Immer mehr Unfälle bei Senioren - vor allem im Haushalt

Darüber spricht das Land

Die Zahl der tödlichen Senioren-Unfälle ist im Burgenland seit 2014 um mehr als ein Fünftel gestiegen.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die Zahl der tödlichen Seniorenunfälle im Burgenland nimmt zu.

Die Zahl der tödlichen Seniorenunfälle im Burgenland nimmt zu.

© Grafik: BVZ

81 Burgenländerinnen und Burgenländer ab 65 Jahren sind im Vorjahr nach einem Unfall - oft in der eigenen Wohnung - verstorben. 2014 wurden 67 tödlich verunglückte ältere Menschen gezählt, noch weniger waren es in den Jahren 2016 (50) und 2017 (48).

Innerhalb von zehn Jahren nahm die Zahl der nach Unfällen verstorbenen Senioren im Burgenland somit um 21 Prozent zu. Österreichweit lag dieser Anstieg sogar bei 35 Prozent.

Mit dem Alter steigt die Unfallswahrscheinlichkeit

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) warnt: „Die größte Gefahr für die ältere Generation sind Haushaltsunfälle.“

Im Alter steigt das Risiko für tödliche Unfälle exponentiell an: Bei den 60- bis 64-Jährigen ereigneten sich 2023 statistisch betrachtet 24 tödliche Unfälle je 100.000 Personen gleicher Altersgruppe, bei den 65- bis 69-Jährigen waren es 29 Unfalltote und bei den 75- bis 79-Jährigen bereits 79 tödlich Verunglückte je 100.000 Personen in dieser Altersgruppe.

Nur wenige Jahre nach dem Erreichen des Regelpensionsalters steigt das Risiko für tödliche Unfälle also sehr rasch auf rund das Dreifache. Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV).

Dabei lauern die größten Gefahren für die Generation „65 plus“ nicht im Straßenverkehr oder beim Sport, sondern im Haushalt. 40 Prozent jener 60- bis 64-Jährigen, die wegen eines Unfalls ambulant oder stationär im Spital behandelt werden müssen, haben einen Haushaltsunfall erlitten. Bei den 75- bis 79-Jährigen seien sogar 62 Prozent aller unfallbedingten Spitalsbehandlungen auf Haushaltsunfälle zurückzuführen, heißt es seitens des KFV.

Und so lautet der dringende Appell aller Experten, die Wohnung altersgerecht zu gestalten und Gefahrenquellen zu beseitigen.

Immer mehr Unfälle bei Senioren - vor allem im Haushalt

© BilderBox, Erwin Wodicka - BilderBox.com

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Derer gibt es einige, wie Karin Csencsits, Regionalleiterin der mobilen Hauskrankenpflege der Volkshilfe im Südburgenland, zu berichten weiß: „An erster Stelle liegt die Sturzgefahr“, warnt sie. Stolperfallen wie Teppiche, lose herumliegende Kabel, unebene Böden und Treppen führen immer wieder zu Stürzen.

Das Badezimmer als Unfall-Hotspot

„Ein Risiko stellt das Badezimmer dar – hier besteht Rutschgefahr und es kann zu Verletzungen kommen“, berichtet Karin Csencsits weiter. Erleidet eine betagte Person gar eine Oberschenkelfraktur, könne dies in weiterer Folge, wenn im Rahmen einer Operation Komplikationen auftreten, auch zum Tod führen, informiert die Volkshilfe-Mitarbeiterin.

Weitere Gefahren bestehen durch Vergiftung - etwa, wenn ein Medikament falsch eingenommen, verwechselt oder überdosiert wird - oder durch Verbrennungen und Verbrühungen, wenn mit offenem Feuer oder heißem Wasser hantiert wird. Rauchern droht Feuergefahr, wenn sie beispielsweise im Bett Zigaretten konsumieren.

Schon im Rahmen eines individuellen Erstgesprächs zu Beginn der mobilen Hauskrankenpflege werden auch die Betreuuenden vor Ort auf Gefahrenquellen hingewiesen.

Wichtig ist ein regelmäßiger Besuch bei den zu Betreuenden. Es ist auch hilfreich, wenn zusätzlich eine Bezugsperson der zu betreuenden Person anwesend ist. Karin Csencsits, Regionalleiterin der mobilen Hauskrankenpflege der Volkshilfe im Südburgenland.

Auch die Pensionsversicherung führt Beratungsgespräche durch, dann nämlich, wenn eine ältere Person Pflegegeld beantragt. Helmut Schuster, Landessekretär des Pensionistenverbandes Burgenland, war dabei, als seine Mutter beraten wurde. „Wir haben dann alle Teppiche entfernt, weil diese zu einer Stolperfalle werden können“, berichtet er.

Seine Mutter sei eine Zeitlang häufig gestürzt, das sei aber nicht nur den Teppichen geschuldet gewesen, sondern auch einem nicht erkannten Grauen Star. „Seit sie an den Augen operiert ist, sind die Stürze passé“, empfiehlt Schuster rechtzeitige Kontrollen beim Augenarzt.

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Beim burgenländischen Seniorenbund ist sich Präsident Rudolf Strommer ebenfalls der Problematik der Senioren-Unfälle bewusst: „Wir machen das zum Thema und bieten bei unseren Bezirkskonferenzen, zu denen alle Seniorenbund-Mitglieder eingeladen werden, auch Informationen zur Unfallverhütung an.“

Die Wohnung möglichst sicher zu machen, ist bisweilen mit einem großen Aufwand und sogar Umbauarbeiten verbunden. „Da bedarf es einer Planung, es müssen Kostenvoranschläge und Informationen über Förderungen eingeholt werden“, berichtet Karin Csencsits aus Erfahrung.

Sinnvoll wäre es, wenn es in den Gemeinden Community Nurses gäbe, meint sie. Diese könnte über Präventionsangebote und Sicherheitsmaßnahmen informieren und mit anderen Berufsgruppen vernietzen, wo es erforderlich ist.

Stimmen und Sprüche

Karin Csencsits, Bereichsleiterin Süd, Hauskrankenpflege Volkshilfe: „Durch die Kombination von verschiedenen Maßnahmen, die den Bedürfnissen der zu betreuenden Person angepasst werden, ist ein sicheres Leben im gewohnten Wohnungsumfeld möglich. Wir empfehlen das Entfernen von Stolperfallen, die Verwendung von rutschsicheren Matten im Badezimmer, die Montage von Haltegriffen wie auch von Thermostaten, um die Wassertemperatur zu regulieren. Auch Rauchmelder sollten installiert werden.“

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Rudolf Strommer, Präsident des burgenländischen Seniorenbundes: „Die Gefahr, bei einem Haushaltsunfall zu verunglücken, ist bei älteren Menschen doppelt so hoch wie im Straßenverkehr. Im Haushalt passieren die meisten Unfälle durch Sturz, gefolgt von Schnittverletzungen, Verbrennungen, Stromschlägen und Vergifgungen. Eine weitere Gefahrenquelle sind die seit der Pandemie sehr beliebten E-Bikes: Viele unterschätzen das Gewicht und die Geschwindigkeit.“

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Helmut Schuster, Landessekretär des Pensionistenverbandes:„Man kann definitiv gar nicht genug an Aufklärung betreiben! Die zunehmende Unfallgefahr kommt schleichend, da reicht es schon, wenn die Sehleistung abnimmt und schon wird der gewohnte Teppich zur Stolperfalle. Bei unseren Clubnachmittagen sind wir darauf bedacht, für das Thema Sicherheit zu sensibilisieren. Experten von AUVA und KFV werden eingeladen, darüber zu berichten.“

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