Jauk & Troiß: „Der Name Bank Burgenland bedeutet auch Verantwortung“

BVZ-Interview

Seit 2008 ist Christian Jauk CEO der GRAWE Bankengruppe und Vorstandsvorsitzender der Bank Burgenland, Vorstandsmitglied Berthold Troiß managt das Geschäft in der Eisenstädter Zentrale, von wo aus 600.000 Kundinnen und Kunden betreut werden – doppelt so viele wie die Bevölkerung im Land! Jauk, der auch als Präsident des Fußballklubs Sturm Graz bekannt ist, und Troiß sprachen mit der BVZ über die starke Marke Bank Burgenland.

Von Wolfgang Millendorfer

„Jede Bank hat ihre eigene DNA.“ Christian Jauk, CEO der GRAWE-Bankengruppe, und Bank-Burgenland-Vorstandsmitglied Berthold Troiß (v.l.), beim BVZ-Interview in der Zentrale in Eisenstadt.

„Jede Bank hat ihre eigene DNA.“ Christian Jauk, CEO der GRAWE-Bankengruppe, und Bank-Burgenland-Vorstandsmitglied Berthold Troiß (v.l.), beim BVZ-Interview in der Zentrale in Eisenstadt.

© Wolfgang Millendorfer

Als Grazer kennen Sie das Land gut, und man weiß, dass die Bank vor allem um die Jahrtausendwende nach Skandalen sozusagen am Boden war. Doch danach hat sie sich bestens entwickelt. Wie würden Sie diesen Werdegang beschreiben?

Christian Jauk: Als wir mit der GRAWE beim damals dritten Privatisierungsversuch vonseiten des Landes eingestiegen sind, war das natürlich eine unternehmerische Herausforderung. Die haben wir aber optimistisch gesehen, unsere Konkurrenten eher kritisch. Ich bin daher sehr stolz, dass es gelungen ist, dass sich aus einer Bank, die einst mit Skandalen in Verbindung gebracht wurde, heute eine der prosperierendsten Regionalbanken Österreichs entwickelt hat.

Und das geht nur, wenn zwei Dinge funktionieren: Ich danke unseren Kundinnen und Kunden, die den Weg mit uns gegangen sind, und ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weil sie an uns geglaubt haben – und wir an sie. Es gibt selten so eine schöne Erfolgsstory, das macht mich demütig und dankbar, denn es ist keine Selbstverständlichkeit.

Kann man es – ein wenig überspitzt – mit dem Weinskandal vergleichen? Wenn es heißt, ohne den Skandal wäre der burgenländische Wein vielleicht heute nicht von so hoher Qualität …

Jauk: Wenn man so will, kann man eine Parallele ziehen, es war aber trotzdem ein eigenständiger Weg. Das Potenzial der Bank Burgenland wurde damals aus bekannten Gründen überkritisch gesehen. Die Bank war nicht profitabel, aber das Potenzial war enorm. So wie die Bank völlig unterschätzt wurde, ist es früher oft auch dem Land ergangen.

Das war bis zu einem gewissen Grad eine parallele Entwicklung: Die Bank Burgenland hat sich deshalb hervorragend entwickelt, weil sich auch das Land und die Bevölkerung ordentlich nach oben gearbeitet haben. Unter der Bank Burgenland hängen in der GRAWE-Bankengruppe heute einige andere Banken und Gesellschaften, die außerordentlich erfolgreich waren und sind.

Jauk & Troiß: „Der Name Bank Burgenland bedeutet auch Verantwortung“

© Wolfgang Millendorfer

Unter dem Dach der GRAWE gibt es diese verschiedenen Marken. Wie erklärt sich die Strategie, dass nicht alles unter einem Namen geführt wird?

Jauk:Wir haben uns entschieden, nicht nur organisch zu wachsen, für uns war immer auch die Akquisition von Banken ein strategisches Instrumentarium. Und wenn man sich die österreichische Bankenwelt ansieht, wurde in den vergangenen zehn Jahren rund ein Drittel der Filialen zugesperrt, ähnlich groß war der Abbau von Mitarbeitern. Unser Weg war ein ganz anderer, sozusagen die Antithese, weil wir immer an das Kundenpotenzial geglaubt und eine Vorwärtsstrategie verfolgt haben. Das spürt man in der Unternehmenskultur.

Wir sind in der Zwischenzeit auch zum beliebtesten Arbeitgeber des Burgenlandes gewählt worden. Deshalb war uns schon bei der Übernahme die Mehrmarkenstrategie klar, denn jede Bank hat ihre eigene DNA. Und im Gegensatz zu anderen wollen wir die Individualität in der Kundenberatung nicht nur aufrechterhalten, sondern weiter ausbauen.

Diese Marke ist scheinbar so stark, dass man in Kärnten eine Bank kauft und diese nicht Bank Kärnten, sondern ebenfalls Bank Burgenland nennt …

Berthold Troiß: Wir wissen aus Marktbefragungen, dass die Bank Burgenland eine enorm starke Marke ist. Darauf kann man auch in Kärnten aufbauen. Man muss zwar dazusagen, dass der Name „Bank Kärnten“ aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen wäre, aber die Kolleginnen und Kollegen haben die Bank Burgenland bereits gekannt, und es gab eine große Vertrauensbasis.

Jauk & Troiß: „Der Name Bank Burgenland bedeutet auch Verantwortung“

© Wolfgang Millendorfer

Gibt es aus Ihrer Sicht eigentlich den typischen burgenländischen Sparer?

Troiß: Allgemein kann man sagen, dass sich in Österreich in den vergangenen zwei Jahren eine hohe Sparquote entwickelt hat. Davon profitieren wir, insbesondere weil wir immer auf das Sparbuch gesetzt haben. Das ist für unsere Kundinnen und Kunden sehr wichtig, weil es auch einen kulturellen Wert hat. Das zeigt sich vor allem im Burgenland und in Kärnten, ein deutlicher Unterschied zu Ballungszentren.

Jauk: Ich glaube, dass die Burgenländerinnen und Burgenländer, was Verlässlichkeit, Stabilität oder Treue betrifft, Eigenschaften mitbringen, die hervorragend zu denen unserer Unternehmensgruppe passen. Wir haben auch deshalb weiter ausgebaut und in den Standort Eisenstadt einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Hier werden Dienstleistungen für die gesamte Bankengruppe abgewickelt.

Die Digitalisierung spielt dennoch auch im Bankbereich eine große Rolle. Wie sieht hier Ihr zukünftiger Kunde aus?

Troiß: Neben unserer Digitalmarke, deren Zahlungsverkehr ebenfalls in Eisenstadt abgewickelt wird, ist die Bank Burgenland jene Bank, die sich für die wichtigen Lebensentscheidungen positioniert: die Finanzierung der ersten Wohnung, eines Hauses oder die Pensionsvorsorge, gerade in der wichtigen Kundengruppe zwischen 25 und 40 Jahren. Die beste Beratung ist unser Anspruch, das sehe ich ähnlich, wie etwa in Gesundheitsfragen: Da verlässt man sich auch nicht allein aufs Internet, sondern man geht zum Arzt.

Jauk: Intern nennen wir es das „Konzept Mensch“. Bankgeschäfte basieren stark auf Vertrauen, und die beste persönliche Betreuung bekomme ich, wo mich jemand schon lange kennt. Der Online-Bereich wird mit unserer Dadat-Bank bestens abgedeckt. Aber die umfassenden Themen bedürfen schon auch einer Begegnung zwischen Menschen.

Zum Stichwort Sparen: Wann gibt es wieder höhere Sparzinsen und weniger Zinsen auf den Kredit?

Jauk: Nach einer langen Phase niedriger Zinsen, die die Kreditaufnahmen begünstigten, folgte eine hohe Inflation, die von den Notenbanken mit einem starken Zinsanstieg bekämpft wurde. Kreditnehmer litten unter deutlich höheren Finanzierungskosten, gleichzeitig profitierten Sparer. Durch den Wirtschaftsabschwung in Europa und Österreich kam es in letzter Zeit jedoch wieder zu Zinssatzsenkungen, weil sich auch die Inflation absenkte. Mit Blick auf die geopolitischen Ereignisse rechne ich mit einem Zinsniveau, das sich mittelfristig auf dem aktuellen Niveau einpendelt. Um Risiko zu reduzieren, empfehlen wir für Private gerne Fixzinskredite und für Veranlager bieten wir attraktive Zinsprodukte wie beispielsweise unsere Wohnbauanleihen.

Troiß: Beim Hausbau ist auch anzumerken, dass nun einige Einschränkungen wegfallen – wie etwa die KIM-Verordnung. Dann springt der Markt wieder an, das bemerkt man schon jetzt.

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© Wolfgang Millendorfer

Wenn wir noch einmal ins Burgenland blicken: Früher war die Bank Burgenland umgangssprachlich „die Bank des Landeshauptmannes“. Wie gestaltet sich die Verbindung zur Politik heute?

Troiß: Wenn man den Namen Bank Burgenland trägt, dann bringt das schon auch Erwartungshaltungen und Verantwortung mit sich. Es gibt langjährige, vertrauensvolle Beziehungen, aber wir sind ein privatwirtschaftlicher Akteur, der nach diesen Kriterien beurteilt. Es gibt eine freundschaftlich-positive Zusammenarbeit mit dem Land als Hausbank.

Jauk: Wir pflegen intensive, professionelle Kontakte. Die enge Verbindung zwischen der Bank Burgenland und dem Land ist uns wichtig. Ich habe auch regelmäßigen Austausch mit dem Landeshauptmann, und wir können über das Tagesgeschäft hinaus Visionen und Ideen diskutieren. Das ist befruchtend positiv, und wir tragen auch diese Verantwortung, dass die Bank früher im Landesbesitz war.

Sie sind als Sturm Graz-Präsident im Vergleich zu Ihrer Funktion als GRAWE-Bankenchef medial viel stärker präsent. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Jauk:Wir werden als Bankengruppe weniger wahrgenommen, sondern immer jeweils als Einzelinstitut. Wir sind daher vielleicht auch unterschätzt, aber das ist bewusst so gewählt, denn wir wollen den Vorteil von kleineren, schnellen und professionellen Einheiten nicht verlieren. Das Präsidenten-Amt bei Sturm Graz ist ein unentgeltliches Ehrenamt. Als mein Herzensverein einmal ein finanzielles Problem hatte, durfte ich an die Spitze der Sanierung treten. Und wenn man so will, bin ich davon nicht mehr weggekommen. So wie ich meine GRAWE-Bankengruppe-Familie habe, gibt es auch die Sturm-Familie. Das sind zwei unterschiedliche Welten, aber ich nehme aus beiden etwas mit. Die Breite des Lebens ist ein schönes Geschenk.

Und wie gestaltet sich ein Meeting mit dem Vorstandsvorsitzenden am Montag, wenn Sturm Graz am Wochenende verloren hat?

Troiß(lacht): Wir sind ja immer streng professionell unterwegs …

Jauk: Du bist sehr charmant und diplomatisch. Aber ich gebe ehrlich zu, dann bin ich grantig. Und es hat niemand ein Problem damit, wenn wir vielleicht einmal ein Meeting um einen Tag verschieben (lacht).

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© Wolfgang Millendorfer