Ehrenamt seit 40 Jahren: Aus Liebe zum Menschen

Rotes Kreuz

Liane Barilits aus Pöttsching engagiert sich seit vier Jahrzehnten leidenschaftlich beim Roten Kreuz. Jungen Leuten legt sie dieses Ehrenamt ebenfalls sehr ans Herz.

Von Helga Ostermayer

Liane Barilits (2.v.r.) mit ihren Kollegen Sarah Faggiano, Anna Benczak und Maximilian Maras. zVg

Liane Barilits (2.v.r.) mit ihren Kollegen Sarah Faggiano, Anna Benczak und Maximilian Maras. zVg

© zVg

Die 59-jährige Pöttschingerin engagiert sich seit nunmehr 40 Jahren ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Ob sie sich noch an ihren ersten Dienst erinnern kann? „Ja, ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, weil dieser erste Dienst letztlich leider eine überraschende Wendung genommen hat. Darüber will ich jedoch keine Details erzählten“, berichtet Liane Barilits.

Zur Hilfsorganisation kam sie durch Verwandte und gute Bekannte sowie durch einen Erste Hilfe Kurs, den sie damals besucht hatte. „Der Wunsch, anderen Menschen zu helfen und mich sozial zu engagieren hat mich motiviert. Dass daraus vier Jahrzehnte werden, das wundert mich gar nicht, denn ich war immer schon sehr motiviert und engagiert und bin es auch heute noch“, berichtet sie.

Beim Roten Kreut hat die Pöttschingerin in dieser langen Zeit einige Stationen durchlaufen. Angefangen hat sie lange Jahre als Rettungssanitäterin und im Journaldienst, später bekleidete sie das Amt der Pöttschinger Ortsstellenleiterin.

Zahlreiche Einsatzbereiche

Mittlerweile ist sie bei der Krisenintervention, in der Hospizbetreuung, bei der Sozialbegleitung sowie nach wie vor als Mitarbeiterin bei einer Ortsstelle tätig und auch noch als Bezirksfreiwilligenkoordinatorin-Stellvertreterin.

Wie viele ehrenamtliche Stunden sie in den 40 Jahren in diesen Dienst gesteckt hat, daran kann sich Liane Barilits beim besten Willen nicht mehr erinnern. „Es waren schon sehr, sehr viele, aber genau lässt sich das nicht mehr eruieren.“

Was hat sich in dieser langen Zeit im Rettungsdienst am stärksten verändert? „Meines Erachtens die Ausbildung zum Rettungssanitäter mit der Anhebung des Qualitätsniveaus und ganz wichtig die Zusatzkompetenzen. Auch unsere Einsatzfahrzeuge sind gegenüber früher jetzt moderner und komplexer ausgestattet“, so Liane Barilits, die fortfährt: „Für Patienten und deren Angehörige gibt es mittlerweile ein Kriseninterventionsteam, das bei außergewöhnlichen Ereignissen stets abrufbereit ist. Auch arbeiten heute im Gegensatz zu früher immer mehr Freiwillige in den verschiedenen Leistungsbereichen. Und es gibt jetzt auch das Freiwillige Soziale Jahr, in dem sich bei uns junge Menschen engagieren können.“

Besonders berührend sind für Liane Barilits nach wie vor die Einsätze, bei denen Babys oder Kinder betroffen sind. „Bei einigen Einsätzen gerät man auch als langgediente Rot-Kreuz-Mitarbeiterin oder Mitarbeiter an die Grenze der Belastbarkeit. Schwere Schicksalsschläge, die man im Dienst erlebt, werden immer im Team besprochen, aber man kann sich bei Bedarf auch an einen „Peer“ - eine geschulte Person, die Kolleginnen und Kollegen nach belastenden Einsätzen psychisch betreut - wenden“, hält sie fest.

Schöne Momente

Dass die erfahrene Mitarbeiterin auch noch nach Jahren immer wieder Menschen auf der Straße trifft, die sie erkennen und sich bei ihr bedanken, weil sie ihnen einst geholfen hat, das kommt immer wieder vor. „Das gehört unter anderem zu den Freuden meiner Tätigkeit und zu meinen schönsten Momenten bei meiner Arbeit für das Rote Kreuz. Schon deshalb lohnt es sich freiwillig für andere Menschen da zu sein. Weiters auch deshalb, weil ich hier tiefe Freundschaften und enge Vertraute fürs Leben kennenlernen durfte, die ich sonst sehr vermisst hätte. Wir alle unterstützen uns gegenseitig sehr“, schwärmt die Ehrenamtliche.

Mensch im Mittelpunkt

Bei der Rettungs-Arbeit steht immer der Mensch im Mittelpunkt. „Wir arbeiten für Menschen und mit Menschen. Ich habe hier die Möglichkeit, meine sozialen Kompetenzen einzusetzen und mich immer wieder weiterzuentwickeln. Wichtig ist dabei für mich immer menschlich bis zuletzt zu bleiben“, schildert sie ihre Werte und fährt fort: „Die wertvollste Erfahrung für mich ist, wenn ich Menschen in Krisensituationen helfen kann.“

Balanceakt

Einige Male kam es durchaus vor, dass die Angehörigen auf Liane Barilits aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit verzichten mussten, aber die Balance zwischen Ehrenamt, Beruf und Privatleben ist, laut Barilits, durch ein gutes Zeitmanagement sowie viel Verständnis von Seiten der Familie durchaus gegeben.

Die Freiwilligen beim Roten Kreuz zeichnet laut Liane Barilits besonders aus, dass sie einen großen Teil ihrer Freizeit für soziale Dienste aufwenden und diese in verschiedenen Leistungsbereichen ausführen. Das Schwierige bei dieser Arbeit ist sicherlich die Vereinbarkeit mit den beruflichen Verpflichtungen, ist ihre Meinung.

Ich würde auch heute noch alles genauso machen, wie ich es bis jetzt gemacht habe, ganz nach dem Leitspruch des Roten Kreuzes ,Aus Liebe zum Menschen‘, ist Liane Barilits von ihrer wertvollen ehrenamtlichen Tätigkeit mit Recht voll und ganz überzeugt. „Außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen auch weiterhin das ‚Miteinander helfen‘ fördern, da wir alle eine große Rot-Kreuz-Familie sind.“

Ehrung vom Land steht an

Natürlich ist sie trotz aller Bescheidenheit stolz auf ihre Tätigkeit und deshalb freut sie sich besonders, dass bald die Ehrung des Landes Burgenland für ihrebesonderen Verdienste für 40 Jahre Arbeit beim Roten Kreuz ansteht. „Dieses Jubiläum bedeutet für mich persönlich weiterhin ‚Anpacken und Weitermachen‘“, zeigt sie sich auch weiterhin entschlossen.

Ans Aufhören denkt die 59-Jährige noch lange nicht, denn sie will sich auch weiterhin mit vollem Einsatz beim Roten Kreuz engagieren.

Liane Barilits (im Bild mit Alexander Zechmeister) übernahm erst kürzlich die Patenschaft für das neue Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes.

Liane Barilits (im Bild mit Alexander Zechmeister) übernahm erst kürzlich die Patenschaft für das neue Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes.

© Richard Vogler

Gründe, sich ehrenamtlich beim Roten Kreuz zu engagieren:

  • „Ich denke, dass junge Menschen beim Roten Kreuz je nach persönlichen Interessen ihr Potenzial in unterschiedlichen Bereichen ausschöpfen können, ganz unter dem Motto: ‚Anpacken und Mitmachen‘“ ist Liane Barilits überzeugt.
  • Es gibt das Freiwillige Soziale Jahr, in dem sich junge Menschen beim Roten Kreuz engagieren können. Dieses hilft herauszufinden, ob eine Arbeit im Sozialbereich das Richtige ist. Das Freiwillige Soziale Jahr dauert je nach Vereinbarung neun bis 12 Monate und ersetzt den Zivildienst. Pensions-, Unfall- und Krankenversicherung sind inklusive, ebenso wie ein Taschengeld von etwa 500 Euro netto sowie das Klimatiket. Bei Anspruchsberechtigung kann weiterhin die Familienbeihilfe bezogen werden. Junge Menschen erhalten hierbei eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder zur Rettungssanitäterin. Die Zertifikate über die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen gelten auch als Praxisnachweis für weitere Bewerbungen im Berufsleben.
  • Mundpropaganda und auch über gelungene Veranstaltungen zu erzählen, sind laut Liane Barilits gute Mittel um mehr Menschen für ein Ehrenamt, bei dem man sich immer wieder weiterentwickeln kann, zu begeistern.
  • „Ich wünsche mir für die Zukunft des Roten Kreuzes, dass auch weiterhin viele liebe Menschen ehrenamtlich anpacken. Engagiert euch für das Rote Kreuz, das ist eine sinnvolle und nützliche Tätigkeit in der ihr für Menschen in Not da sein könnt!“, richtet sie einen Appell besonders an die Jugend.
  • „Das Allerwichtigste bei der Rot-Kreuz-Arbeit ist der Zusammenhalt, die gemeinsamen Absprachen sowie die Aufteilung im Team“, so Liane Barilits.