Oberwart: Sieben Friedhöfe, eine Botschaft

Allerheiligen

Oberwart zeigt, dass Vielfalt mehr sein kann als ein Schlagwort. Wer hier ankommt, darf bleiben – auch über den Tod hinaus. Die Stadt zählt sieben Friedhöfe für rund 8.000 Menschen, jede Ruhestätte ein stilles Stück Stadtgeschichte.

Von Bertie Unger

Der römisch katholische Friedhof ist einer von insgesamt sieben Ruhestätten in Oberwart.

Der römisch katholische Friedhof ist einer von insgesamt sieben Ruhestätten in Oberwart.

© Bertie Unger

Sie liegen abseits der Hauptstraße, unscheinbar vielleicht, aber von tiefer Bedeutung: die Friedhöfe von Oberwart. Katholisch, evangelisch, reformiert, jüdisch, sowjetisch – dazu Grabstätten für jene, die sich kein eigenes Grab leisten konnten. „Hier ruhen Katholiken, Evangelische, Reformierte, Jüdinnen und Juden, sowjetische Soldaten, aber auch Menschen ohne Angehörige“, sagt Bürgermeister Georg Rosner. „Die großen Friedhöfe werden von den Konfessionen selbst gepflegt, die Stadt kümmert sich um den sowjetischen Soldatenfriedhof und die jüdischen Grabstätten. Das wurde auch schriftlich fixiert.“

Über Generationen gewachsen

Was diese Orte verbindet, geht über Religion hinaus. Es ist das Bekenntnis zu einer Stadt, die über Generationen Menschen aufgenommen hat – ohne zu fragen, woher sie kommen oder woran sie glauben. „Moderne Gesellschaften sind pluralistisch. Religionen sollten es auch sein“, sagt Kulturmanager Horst Horvath. „In Oberwart ist das gelebte Praxis – auf den Friedhöfen, in den Kirchen, im Alltag.“

Dass hier katholische und reformierte Gottesdienste teils ungarisch gefeiert werden, ist nichts Besonderes, sondern selbstverständlich. Grenzen verlaufen höchstens zwischen Straßen, nicht zwischen Glaubensrichtungen. Wer hier lebt, darf glauben, was er will – oder es bleiben lassen.

Das islamische Gebetshaus in der Badgasse wurde von Beginn an akzeptiert, der jüdische Friedhof erinnert an eine Zeit, in der jüdisches Leben selbstverständlich war. Und an das, was verloren ging. Heute ist er Ort der Erinnerung und Mahnung zugleich: dass Ausgrenzung nie wieder Platz haben darf.

Vielleicht ist genau das das Besondere an Oberwart: dass Vielfalt hier nie inszeniert, sondern einfach gelebt wird. „Wir sind die Stadt der Vielfalt – und das beweisen wir immer wieder aufs Neue“, sagt Bürgermeister Rosner. Wer hier ankommt, darf bleiben. Und wer bleibt, findet seinen Platz – im Leben wie im Tod.