Spatenstich in Müllendorf - nicht ohne Kritik

Neubau im Businesspark

Die oberösterreichische Firma Holter siedelt sich im Businesspark Müllendorf und baut dort ein Verteilerzentrum. Gebaut wird auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern, das Land schießt 96.000 Euro zu - für insgesamt acht Arbeitsplätze.

Von Peter Wagentristl

Holter Prokurist Lukas Vormair, Geschäftsführer Markus Steinbrecher, Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann sowie Harald Zagiczek von derWirtschaftsagentur Burgenland.

Holter Prokurist Lukas Vormair, Geschäftsführer Markus Steinbrecher, Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann sowie Harald Zagiczek von derWirtschaftsagentur Burgenland.

© Landesmedienservice

Der Sanitär- und Heizungsgroßhändler Holter mit Firmensitz in Oberösterreich errichtet im Businesspark Müllendorf ein Verteilerzentrum. Um 1,4 Millionen Euro wird auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern gebaut, dabei „entstehen acht Arbeitsplätze“, verkündete Landesrat Leonhard Schneemann beim Spatenstich stolz. Das Land schießt dafür 96.000 Euro zu.

Die Betriebsansiedlung wertet Schneemann als „Beweis dafür, wie positiv sich der Wirtschaftsstandort Burgenland entwickelt hat. Die Rahmenbedingungen stimmen hier, die Lage ist für das Unternehmen ideal. Das Burgenland präsentiert sich mit seiner Infrastruktur, der Förderlandschaft, den Voraussetzungen, die wir bieten, als zukunftsträchtiger Wirtschaftsstandort. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Grüne: Leerstand nutzen statt neu versiegeln

Spatenstich in Müllendorf - nicht ohne Kritik

© Millendorfer, Millendorfer

Die Kritik daran folgt auf dem Fuß. Die Grünen beklagen unnötige Bodenversiegelung, da es „hier im Bezirk genügend Leerstand, zum Beispiel bei Leykam gleich in unmittelbarer Nachbarschaft, gibt. Niemand versteht, warum Ackerfläche versiegelt wird, während gleichzeitig so viel bereits versiegelte Fläche ungenutzt ist", gibt Landessprecherin Regina Petrik zu bedenken - die erst unlängst eine Aktion zum Thema Leerstand von Industriebauten im Bezirk Eisenstadt ankündigte und nun quasi eine Steilvorlage erhält.

Ein vor drei Jahren versprochenes „Leerstands-Register“ habe das Land noch immer nicht umgesetzt. Bei nur acht Arbeitsplätzen seien die Kommunalabgaben überschaubar und würden überhaupt erst schlagend, wenn Investitionsverpflichtungen abbezahlt sind, so Petrik. Dem gegenüber stehe unnötige Bodenversiegelung „in Zeiten von unerträglicher Hitze und Überschwemmungen“.

350 Quadratmeter Bodenversiegelung pro Arbeitsplatz

Mit dem Betriebsstart des Verteilerzentrums ist auch mit einem Anstieg des Verkehrsausfkommens zu rechnen. Bei umgerechnet 350 Quadratmeter Bodenversiegelung und 12.000 Euro Landesförderung pro Arbeitsplatz sei zudem die Verhältnismäßigkeit fraglich - ein Umstand, auf den man beim Land auf BVZ-Anfrage nicht konkret eingeht.

Spatenstich in Müllendorf - nicht ohne Kritik

© Businessparks Burgenland

Replik des Landes nicht weniger scharf

Ansonsten will das Land die Kritik der Grünen so nicht gelten lassen und kontert: „Im Gegensatz zu den Grünen schauen wir nicht tatenlos zu, sondern wir handeln. Während die Grünen den Wahnsinn rund um die kika/Leiner-Insolvenz mittragen und im Kampf gegen die Teuerung die Versäumnisse ihres Koalitionspartners decken, suchen wir für die ,Opfer' dieser Versäumnis-Politik neue Jobs“, heißt es dazu aus dem Büro von Landesrat Leonhard Schneemann.“

Gleichzeitig betont man die Bedeutung regionale Businessparks als „Win-Win-Situation für Wirtschaft und Arbeitsmarkt“. Und mit den interkommunalen Betriebsgebieten, die das Land derzeit forciert, stehe man auch im Dienste des Umweltschutzes: „Denn wir können so topmoderne Ansiedlungszonen mit der besten Infrastruktur schaffen, verhindern aber andererseits ‚Flächenfraß‘ und übermäßigen Bodenverbrauch durch unkoordinierte Einzelaktionen.“

„Kein Leerstand rund um Müllendorf“

Weiters weist das Land darauf hin, dass es entgegen der Aussage der Grünen keine freien Immobilien entlang der A3 gebe. Allerdings: Auf der Plattform willhaben.at findet sich eine Logistikhalle der Firma CBRE, einer österreichischen Tochtergesellschaft der holländischen Relam Amsterdam Holdings B.V.,die ab Herbst vermietet werden soll - direkt im Businesspark Müllendorf. Konkret ein „Neubau“ auf „etwa 12.800 Quadratmeter Hallenfläche und etwa 1.100 Quadratmeter Bürofläche“.

Bezüglich des Leerstandsregisters „sollten sich die Grünen selbst an der Nase nehmen“, immerhin habe die Bundesregierung ein solches angekündigt und nicht umgesetzt. Das Land erhebt also gegen die schwarz-grüne Bundesregierung den selben Vorwurf wie die Grünen gegen die rote Landesregierung.

Spatenstich in Müllendorf - nicht ohne Kritik

© WIBUG

Jedenfalls werde auf „bereits gewidmeten Betriebsflächen mit der erforderlichen Infrastruktur“ und entsprechend der Bebauungsrichtlinien gebaut: Also mit einer Dichte von weniger als 60 Prozent der Widmungsfläche und einer maximalen Höhe von 20 Metern. „Kurzum: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Davon sind die Grünen weit entfernt“, sieht man beim Land keinen Fehler.

Auf den fehlenden Netzanschluss, an dem laut mehreren Hallenbetreibern im Businesspark Müllendorf große Dachflächen-PV-Anlagen scheitern, wollte man seitens des Landes bei der Beantwortung der BVZ-Anfrage nicht eingehen.