einen bestehenden Wanderweg an: Bereits 1986 gründeten die Naturfreunde Mattersburg unter Obmann Michael Hanbauer den Bildstockwanderweg. Dieser führte rund um und durch Mattersburg und umfasste 22 Bildstöcke und Denkmäler. Nach vier Jahrzehnten war das Projekt allerdings etwas in Vergessenheit geraten. Die Informationen fanden sich lediglich in einer kleinen Broschüre, die Denkmäler selbst waren nicht beschriftet.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Naturfreunde entstand daher der Wunsch, den historischen Wanderweg neu aufleben zu lassen. „Die Idee war, diesen Bildstockwanderweg zu erneuern und zu modernisieren“, berichtet Karl Aufner, seines Zeichens ehemaliger Amtsleiter der Stadtgemeinde und Mitglied der Naturfreunde. Künftig sollen Informationstafeln direkt bei den Objekten stehen. Über QR-Codes können Besucherinnen und Besucher zusätzliche Inhalte digital abrufen. „Kurze, prägnante Beschriftungen vor Ort und mehr Informationen über das Internet“, beschreibt Aufner das Konzept.

Bei seinen Recherchen stellte Aufner rasch fest, dass es in Mattersburg deutlich mehr kulturhistorisch interessante Orte gibt als die ursprünglich erfassten 22 Denkmäler. Hinzugekommen sind etwa Bauwerke wie die Feuerwehrkapelle, die erst nach der Erstellung des ursprünglichen Wanderweges errichtet wurde. Zudem rückten auch historische Stätten wie die Synagoge in den Fokus, die heute nicht mehr existieren. Somit sollen auch verschwundene Kulturstätten dokumentiert und gewürdigt werden.

Aus dem ursprünglich geplanten Modernisierungsprojekt entwickelte sich schließlich ein deutlich größer angelegtes Vorhaben. „Die hat eine enorme Dynamik genommen“, sagt Aufner. Mittlerweile wurden rund 120 Kulturdenkmäler und Kulturstätten erfasst. Da diese Vielfalt nicht mehr auf einem einzelnen Rundweg dargestellt werden kann, entstand ein neues Konzept mit insgesamt sieben Routen im Rahmen des Mattersburger Kulturwanderweges.

Die meisten Routen beginnen am Hauptplatz und erschließen unterschiedliche Bereiche des Stadtgebiets. Einige Denkmäler werden dabei auf mehreren Wegen eingebunden. Zu den längsten Routen zählt der Waldkulturweg, der unter anderem zur Alberthütte und zur Koch-Kapelle führt und rund 19 Kilometer umfasst. Der kürzeste Weg verläuft durch die Innenstadt und misst etwa 1,7 Kilometer.

Die Umsetzung des Kulturwanderweges erfolgt in Kooperation der Naturfreunde mit der Stadtgemeinde Mattersburg. Während der Bauhof die Tafeln montieren wird, kümmert sich die Marketingabteilung um die digitale Aufbereitung und die technischen Voraussetzungen der QR-Codes. Für alle sieben Routen liegt bereits das Konzept vor. Nach dem Sommer erfolgt die Umsetzung der ersten Route, gestartet wird mit dem Innenstadtrundweg. „Die Eröffnung ist für den 6. September vorgesehen, dabei gehen wir einen Teil dieser Route ab. Der andere Teil ist für die Wanderung am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, vorgesehen“, erläutert Wilfing.

Langfristig soll das Projekt noch weiter ausgebaut werden. Geplant ist eine umfassende Denkmaltopografie in Buchform. „Mit den vielen Fotos kann das Buch rund 200 Seiten umfassen“, verrät Aufner. Damit soll das kulturelle Erbe Mattersburgs dauerhaft dokumentiert und für kommende Generationen bewahrt werden.