Stalker (71) belästigte 66-Jährige : „War zu stark verliebt“

Bezirke Güssing/Neusiedl

Vier Monate lang schickte ein 71-jähriger Pensionist einer 66-jährigen Frau eine Vielzahl an Nachrichten. Jetzt stand er wegen Stalkings vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir

Vor Gericht gab der Pensionist zu, falsch gehandelt zu haben.

Vor Gericht gab der Pensionist zu, falsch gehandelt zu haben.

© BVZ/Kirchmeir

„Ich streite nichts ab“, erklärte der im Bezirk Güssing lebende Angeklagte am Dienstag, 21. Mai 2024, vor Richterin Karin Lückl. „Ich sagte, ich lasse sie beobachten. Bitte, Schwamm drüber, ich möchte nichts mehr hören.“

Doch so schnell war die Sache nicht erledigt.

„Sie schickten allein über Facebook Messenger 240 Nachrichten!“, hielt ihm die Richterin vor. „Glauben Sie, die Frau wollte, dass Sie sie 20 Mal am Tag kontaktieren?“

„Das ist schwer zu sagen“, antwortete der Angeklagte. „Wir haben uns ausgetauscht. Sie rief auch an.“ Von Anfang Oktober 2023 bis Ende Jänner 2024 hatte der Südburgenländer die Frau beharrlich verfolgt.

Pensionist wollte Fotos der Frau veröffentlichen

„Sie kündigten an, Fotos von ihr auf Facebook zu stellen und Fotos von den Autos ihrer Liebhaber“, ermahnte ihn die Richterin weiter.

„Ich sagte, ich fotografiere ihre Liebhaber, mit denen sie mich betrogen hat“, gab der Angeklagte zu.

Selbst nachdem die Frau Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, hörte er nicht auf, sie zu belästigen. „Sie kündigten gegenüber einem Polizisten sogar an, dass Sie 'die Schlampe so richtig durch den Dreck ziehen werden'", hielt ihm die Richterin vor.

„Ich war zu stark verliebt. Ich sage es ehrlich: Es ist passiert bei der Frau“, sagte der Angeklagte.

Opfer: „Irgendwann wurde er besitzergreifend“

Das 66-jährige Opfer, das im Bezirk Neusiedl lebt, berichtete von anfangs harmlosen Kontaktaufnahmen. „Irgendwann wurde er besitzergreifend und vereinnahmend“, erzählte sie weiter. „Das wollte ich nicht. Ich wollte keine Beziehung zu ihm, sondern höchstens eine Freundschaft.“

Darauf habe der 71-Jährige begonnen, sie zu beleidigen, zu beschimpfen und zu bedrohen. „Er wird meinen Ruf ruinieren, er wird Kameras montieren“, schilderte die Frau die Drohungen des Mannes, die ihr sehr zusetzten.

Über Facebook sei sie von einer Frau darauf hingewiesen worden, dass der Angeklagte bei einer Singleplattform unter Verwendung ihres Namens und ihrer Adresse behauptet habe, sie suche einen Mann.

Nach der Anzeige kamen 200 weitere Nachrichten

Als sie ihn auf Facebook Messenger und WhatsApp blockierte, habe er ihr „schirche Sprachnachrichten“ auf die Mobilbox gesprochen. Selbst nach der Anzeige habe sie noch 200 Nachrichten erhalten. Dann wurde ein Vergleich geschlossen, seither sei es ruhig.

„Es hat mich sehr beunruhigt, ich hatte Angst“, berichtete die Frau. Nachts sei sie aufgestanden, um sich zu vergewissern, dass die Haustüre abgeschlossen war. „Ich habe nicht geglaubt, dass ich mir mal einen Pfefferspray besorge“, berichtete sie. Um schlafen zu können, habe sie Schlafmittel nehmen müssen. Noch jetzt sei sie unsicher, selbst im Umgang mit Bekannten.

„Ich machte ihm nie Hoffnungen“, sagte die 66-Jährige. Sie habe dem 71-Jährigen nur geantwortet, weil sie „ein höflicher Mensch“ sei. Später habe sie zwei Ex-Lebensgefährtinnen des Angeklagten kennengelernt, „die das Gleiche erlebt hatten“, so die belästigte Frau. Auch diese Frauen habe der Pensionist beschimpft und bedroht.

Weil der Angeklagte die Verantwortung für die Straftaten übernahm, bot ihm die Richterin eine Diversion an. Wenn er 2.070 Euro Geldbuße und150 Euro Pauschalkosten und 360 Euro Schadenersatz an das Opfer bezahlt, wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt.