Mit fünf Verträgen sichern Land Burgenland und ÖBB Investitionen von insgesamt 109,55 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau mehrerer Bahnstrecken und Bahnhöfe.
Franz Steindl: „Die Politik geht mir nicht ab“
BVZ-Interview
Als Geschäftsführer der künftigen Joseph Haydn Privathochschule hat der frühere Landeshauptmann-Stellvertreter und ÖVP-Chef viel vor. Mit der BVZ sprach Franz Steindl über die Musik und auch darüber, warum er mit der Politik abgeschlossen hat.
Franz Steindl: „Musik ist Leidenschaft, die Politik habe ich auch immer mit Leidenschaft betrieben.“
© Wolfgang Millendorfer, Archiv
Mit der Hochschul-Akkreditierung ist dem Joseph Haydn Konservatorium ein Meilenstein gelungen. Was wird sich künftig ändern?
„Die Akkreditierung war eine Herausforderung für alle, und wir können stolz darauf sein, dass es uns gleich bei der ersten Einreichung gelungen ist. Als Privathochschule haben wir künftig die Möglichkeit, im künstlerischen und im pädagogischen Bereich je einen Bachelor und einen Master vergeben zu können. Damit sind wir auch im europäischen Bologna-System und können Studierende, Lehrende und Qualifikationen austauschen.“
Einen solchen Status bekommt man ja nicht geschenkt. Wie groß kann man sich den Aufwand dahinter vorstellen?
„Wir haben 2.000 Seiten abgegeben, die Bewertung hat eine internationale Kommission vorgenommen. Von der Akkreditierungsstelle des Bundes haben wir den Hochschul-Status jetzt für sechs Jahre bekommen. Danach muss eine Re-Akkreditierung eingeleitet werden. Nun werden die Gremien eingerichtet, zusätzlich werden acht Professuren nach internationalen Standards ausgeschrieben.“
Ist schon ein Andrang an Studierenden spürbar?
„Wir haben immer mehr Bewerbungen, als wir aufnehmen können. Es gibt Aufnahmetests vor einer Kommission, und wir haben eine Obergrenze von 285 Studienplätzen. Die werden von Studierenden aus 32 Nationen besetzt! Das heißt, wir haben international jetzt schon einen sehr guten Ruf, unsere Studierenden sind auch bei vielen öffentlichen Auftritten vertreten, von verschiedensten Ensembles bis zur Bigband oder zum Symphonie-Orchester.“
Welche Schritte planen Sie als Geschäftsführer noch?
„Wir arbeiten immer im Team. Mit Gerhard Krammer als provisorischem Rektor habe ich fast täglich Besprechungen, wir ergänzen uns sehr gut. Wir haben engagierte Lehrende, die sich ebenso wie die Studierendenvertreter einbringen. Und es gibt die breite Unterstützung seitens des Landes. Jetzt wollen wir die Privathochschule mit internationaler Ausbildung im Bereich der Musik und Pädagogik positionieren – als Aushängeschild des Burgenlandes. Wir arbeiten dazu auch eng mit anderen Institutionen zusammen.“
© Joseph Haydn Privathochschule
Wieviel vom „Spirit“ Joseph Haydns steckt drin in der neuen Hochschule?
„Haydn hat es verstanden, unsterbliche Melodien zu komponieren und eine Kompositionstechnik zu entwickeln, die Grundlage für viele andere geworden ist. Es gibt spezielle Fächer, in denen diese Technik erlernt werden kann. Über Bachelor- und Masterarbeiten wird zum Beispiel auch versucht, unvollendete Stücke fertigzustellen. Und es geht natürlich auch um Franz Liszt und andere Komponisten, die im Burgenland gelebt haben.“
Und was bedeutet Haydn Ihnen persönlich?
„Er ist für mich ein musikalisches Phänomen, das wir als Privathochschule noch lange nicht erforscht haben. Daher ist es ein Auftrag für die nächsten Jahrzehnte Bildungs- und Forschungsarbeit zu betreiben. Das passiert mit unserem Artistic- Research-Programm und im Haydn-Liszt-Institut mit dem ehemaligen Konservatoriums-Direktor Tibor Nemeth als Leiter. Außerdem sind wir ja nicht nur in der Klassik verankert, sondern mit modernen Projekten auch im Jazz oder Pop.“
Auf lange Sicht gesehen – wie würden Sie Ihre Vision umschreiben?
„Als Ausbildungsstätte geht es darum, den internationalen Bekanntheitsgrad zu erwerben und zu festigen und jungen Menschen ein Studium zu bieten, mit dem sie auch einen Job bekommen: sowohl in der Pädagogik als auch im Konzertbetrieb. Und das Burgenland sollte man nicht nur über Landschaft, Wein, Kulinarik und den Neusiedler See kennen, sondern auch über die Kultur. Was Mozart in Salzburg ist, das müssen Haydn und Liszt für uns im Burgenland sein. Da gibt es noch viele Möglichkeiten, die man ausbauen kann, auch im touristischen Bereich.“
Was wäre Haydn im heutigen Burgenland?
„Er wäre wahrscheinlich der Popstar schlechthin, und das nicht nur im Burgenland. Für mich als Trompeter in Bands und Ensembles ist es immer besonders, wenn ich ein Stück von Haydn spiele.“
Sie waren lange in der Politik. Gibt es etwas, das Musik und Politik gemeinsam haben?
„Die Leidenschaft! Wenn ich zurückblicke, dann bin ich dankbar für alles, was ich erleben durfte. Da gehören viele positive Dinge dazu, aber auch negative. Ich habe die Politik immer mit viel Leidenschaft betrieben. Ich war vielleicht keiner, der mit Ellbogen gearbeitet hat. Es heißt ja, man sollte in der Politik alle meiden, die einem zu nahe kommen. Das habe ich nie gemacht, ich war immer ein Team-Mensch und habe mich in diesen Rollen als Leader verstanden, der alle mitnimmt. Das war vielleicht ein Fehler. Letztendlich ist es mir aber immer um die Leidenschaft gegangen.“
Gibt es etwas, das Ihnen ohne Politik fehlt?
„Nichts, mir geht absolut nichts ab. Ich habe mit der Politik komplett abgeschlossen.“
Man kann sagen, dass der Landeshauptmannstellvertreter in Zeiten des Proporzes eine hohe Machtfülle hatte. Wie sehen Sie das im Nachhinein?
„Für mich war es nicht Macht, sondern vor allem, das Machbare umzusetzen, und das gemeinsam mit dem Regierungskollegen. Ich denke an die Energiepolitik, die Fusion von BEWAG und Begas, die Bewältigung der Bank Burgenland. Das alles wäre ja im Alleingang gar nicht möglich gewesen. Der burgenländische Weg war letztendlich immer ein Weg der Gemeinsamkeiten. Vielleicht vermisse ich das ein bisschen.“
Mit Hans Niessl – als Landeshauptmann Ihr früherer Gegenpart – haben Sie heute ein gutes Verhältnis. Ist man mitten im System vielleicht zu sehr mit Scheuklappen unterwegs? Gerade als Chef einer Partei kommt von der Basis vielleicht ebenfalls Druck …
„Ich war 15 Jahre lang Parteiobmann und Landeshauptmannstellvertreter und hab mich immer bemüht, einen Ausgleich zu finden. Warst du zu stark parteiisch unterwegs, haben dir die eigenen Leute gesagt, man sollte mehr zusammenarbeiten. Hast du mehr zusammengearbeitet, dann waren das genau die, die gefragt haben: „Wo ist dein Profil? Du musst dein Profil herausarbeiten!“ Als Führungsperson hat man es den eigenen Funktionären also nicht immer recht machen können, wobei ich zwei Arten unterscheide: jene an der Basis, die Bürgermeister und Obleute, mit denen bin ich hervorragend ausgekommen; und jene in der zweiten, dritten Reihe, die diese Zurufer sind. Mit denen habe ich des Öfteren schon meine Probleme gehabt.“
Wie sehen Sie die Situation der heutigen Landes-ÖVP? Sie haben früher ja auch schon eine absolute SPÖ-Mehrheit erlebt.
„Es ist sehr schwer, diese Lage von außen zu beurteilen, das maße ich mir auch nicht an. Denn ich gehe davon aus, dass jeder, der vorne steht, das Bestmögliche versucht. Ich glaube, dass das Burgenland viel zu klein ist, um hier nur reine Opposition zu betreiben; wenn wir früher zusammengearbeitet haben, dann ist immer am meisten weitergegangen. Die Voraussetzungen sind natürlich andere, allein schon durch die sozialen Medien. In Zeiten der SPÖ-Absoluten wurde uns damals das Budget fast auf null gestellt, das war eine sehr schwierige Zeit. Ich glaube, dass absolute Mehrheiten immer ein Problem darstellen. Aber ich denke doch, dass es wieder eine Zeit geben wird, in der man breiter zusammenarbeiten kann.“
Gerade bei dem Thema wird oft diskutiert, ob es gut war, den Proporz abzuschaffen. War das für Sie der richtige Schritt?
„Die Abschaffung wurde bereits vor meiner Zeit als Landeshauptmannstellvertreter in den ÖVP-Gremien beschlossen, aber nie umgesetzt. Es gab auch bei uns viele Diskussionen, und letztlich auch entsprechende Beschlüsse im Parteivorstand. Also ist das keine Angelegenheit, die der Parteiobmann entschieden hat. Das will ich betonen, weil viele jetzt mit dem Finger auf nur eine Person zeigen. Ich glaube dennoch, dass der Proporz überholt ist, dass es vielleicht besser ist, wenn man versucht, in der freien Wahl eine Zusammenarbeit zu finden.“
Gibt es Dinge, die Sie in der Politik bereuen?
„Ich bereue keinen einzigen Tag. Was ich vielleicht tun hätte müssen: zu schauen, wer deine Freunde sind.“
Haben sich nach Ihrem Ausscheiden aus der Regierung viele verabschiedet?
„Ja, erst wenn man unten liegt, dann merkt man, wer die Freunde sind. Ich sag es positiv: Ich habe doch einige registrieren können. Ich hab heute das Privileg, dass ich mich nicht mit allen abgeben muss, mit denen ich früher zusammenarbeiten musste. Ich möchte nichts Negatives hinterlassen, sondern positiv abschließen. Und ich habe die Politik abgeschlossen.“
Ist es – provokant gefragt – nicht trotzdem interessant, wenn der ehemalige ÖVP-Chef in einem absolut SPÖ-regierten Land eine Führungsposition bekommt, weil die eigene Partei scheinbar keinen adäquaten Job angeboten hat?
„Ich versuche es anders zu formulieren: Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, meine Qualitäten zu zeigen. Dass wir die Akkreditierung zur Privathochschule auf Anhieb geschafft haben – und da sind viele Monate und Wochenenden draufgegangen –, das ist für mich der beste Beweis, dass man eine Chance ergreifen soll.“
Es gibt mehrere Beispiele, in denen ehemalige ÖVP-Spitzenfunktionäre gut mit Landeshauptmann Doskozil zusammenarbeiten. Wie sehen Sie seine Politik, lässt sie sich mit Ihren Idealen vereinbaren?
„Ich glaube, Politik wird oft nach Umfragen formuliert, die Menschen wollen aber Entscheidungen haben. Ob sie richtig oder falsch sind, kann man erst im Nachhinein beurteilen. Daher denke ich, dass Landeshauptmann Doskozil in die Kategorie der Entscheidungsträger gehört. Ob die Politik sich mit meinen Vorstellungen deckt, lasse ich dahingestellt. Viele Dinge würde ich vielleicht anders sehen, aber in seinen Bereichen als sozialdemokratischer Politiker wird er das Richtige machen.“
Info: Joseph Haydn Privathochschule
Mit 1. Oktober startet das bisherige Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt als Privathochschule.
Franz Steindl ist als Geschäftsführer für den organisatorischen, rechtlichen und kaufmännischen Bereich zuständig; Gerhard Krammer als Direktor für den wissenschaftlichen und pädagogischen. Der Posten wird im Herbst neu ausgeschrieben.
Das Gebäude wird derzeit mit zusätzlichen Räumen und einem kleinen Konzertsaal umgebaut. Der 4,5-Millionen-Umbau wird von den Landesimmobilien abgewickelt und soll bis Februar 2024 fertig sein.