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Alfons Haider lud seine Hauptdarsteller zum Rössl-Talk in die Wohnung
BVZ-Interview
In den privaten vier Wänden und auf seiner Dachterrasse plauderte Generalintendant Alfons Haider mit Dagmar Bernhard und Martin Bermoser über den Festivalsommer auf Schloss Tabor: „Im Weißen Rössl“ wird’s rund gehen, soviel ist jetzt schon sicher. Beim entspannten Exklusiv-Talk gab’s Einblicke in die Inszenierung und einen Wohnzimmer-Ausblick über die Dächer Wiens.
Punschkrapferln mit Herz in Wien-Neubau. Generalintendant Alfons Haider (r.) begrüßte Martin Bermoser und Dagmar Bernhard mit Kaffee und Zucker in seiner Wohnung.
© Wolfgang Millendorfer
Mit Kaffee und Punschkrapferln empfing der Intendant seine beiden Hauptdarsteller und die BVZ im geräumigen Wohnzimmer in Wien-Neubau, wo man vom besagten Ausblick noch von Kunst an den Wänden und unzähligen Erinnerungsstücken abgelenkt wird: Alfons Haider hätte selbst so viel zu erzählen, über die Fotos mit Weltstars, die Plakate zu seinen Bühnenhits oder die ausgefallenen Kostüme … er lässt im Interview aber Dagmar Bernhard und Martin Bermoser charmant den Vortritt.
Auf der Dachterrasse plaudern der Intendant, seine Rössl-Wirtin Josepha und Oberkellner Leopold über große Vorbilder und ihren Zugang zum Klassiker. Nicht nur die Seebühne in Mörbisch liegt Alfons Haider am Herzen, das merkt man: Auf Schloss Tabor in Neuhaus am Klausenbach will er mit Bernhard, Bermoser und einer spannenden Darsteller-Riege heuer wieder mit viel Herz große Unterhaltung bieten.
© Wolfgang Millendorfer
BVZ: Die Vorfreude ist schon spürbar, wenn man Sie drei zusammen sieht. Wo sind Sie noch unterwegs, bevor es an die Proben zum „Weißen Rössl“ geht?
Dagmar Bernhard: Ich habe eine ABBA-Tour hinter mir und habe nochmal den „Rosenkavalier“ aufgenommen – das Stück hat der leider verstorbene Andy Halwaxx ja vor zwei Jahren auf Schloss Tabor inszeniert. Jetzt beschäftige ich mich auch schon mit dem „Freischütz“, der im Schloss heuer auch noch kommt, und dann werden wir uns schon sehr bald bei den ersten gemeinsamen Workshops ins „Rössl“ einfühlen.
Martin Bermoser: Ende Mai geht’s ja wirklich los! Zusammen mit Regisseur Stephan Prattes gehen wir schon das Stück durch, darauf freuen wir uns. Und weil wir damit ja am Wolfgangsee spielen – da kann ich gleich persönlich eine Brücke schlagen: Im Mystical „Wolf“ stehe ich dort derzeit auf der Seebühne. Und ich darf im „Weißen Rössl“ logieren! Das hab ich mir extra gewünscht.
Da können Sie zur Recherche hoffentlich auch Kontakt zum Oberkellner aufnehmen …
Bermoser: So ist es! Da werde ich Einblick nehmen können ins Hotel und in die Wettersituation mit dem Schnürlregen im Salzkammergut. Der kommt zwar im Stück vor, aber den werden wir im Südburgenland dann nicht kriegen.
Die Frage nach den Vorbildern wird in jedem Fall öfter kommen: Peter Alexander und Waltraud Haas im berühmten Film … Man darf aber einen eigenen Leopold und eine eigene Josepha erwarten.
Bermoser: Wie könnte es sein, die beiden nicht im Hinterkopf zu haben?
Alfons Haider: Das ist ja Operettengeschichte! Für seine Zeit hat das so wunderbar gepasst. Wir bringen es ins Heute.
Bermoser: Ich bin ein riesiger Fan dieser alten Musikfilme! Damals hat man sich noch Zeit genommen, um das Musikalische ganz detailliert auszuarbeiten.
Bernhard: Und so wie die Musik, funktionieren die Pointen auf den Punkt. Aber natürlich wollen wir es auch modernisieren.
Haider: Das ist für mich ein Grund, warum diese beiden die Hauptrollen spielen. Erstens, weil sie Ja gesagt haben, was uns sehr gefreut hat (lacht), und zweitens, weil ich realistische Personen haben wollte. Viel schöner als eine Überzeichnung, die auch möglich wäre, ist es doch, realistische, moderne Menschen auf der Bühne zu zeigen. Die einerseits ständig streiten und sich andererseits gernhaben – bis die Josepha schreit: „Nimm mi, du Depp!“

© Wolfgang Millendorfer
Man wäre verleitet zu sagen: Beim „Weißen Rössl“ kann eigentlich nichts schiefgehen.
Bermoser: Es gibt ja verschiedene Zugänge, entweder man engagiert singende Schauspieler, die diese Aufgabe ernst nehmen – und diesen Pfad beschreiten wir hier –, oder man besetzt die Rollen mit spielenden Sängerinnen und Sängern. Wir werden einfach eine schöne Mischung finden. Mit Eddie Luis, der für die Musik verantwortlich ist, sind wir schon dabei.
Haider: Es wird swingen! Dafür sorgt unser großes klassisches Orchester.
Bermoser: Das wünscht man sich doch. Man bringt die alten Elemente, die man kennt, und wir bringen neue Elemente ein. Ich finde, mit der Besetzung, die Alfons hier gefunden hat, entwickelt sich das Singspiel als solches generell weiter. Und wir bekommen ausreichend Möglichkeiten, unser Spiel einzubauen.
Sie beide tragen das Stück natürlich auch …
Bernhard: Das ist uns bewusst (lacht).
Ist es da gerade die Kunst, an so ein lustiges Stück mit Ernsthaftigkeit heranzugehen?
Bernhard:Jede Komödie musst du ernsthaft spielen, damit die Pointen lustig sind. Wenn du es nicht ernst nimmst, wird es nicht lustig. Ich habe zwar noch nie die Josepha, aber zweimal das Klärchen im „Rössl“ gespielt, die Stimmung und die Lieder habe ich also schon intensiv gespürt.
Haider: Ich selbst durfte den Oberkellner Leopold in St. Pölten spielen – als Doppelrolle zusammen mit dem Kaiser. Und da war ich auch als singender Schauspieler dabei, so wie ihr jetzt! Peter Alexander hat ja auch genau gewusst, was er singen kann und wie er es singen muss.
Bernhard: Das Überzeichnete würde auch zu viel von der Liebesgeschichte von Leopold und Josepha ablenken.
Haider: Wir haben auch keine Plastik-Kuh auf der Bühne. Wir werden das Stück nicht verblödeln.
Bermoser: Mit der Besetzung und seinen Ideen trifft man ja immer eine Entscheidung. Wir wollen das Stück auf jeden Fall zum Glänzen bringen.
Die Bühne selbst spielt da eine gewichtige Rolle. Wie bunt darf sie werden?
Haider: Wir haben mit Stephan Prattes einen Regisseur, der die schönsten Bühnenbilder der vergangenen Jahre entworfen hat, zuletzt etwa für das Falco-Musical. Unsere Bühne wird nicht vom Spiel ablenken, aber es wird schon ein „Wow“ geben! Und: Der Neusiedler See kriegt diesen Sommer Konkurrenz mit dem Tabor-See. Der ehemalige Orchestergraben wird unser See, soviel darf man schon verraten.
Als Vorgeschmack auch auf die Proben … ohne echte Teamarbeit ist so ein Stück wahrscheinlich nicht möglich.
Bermoser: Man freut sich immer, wenn man mit neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenkommt, weil natürlich jeder etwas Neues einbringt.
Haider: Aus Deutschland reisen mit Dietrich Hollinderbäumer und Takeo Ischi zwei bekannte Kollegen extra an. Die wollen genau diese einfache und entspannte Stimmung im Burgenland haben!
Bernhard: Martin und ich, wir kennen einander ja schon, an der Volksoper haben wir zusammen in „Anatevka“ gespielt.
Bermoser: Und wir durften da schon ein Liebespaar spielen!

© Wolfgang Millendorfer
Und das Südburgenland ist als Schauplatz für Sie ebenso ein Faktor?
Bermoser: Ich kenne die Gegend um Jennersdorf bislang nur ein bisschen, aber umso mehr freu ich mich drauf.
Haider: Und wo gibt es das: Wenn die Vorstellung vorbei ist und das letzte Auto wegfährt, dann ist es völlig ruhig, mitten im Wald.
Bernhard: Bis auf die Tiere, auf die muss man aufpassen, vor allem im Auto (lacht).
Haider: Die Ruhe, die spüre ich in Mörbisch auf der Seebühne genauso. Schloss Tabor hat aber eine ganz eigene Aura. Das ist einfach schön.
Bermoser: Sommertheater macht man tatsächlich auch deshalb, weil man ein wenig Ruhe findet.
Auf der Bühne ist aber was los! Es gibt zusätzlich zwei Sing-along-Vorstellungen. Was erwartet uns da … und vor allem die Darsteller?!
Haider: Das ist eine ganze eigene Art der Aufführung, das Stück wird von Silvia Schneider und mir als Moderatoren unterbrochen, dann nehmen die Zuschauer ihr Liederbuch zur Hand und machen mit! Das wird für die Darsteller nicht ganz so einfach, aber es darf Spaß machen.
Bermoser: Ich kenne das von früheren Stücken: Alles, was an einem solchen Abend passiert, ist wunderbar und macht Spaß!
Bernhard: Darauf ist man auf der Bühne schon vorbereitet. Man darf improvisieren, und dazu die Melodien, die alle im Ohr haben …
(Es folgt ein liebevoller Schlagabtausch, bei dem die Einfälle nur so sprudeln)
Die Musik bleibt dabei trotzdem immer das tragende Element?
Haider: Wir haben schon tausende Ideen, meine Aufgabe ist es, alle einzusammeln und mit dem Regisseur zu besprechen. Wir werden aber natürlich nicht vergessen, dass es diese traumhaften Melodien gibt.
Bernhard: Genau, es gibt so vieles, das schon funktioniert. Ich freue mich zum Beispiel auf die Szene zusammen mit dem Kaiser: „Es ist einmal im Leben so …“ Das ist Gänsehaut pur. In diesem Moment will ich ganz reduziert auch die zarte Seele der sonst so reschen und resoluten Josepha zeigen. Das Stück ist schon so gut geschrieben, man muss nicht allzu viel verändern.
Ein Klassiker auch die Frage zum Abschluss: Worauf sollen sich die Leute freuen, wenn sie im „Weiße Rössl“ auf Schloss Tabor einchecken?
Bernhard: Das Publikum soll einfach eine wahnsinnig schöne Zeit haben!
Bermoser: Es soll eine total ehrliche und deswegen so lustig erzählte Geschichte bekommen. Unsere Aufgabe ist es, Entertainment und Ehrlichkeit zu vereinen. Daran werden wir arbeiten, und darauf freuen wir uns sehr!
Operette auf Schloss Tabor
„Im weißen Rössl“ – von 1. bis 11. August – mit Dagmar Bernhard, Martin Bermoser, Martin Weinek, Dietrich Hollinderbäumer, Takeo Ischi und vielen mehr; Regie: Stephan Prattes; Orchester: Junge Philharmonie Brandenburg
Vorstellungen am 30. Juli (Generalprobe), 1. August (Premiere), 2. bis 4. sowie 7. bis 11. August; an den Sonntagen (4. und 11. August) gibt’s eigene Sing-along-Aufführungen: Mit dem „Mitmach-Sackerl“ ist man live dabei, singen ist ausdrücklich erwünscht!
Infos, Karten und weitere Veranstaltungen online auf schlosstabor.at