Innovation aus Horitschon hilft Betroffenen

Cranii – The Head Concept

Aus einer Versorgungslücke heraus entwickelten Christiane Hofer-Marbet und Katharina Koller-Hofer ein Therapiekonzept gegen Kieferschmerzen, Tinnitus, Schwindel und andere Beschwerden im Kopf- und Gesichtsbereich.

Von Isabella Kuzmits

Innovation aus Horitschon hilft Betroffenen

© CRANii - The Head Concept

BVZ: Was war der konkrete Moment, der Sie dazu gebracht hat, CRANii zu entwickeln?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Der konkrete Auslöser war die stetig steigende Nachfrage an Kieferphysiotherapie bei CMD - Patient:innen in unserer Praxis. Wir konnten beobachten, dass immer mehr Menschen mit Beschwerden wie Kieferschmerzen, Zähneknirschen, Kieferknacken, Kiefersperre um. Unterstützung suchten – gleichzeitig gab es zu wenige Therapeutinnen und Therapeuten, die diesen komplexen Bereich fachgerecht behandeln konnten. Aus dieser Versorgungslücke entstand die Idee, Wissen, Therapieansätze und moderne Technologien in einem interdisziplinären Konzept zu verbinden. Mit CRANii möchten wir diese Expertise zugänglich machen und sowohl Betroffenen als auch Fachpersonen eine strukturierte Möglichkeit bieten, Beschwerden rund um Kopf, Gesicht und Kiefer besser zu verstehen und gezielt zu behandeln.

BVZ: Was genau umfasst die CRANii-Therapie?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: CRANii „The Head Concept“ ist ein interdisziplinäres Therapiekonzept, das Erkenntnisse aus der Physiotherapie, Logopädie und der Kieferorthopädie miteinander verbindet. Im Fokus stehen funktionelle Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich sowie deren komplexe muskuläre und myofasziale Zusammenhänge. Die Therapie umfasst eine strukturierte Befundung sowie individuell abgestimmte Behandlungs- und Übungsprogramme. Dabei kommen evidenzbasierte manuelle Techniken, myofasziale Behandlungsmethoden und funktionelle Übungen für Kopf-, Gesichts- und Kiefermuskulatur zum Einsatz. Ergänzt wird die Therapie durch die CRANii App, die Patientinnen und Patienten mit angeleiteten Übungen und digitalen Therapieinhalten unterstützt. Gleichzeitig dient sie Fachpersonen als strukturierte Unterstützung, Dokumentation und Therapiebegleitung.

Innovation aus Horitschon hilft Betroffenen

© CRANii - The Head Concept

BVZ: Wie lange gibt es das Angebot bereits?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Die Spezialisierung auf Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich besteht in unserem Physioinstitut bereits seit über zehn Jahren. In dieser Zeit konnten wir umfassende Erfahrung in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) und weiteren funktionellen Beschwerden sammeln. Auf Basis dieser langjährigen Praxiserfahrung wurde CRANii im Jahr 2024 gegründet. Im Juni 2026 folgte mit dem Launch der CRANii App der nächste Entwicklungsschritt, um das interdisziplinäre Therapiekonzept auch digital verfügbar zu machen und Fachpersonen sowie Patientinnen und Patienten noch gezielter zu unterstützen.

BVZ: Welche Beschwerden sehen Sie aktuell am häufigsten bei Ihren Patient:innen?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Am häufigsten behandeln wir Patientinnen und Patienten mit Kieferbeschwerden (CMD), Kopf- und Gesichtsschmerzen, Migräne, Spannungskopfschmerzen sowie Nackenverspannungen. Zunehmend sehen wir auch Menschen mit Tinnitus, Schwindel, Gesichtsschmerzen, Zähneknirschen und Kieferknacken. Viele dieser Beschwerden stehen in engem Zusammenhang mit einer gestörten Funktion der Kopf-, Gesichts- und Kiefermuskulatur sowie deren myofaszialen Strukturen. Durch die enge Zusammenarbeit von Physiotherapie, Logopädie und kieferorthopädischem Fachwissen können diese Zusammenhänge gezielt erkannt und behandelt werden.

BVZ: Sie haben eigene Tools für Kopf, Kiefer und Nacken entwickelt – was können diese besonders gut?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Unsere CRANii Faszientools wurden speziell für die Anatomie von Kopf, Gesicht, Kiefer und Nacken entwickelt. Im Unterschied zu herkömmlichen Massage- oder Faszien-Tools ermöglichen sie eine besonders präzise Behandlung kleiner Muskelgruppen, Faszien und Triggerpunkte in diesen sensiblen Körperregionen und können selbst intraoral angewendet werden. Sie unterstützen Therapeutinnen und Therapeuten bei der manuellen Behandlung und helfen Patientinnen und Patienten, empfohlene Techniken auch zu Hause sicher und einfach anzuwenden. In Kombination mit der CRANii App entsteht so ein strukturiertes Therapiekonzept, das die Behandlung in der Praxis sinnvoll ergänzt und das Selbstmanagement der Patientinnen und

BVZ: Welche Rolle spielt Ihre App im Behandlungskonzept und wie stellen Sie sicher, dass Patient:innen korrekt und wirksam damit arbeiten?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Die CRANii App ist ein digitaler Bestandteil unseres interdisziplinären Therapiekonzepts und dient als strukturierte Unterstützung für die Umsetzung therapeutischer Übungen im Alltag. Sie ermöglicht es Patientinnen und Patienten, individuell ausgewählte Übungen zwischen den Therapieeinheiten nachvollziehbar und kontrolliert durchzuführen. Die Sicherheit und Qualität der Anwendung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Inhalte der App wurden auf Basis der langjährigen klinischen Erfahrung aus der Behandlung von Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich entwickelt und unter Einbindung von Fachwissen aus Physiotherapie, Logopädie und kieferorthopädischen Fachbereichen erstellt. Die Übungen werden fachlich geprüft, strukturiert aufbereitet und durch Videoanleitungen unterstützt, um eine möglichst korrekte Durchführung zu ermöglichen. Bei der Entwicklung wird darauf geachtet, dass die Inhalte auf aktuellen therapeutischen Erkenntnissen und verfügbaren wissenschaftlichen Grundlagen basieren. Zudem werden die Übungen hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit und Patientensicherheit evaluiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Wichtig ist: Die CRANii App ersetzt keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapie durch medizinische Fachpersonen. Sie dient als ergänzendes digitales Werkzeug, um therapeutische Maßnahmen sicherer, verständlicher und kontinuierlicher in den Alltag zu integrieren.

BVZ: Wo liegt die Grenze zwischen dem, was Menschen selbst tun können, und dem Punkt, an dem professionelle Hilfe notwendig ist?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Viele funktionelle Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich können durch gezielte Übungen, Wahrnehmungsschulung und die richtige Anleitung positiv unterstützt werden. Genau hier setzt die CRANii App an: Sie bietet sichere, strukturierte Übungen zur Ergänzung und Begleitung eines therapeutischen Prozesses. Die Grenze liegt dort, wo Beschwerden unklar sind, neu auftreten, sich verstärken oder eine individuelle Befundung erforderlich ist. Besonders bei anhaltenden Schmerzen, deutlichen Bewegungseinschränkungen, ausgeprägten Kieferproblemen, neurologischen Symptomen oder Beschwerden mit unklarer Ursache sollte eine Abklärung durch medizinische oder therapeutische Fachpersonen erfolgen. Eine professionelle Befundung ist entscheidend, weil Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich unterschiedliche Ursachen haben können. Erst durch eine gezielte Analyse kann beurteilt werden, welche Maßnahmen sinnvoll und sicher sind. Die CRANii App ersetzt daher keine fachliche Untersuchung, sondern unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, aktiv am eigenen Therapieprozess mitzuwirken.

Innovation aus Horitschon hilft Betroffenen

© CRANii - The Head Concept

BVZ: Warum ist es Ihnen wichtig, Ihr Wissen auch an andere Therapeut:innen weiterzugeben?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Weil der Bedarf deutlich größer ist als das Angebot. Immer mehr Menschen leiden unter funktionellen Beschwerden im Kopf-, Gesichts- und Kieferbereich, gleichzeitig gibt es noch zu wenige Fachpersonen mit einer spezifischen Ausbildung auf diesem Gebiet. Unser Ziel ist es daher, evidenzbasiertes und interdisziplinäres Wissen weiterzugeben und damit die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern. Je mehr Therapeutinnen und Therapeuten über fundiertes Fachwissen verfügen, desto mehr Patientinnen und Patienten können wohnortnah und qualifiziert betreut werden. Mit unseren Weiterbildungen möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dieses spezialisierte Fachgebiet weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen zu fördern.

BVZ: Welche drei einfachen Maßnahmen würden Sie Menschen empfehlen, die täglich viele Stunden vor dem Bildschirm verbringen?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Den Arbeitsplatz ergonomisch einrichten: Platzieren Sie den Bildschirm auf Augenhöhe, damit der Kopf in einer möglichst neutralen Position bleibt. Tastatur und Maus sollten so nah wie möglich am Körper liegen, sodass Schultern und Arme entspannt bleiben und unnötige Belastungen vermieden werden. Regelmäßig bewegen und den Kiefer entspannen: Vermeiden Sie langes Sitzen in derselben Haltung und legen Sie alle 30 bis 60 Minuten kurze Bewegungspausen ein. Kontrollieren Sie dabei auch bewusst Ihren Kiefer: In Ruhe sollten sich die Zähne nicht berühren, die Lippen dürfen geschlossen sein und die Zunge liegt locker am Gaumen. Augen, Kopf und Nacken entlasten: Blicken Sie regelmäßig in die Ferne, bewegen Sie die Augen bewusst in verschiedene Richtungen und mobilisieren Sie Kopf und Halswirbelsäule mit sanften Bewegungen. Das hilft, einseitige Belastungen durch die Bildschirmarbeit zu reduzieren und kann Verspannungen vorbeugen.

BVZ: Ist CRANii derzeit ausschließlich in Horitschon vertreten oder gibt es weitere Standorte?

Hofer-Marbet & Koller-Hofer: Unser Kompetenzzentrum befindet sich in Horitschon. Das CRANii Konzept ist jedoch bereits heute weit über den Standort hinaus vertreten: Durch unsere Weiterbildungen arbeiten bereits CRANii Therapeut:innen in Österreich und Deutschland nach unserem Konzept. Darüber hinaus wird die CRANii App bereits in unterschiedlichen Einrichtungen eingesetzt und in den Praxisalltag integriert – darunter Rehabilitationskliniken, Zahnarztpraxen, HNO-Praxen sowie Physiotherapie- und Logopädie - Instituten.

Kurzbio der Gründerinnen Christiane Hofer-Marbet & Katharina Koller-Hofer

Christiane Hofer-Marbet und Katharina Koller-Hofer sind Physiotherapeutinnen mit Spezialisierungen in den Bereichen Sportphysiotherapie, Kiefergelenkstherapie, Osteopathie und Elektrotherapie. Durch ihre langjährige therapeutische Arbeit und die intensive Beschäftigung mit funktionellen Zusammenhängen im Kieferbereich entstand die Grundlage für die Entwicklung von CRANii®.

Christiane Hofer-Marbet vertiefte ihre fachlichen Erfahrungen zusätzlich durch internationale Praktika in China, Bolivien und Indonesien und erweiterte dadurch ihren Blick auf unterschiedliche medizinische und therapeutische Ansätze.

Katharina Koller - Hofer sammelte neben ihrer physiotherapeutischen Tätigkeit wertvolle klinische Erfahrung auf der Intensivstation für Brandverletzte am AKH, wodurch sie insbesondere Einblicke in komplexe medizinische Versorgungsprozesse und interdisziplinäre Zusammenarbeit gewinnen konnte.

Gemeinsam entwickelten sie CRANii® mit einem interdisziplinären Expertenteam aus Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Physiotherapie, Logopädie und weiteren Fachbereichen.

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