Während das neue Gesetz zu Integrations-Pflichten vorbereitet wird, zeigen die Zahlen: Burgenland hat im Österreich-Vergleich den geringsten Zuzug: Der Anteil von Menschen mit ausländischem Geburtsort, wie es statistisch heißt, liegt bei 13,9 Prozent.
Nässe & Dürre: Die Ernte leidet vor allem im Sommer
Darüber spricht das Land
Geringere Ernte und Qualität beim Getreide im Burgenland zeigen sich bereits jetzt: Die Wetterextreme setzen der Landwirtschaft auch diesen Sommer zu. In Zukunft müsse man auf „klimafittere Sorten“ setzen, wurde bei einer ersten Bilanz in Aussicht gestellt.
Erste Erntebilanz (v.l.): Martin Pinczker vom gleichnamigen Bioprodukte-Handel, Pannatura-Prokurist Markus Fritz, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, Mario Winkler von der Österreichischen Hagelversicherung und Hannes Mosonyi vom Landesgremium Agrarhandel.
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Die Getreideernte ist eingefahren, die Bilanz fällt durchwachsen aus: Der nasse Herbst 2023, das wärmste Frühjahr in der Messgeschichte und die intensiven Niederschläge im Mai und Juni wirkten sich auf Erntemengen und Proteingehalt aus. Statt 295.000 Tonnen wie im Vorjahr liegt die Ernteerwartung im Burgenland für heuer nur bei 265.000 Tonnen.
„Angebaut wurde im Herbst bei nasser Witterung, dann folgte ein nasses Frühjahr“, berichtete Hannes Mosonyi, Obmann des burgenländischen Agrarhandels, am 16. Juli bei der Präsentation der Erntebilanz 2024 im Bio-Landgut Esterhazy in Donnerskirchen. Diese extremen Verhältnisse taten den Weizenpflanzen nicht gut. „Die Blätter waren feucht, es entwickelten sich oft Infektionen, Pflanzen erkrankten“, so Mosonyi. Die Folge ist eine schwankende Getreidequalität: „Die Proteinwerte sind für das Burgenland untypisch niedrig“, sagte der Obmann des Agrarhandels.
Die Getreideerträge gingen auch zurück, weil die Getreidefläche schrumpfte - im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent. „So wenig Weizenanbaufläche wie heuer gab es zuletzt vor 30 Jahren“, gab Nikolaus Berlakovich, Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, in einer Aussendung zur Erntebilanz bekannt.
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„Man wird in Zukunft auf klimafittere, resistentere Sorten setzen müssen“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf bei der Erntebilanz im Bio-Landgut Esterhazy. Aufgrund der praktizierten Kreislaufwirtschaft, der artgerechten Tierhaltung und der Nachfrage durch die Konsumenten könne die Bio-Landwirtschaft besser auf die Herausforderungen reagieren.
Beim Bioanbau ist das Burgenland führend, wie Bio-Produzent Martin Pinczker berichtete: „38 Prozent der Ackerfläche im Burgenland werden biologisch bewirtschaftet, nimmt man Weinbau und Weideflächen dazu, sind es mehr als 40 Prozent.“ Für das restliche Österreich liegt der Bio-Anteil bei 27 Prozent, außerhalb Österreichs erreiche kein Land diese Werte: „Wir sind wirklich Spitzenreiter“, freute sich Pinczker.
Aber auch für die Bio-Landwirtschaft gilt: „Man lebt von einem Extrem zum anderen und das spiegelt sich dann im Silo wider“, so Pinczker. Der Konsument „bekommt davon aber nichts mit“. Es sei Aufgabe des Agrarhandels, Mengen und Qualität verfügbar zu halten. „Mit einer Semmel um 15 Cent ist dieser Aufwand nicht abgegolten“, warnte der Bio-Produzent.
Hitze und Dürre als Herausforderung
„Der Juni 2024 war der zwölfte Monat in Folge, in dem die Temperatur 1,5 Grad über dem Durchschnitt lag“, berichtete Mario Winkler von der Österreichischen Hagelversicherung. Am 7. April wurde der früheste Hitzetag in der Messgeschichte verzeichnet, in Eisenstadt zählte man 29 Hitzetage anstatt zwölf wie in den 1980er- und 1990er-Jahren, so Winkler.

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4,5 Millionen Euro musste die Hagelversicherung heuer bereits im Burgenland auszahlen, davon 1,5 Millionen Euro für Frostschäden, die Ende April und Anfang Mai entstanden waren. Hagel, Sturm und Überschwemmungen verursachten weitere Schäden, die mit drei Millionen Euro abgegolten wurden. „Die Hagelschäden haben sich verdreifacht, die Schäden durch Überschwemmungen verdoppelt“, schilderte Winkler die dramatische Lage.
„Momentan haben wir ein Problem mit der Trockenheit“, sagte Hannes Mosonyi. Mais und ein Großteil der anderen Herbstkulturen leiden unter Wassermangel und Hitze. „Die Jahresmenge ist beim Niederschlag zwar ungefähr gleich, jetzt ist es aber nur mehr trocken und heiß“, so Mosonyi.
Künstliche Bewässerung koste viel Geld und Energieeinsatz und rechne sich nur bei Kulturen, die einen höheren Deckungsbeitrag erwirtschaften. Bewässerungs-Hotspot ist daher aufgrund der Sonderkulturen wie zum Beispiel Gemüse der Seewinkel.
Stimmen zur Ernte-Situation

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Nikolaus Berlakovich, Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland:„Im Jahr 2023 gab es im Burgenland 15 bis 30 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Auf einen warmen, durchschnittlich feuchten Winter folgte heuer das wärmste Frühjahr der Messgeschichte. Ein trockener Vegetationsbeginn verzögerte eine zügige Frühjahrsentwicklung, das Sommergetreide litt anfangs unter den warmen Frühjahresbedingungen. Die intensiven Niederschläge im Mai und Juni waren wichtig für die Kulturen, wurden aber auch rasch zu viel, was sich vor allem bei den Qualitäten zeigte.“

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Mario Winkler, Österreichische Hagelversicherung: „Die Daten zeigen: Der Klimawandel ist spürbar in Österreich angekommen und die Konsequenzen sind verheerend. In der Atmosphäre befindet sich mehr Wasserdampf, das führt zu extremen Wetterereignissen. Binnen Sekunden kann - z. B. durch Hagel - der gesamte Ertrag vernichtet werden und das bedeutet: kein Einkommen.“

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Markus Fritz, Prokurist Pannatura:„Bis 15. Juni 2024 hatten wir um 39% mehr Niederschlag als im Durchschnitt. Es war feucht und warm, das beeinflusste die Pflanzenbestände: Pilzkrankheiten schädigten die Pflanzen. Die Äcker standen großflächig unter Wasser, das erschwerte die Bewirtschaftung.“