See und Badeteiche in der Krise

Darüber spricht das Land

Der Neusiedler See steuert auf den historischen Tiefststand von 2022 zu, drei Badeteiche wurden wegen Hygienemängeln gesperrt. Der Dürre-Sommer bringt Wasserflächen ans Limit.

Von Elisabeth Kirchmeir

Wie hier in St. Margarethen ist das Baden auch noch im Badeteich Lutzmannsburg verboten. In Markt St. Martin wurde der Badeteich bereits wieder für die Benützung freigegeben.

Wie hier in St. Margarethen ist das Baden auch noch im Badeteich Lutzmannsburg verboten. In Markt St. Martin wurde der Badeteich bereits wieder für die Benützung freigegeben.

© BVZ/Kirchmeir

Nach den Badeteichen in St. Margarethen und Markt St. Martin (hier erfolgte die Freigabe zwischenzeitlich schon wieder) wurde am 18. August 2026 auch der Badeteich Lutzmannsburgbehördlich für den Badebetrieb gesperrt. Schuld ist die hohe Konzentration an Cyanobakterien, umgangssprachlich Blaualgen. Die Wasserqualität des Badeteichs entspricht nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen, die Bezirkshauptmannschaft verhängte ein Badeverbot, um die Gesundheit der Badegäste zu schützen.

Wie die AGES informiert, können Cyanobakterien Gifte bilden, die für Hunde tödlich sein können. Bei Menschen, die größere Mengen verunreinigtes Wasser schlucken, können Übelkeit, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge, Kollaps oder Lähmungserscheinungen auftreten.

Hitze setzt der Wasserqualität zu

Die erhöhte Bakterienbelastung in Lutzmannsburg sei, lässt das Landesmedienservice wissen, auf die aktuelle Hitze, die hohen Wassertemperaturen und den hohen Nährstoffgehalt im Teich zurückzuführen. Bereits im Juli wurden Badeverbote für die Badeteiche in Markt St. Martin und St. Margarethen verhängt. In beiden Teichen wurden zu hohe Konzentrationen von E. coli-Bakterien gemessen.

Für jene 20 burgenländischen Badestellen, die in der AGES Badegewässer-Datenbank erfasst sind, wurde mit Stichtag 18. August 2026 eine ausgezeichnete Wasserqualität ausgewiesen. Die aktuellen Messungen sind in einer App abrufbar. Die von den Badeverboten betroffenen Teiche werden in der App nicht ausgewiesen.

Die Wasserqualität im Neusiedler See ist laut AGES zwar gut, der Wasserpegel steuert aber nach 2022 nun neuerlich auf Tiefststände zu. Am Dienstag dieser Woche wurde ein mittlerer Wasserstand von 115,02 Metern über der Adria gemessen. Am 21. Oktober 2022 war der Neusiedler See mit 114,87 Metern über der Adria am seichtesten seit 1965, am 18. August 2022 lag der Tiefstand bei 114,94 Metern über der Adria, also um acht Zentimeter tiefer als aktuell.

Neusiedler See: 26 cm weniger als 2025

Im Vergleich zum Vorjahr fehlen dem Neusiedler See bereits 26 Zentimeter Wasserhöhe. Um diese Differenz wettzumachen, müsste es richtig viel regnen. „Die Aufspiegelung liegt beim Neusiedler See etwa in der gleichen Größenordnung wie die Niederschlagshöhe“, erklärt Christian Sailer, Leiter des Hauptreferats Wasserwirtschaft im Burgenland.

„100 Millimeter Niederschlag entsprechen etwa einer Aufspiegelung von 100 mm im Neusiedler See, also 10 Zentimetern“, informiert der Experte. Zu rund 76% sei der Wasserstand des Neusiedler Sees vom Niederschlag, zu rund 22% vom oberirdischen Zufluss abhängig. Rund 2% kommen, so Christian Sailer, von unterirdischen Zuflüssen.

„Damit ist der Seewasserstand von den Niederschlagsereignissen abhängig“, sagt er. Leider sind die Niederschlagsereignisse schwer beeinflussbar.

Schilfgürtel droht abgetrennt zu werden

Der niedrige Wasserstand des Neusiedler Sees wirkt sich auch auf den Schilfgürtel, Habitat vieler Tiere, aus. „Bei niedrigen Wasserständen kommt es zu einer Abtrennung zwischen Schilfgürtel und freier Wasserfläche“, erklärt Christian Sailer. „Bereiche des Schilfgürtels fallen trocken und das Aufkommen von anderen Pflanzen als Schilf ist begünstigt. Neophyten halten verstärkt Einzug in trockengefallene Bereiche.“

Um dem entgegenzuwirken, sei ein Management des Schilfgürtels und des Neusiedler Sees erforderlich, um das einzigartige Feuchtgebiet in gutem Zustand zu erhalten.

Im Nationalpark Neusiedler See beobachtet man mit Sorge das Austrocknen der Sodalacken, ein natürlicher Prozess, der heuer aber relativ früh eingesetzt hat. Besorgniserregend sei die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel an einem Rekordtiefstwert angelegt ist.

See und Badeteiche in der Krise

© Klaus Zwinger

Befürchtet wird die Trennung des Grundwassers vom salzführenden Horizont. „Wenn das passiert, führt das zum Aussüßen der Sodalacken und das für Wat- und Wasservögel typische Nahrungsangebot verschwindet“, informiert Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner. Laut WWF drohe ein Verlust des Lebensraumes für Zugvögel im Seewinkel. Dies könnte wiederum zu einem Zusammenbruch des Naturtourismus führen: Birdwatcher, die den Nationalpark vor allem im Frühling und Herbst aufsuchen, könnten ausbleiben.

Der Nationalpark setzt aktuell mit der Wasserwirtschaft Burgenland, der Landwirtschaftskammer Burgenland, Bio Austria, der Universität für Bodenkultur sowie dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau ein Projekt zur Wiederherstellung und Verbesserung der Sodalacken im Seewinkel um. Das gemeinsame Ziel lautet: Wasser in der Region zu halten.

Kichererbse und Hirse statt Mais und Soja?

„Die wichtigsten Maßnahmen sind der Rückstau von Niederschlags- und Grundwasser in den vielen Entwässerungsgräben und dadurch die Anhebung des Grundwasserstands sowie die sukzessive Herbeiführung einer Transformation der Landwirtschaft“, sagt der Nationalpark-Direktor. Es gehe darum, den Anbau von bewässerungsintensiven Kulturen wie Mais, Kartoffel und Soja künftig auf trockenresistente Kulturen wie Kichererbse, Hirse, Färberdistel und medizinisch einsetzbare Pflanzen wie die Mariendistel umzustellen.

Außerdem empfiehlt Johannes Ehrenfeldner eine Kontrolle der Grundwasserentnahmen, eine Neubewertung der bewilligten Bewässerungsmengen und eine Bewusstseinsbildung für den Einsatz „unserer wertvollsten und lebenswichtigsten Ressource dieses Planeten: des Wassers“.

Was jetzt notwendig wäre, sind niederschlagsreiche Monate, hofft er auf Regen im Herbst, Winter und Frühling.

Regen lindert Dürre kaum

Die Messwerte alarmieren: Laut GeoSphere Austria liegen die trockensten zwölf Monate in 176 Jahren Messgeschichte hinter uns.

Zu wenig Regen: Die Niederschlagsdefizite sind auf Rekordniveau. Im Osten Österreichs herrscht seit 23. Februar 2026 ein nahezu durchgehendes Niederschlagsdefizit. Die Niederschlagsmenge lag bei nur rund 210 statt der üblichen 405 Millimeter.

Burgenland stark betroffen: Im Burgenland lag das Niederschlagsdefizit bis 12. August bei minus 39%. Denselben Wert erreichte Wien. In Oberösterreich und Niederösterreich war es mit minus 42% bzw. minus 43% noch trockener.

Aktueller Regen minimal: Das Wasserportal Burgenland weist nur vier von 60 Messstellen auf, an denen es innerhalb der letzten 24 Stunden zwischen 5 und 25 Millimeter Regen gab. Bei allen anderen Messstellen lag die Regenmenge bei nur 0 bis 5 Millimetern Niederschlag (Stichtag 18. August, 17 Uhr).

Hitze wie noch nie:Bis 9. August wurden in Ostösterreich 26 Hitzetage mit mindestens 30 Grad registriert. Der bisherige Höchstwert lag bei 22 Hitzetagen und wurde im Jahr 2015 erreicht.