Rache: 19-Jährige zeigte Ex-Freund an

Bezirk Neusiedl

19-Jährige tischte der Polizei Lügengeschichte auf: Ihr Ex-Freund habe ihr Faustschläge verpasst und ihr mit den „Tschetschenen“ gedroht.

Von Elisabeth Kirchmeir

Weil seine Ex-Freundin das Beziehungsende nicht akzeptieren wollte, musste ein 26-Jähriger vor Gericht.

Weil seine Ex-Freundin das Beziehungsende nicht akzeptieren wollte, musste ein 26-Jähriger vor Gericht.

© BVZ/Kirchmeir

Es klang ziemlich dramatisch, was eine attraktive 19-Jährige aus dem Bezirk Neusiedl am 13. November 2023 am Polizeiposten Parndorf erzählte.

Ihr 26-jähriger Ex-Freund habe ihr am 7. November mehrere Faustschläge gegen Oberarm und Schulter versetzt, wovon sie Hämatome erlitten habe.

Er habe ihr außerdem gedroht, er werde sie töten oder ihr „Tschetschenen vorbeischicken“, wenn sie zur Polizei gehe.

Ein ähnlicher Vorfall habe sich auch am 8. November ereignet.

19-Jährige zeigte blaue Flecken her

Die Frau zeigte den Polizisten blaue Flecken auf ihrem Körper und einen WhatsApp-Chat, in dem sich der 26-Jährige für die Schläge entschuldigte.

Der 26-Jährige musste sich daraufhin am Freitag, 12. Jänner 2024 wegen des Vorwurfs der Körperverletzung und der gefährlichen Drohung vor Richterin Birgit Falb verantworten.

Von Mai bis 4. November 2023 sei er in einer Liebesbeziehung mit der 19-Jährigen gewesen, er habe Schluss gemacht, weil sie sich „gegenseitig nicht treu“ gewesen seien.

Anfang November habe er bereits einen Monat lang eine neue Freundin gehabt, sagte der Angeklagte.

Seit 4. November kein Kontakt mehr

Er habe seine Sachen aus ihrer Wohnung geholt, sie sei „in Tränen ausgebrochen“, er sei gefahren. „Danach hatte ich keinen Kontakt mehr zu ihr“, sagte der 26-Jährige.

Die 19-Jährige habe ihn weiter auf Snapchat kontaktiert und geschrieben, „dass sie mich zurückhaben will“, so der Angeklagte. Er habe das ignoriert.

Dann habe ihn die Ex-Freundin angezeigt und ausgerechnet an jenem Tag, als er die Eltern seiner neuen Freundin das erste Mal besuchte, seien „sieben Polizisten vor der Tür“ gestanden. „Das war auch toll“, meinte der Angeklagte.

Um die Angelegenheit zu klären, rief die Richterin die 19-Jährige herein. Diese hatte sich für den Gerichtstermin auffällig kess gekleidet, trug trotz der eisigen Außentemperaturen hohe, offene Stöckelschuhe, in denen ihre nackten Füße steckten, und eine enge lackglänzende schwarze Hose.

„Aus Rache gehe ich ihn anzeigen“

„Ich dachte aus Rache, in der Hoffnung, dass er mich kontaktiert, gehe ich ihn anzeigen“, gab sie gleich zu Beginn zu, die Geschichte von Körperverletzung und Drohung frei erfunden zu haben.

„Das ist eine ganz dumme Sache“, rügte die Richterin die junge Frau, lobte sie aber auch für ihren Mut, vor Gericht die Verantwortung für ihr falsches Handeln zu übernehmen.

„Ich versuchte ihn zurückzugewinnen, weil ich ihn liebe“, sagte die 19-Jährige.

Erst nachdem sie bei der Polizei gewesen war, hatte sie ihre Eltern über die Anzeige informiert. Beide forderten sie auf, das richtigzustellen. „Sonst geht er unschuldig ins Gefängnis, sagte mein Vater“, berichtete die 19-Jährige.

19-Jährige wollte Anzeige zurückziehen

Am nächsten Tag sei sie mit ihrer Mutter neuerlich beim Parndorfer Polizeiposten gewesen. Man habe ihr aber gesagt, dass sie die Anzeige nicht mehr zurückziehen könne.

„Das stimmt“, bestätigte die Richterin. Körperverletzung sei ein Offizialdelikt, das von den Behörden von Amts wegen verfolgt wird. Die Polizisten hätten aber einen Aktenvermerk anlegen und dokumentieren müssen, dass es sich die junge Frau anders überlegt hatte.

„Und wie kam es zu dem WhatsApp-Chat?“, fragte die Richterin.

Mit Fake-App erfundene Chats simuliert

„Da gibt es eine Fake-App“, gab die 19-Jährige zu. Mit dieser App sei es möglich, täuschend echt aussehende WhatsApp-Chats zu gestalten.

Wie aber entstanden die Verletzungen, die die 19-Jährige bei der Polizei vorwies?

„Ich weiß nicht, ob Sie das wissen“, sprach die Ex-Freundin des Angeklagten die Richterin an. „In der Disco wird ein Kreis gebildet, da geht man rein und schubst sich“, erklärte sie das Zustandekommen der „blauen Flecken“.

Statt Liebe zurück gibt's ein Strafverfahren

„Sie werden ein Strafverfahren bekommen“, ermahnte die Richterin die 19-Jährige.

Diese war bereits einmal wegen einer falschen Beweisaussage angezeigt worden: Sie hatte für den 26-Jährigen gelogen, als dieser ohne Führerschein mit dem Auto gefahren war, und behauptet, sie sei am Steuer gesessen. „Das flog auf, ich bekam eine Strafe von der Bezirkshauptmannschaft und sie wurde wegen falscher Beweisaussage verurteilt“, berichtete der Angeklagte.

Die Richterin forderte die 19-Jährige auf, sich bei dem 26-Jährigen zu entschuldigen.

Gelächter statt Entschuldigung

Zur Überraschung aller Anwesenden brach daraufhin die 19-Jährige in Gelächter aus. „Es funktioniert nicht, wir begannen immer zu lachen, wenn wir uns anschauten“, sagte die junge Frau.

„Er musste sich einen Anwalt nehmen, ihm drohte eine Haftstrafe und eventuell der Jobverlust“, ermahnte die Richterin die 19-Jährige.

Hastig brachte diese daraufhin hervor: „Es tut mir leid!“

Der Angeklagte nahm die Entschuldigung an.

Hereingerufen wurde danach noch jener Polizist, der die Anzeige der 19-Jährigen entgegengenommen hatte. Die Richterin erklärte ihm, dass es wichtig gewesen wäre, per Aktenvermerk festzuhalten, dass die junge Frau ihre Anzeige hatte wieder zurückziehen wollen. Dann wären Staatsanwaltschaft und Gericht diesbezüglich vorinformiert gewesen.

Verteidiger: „Das ist ein Skandal der Extraklasse!“

„Das ist ein Skandal der Extraklasse!“, ärgerte sich der Verteidiger des 26-Jährigen. „Wenn Sie den Aktenvermerk gemacht hätten, hätte die Staatsanwaltschaft vielleicht gar keinen Strafantrag eingebracht!“

Der 26-Jährige wurde danach von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freigesprochen. „Das ist ein glasklarer Freispruch“, sagte die Richterin. Der Angeklagte sei zu Unrecht beschuldigt worden.