Masken, Polonaise und Partysongs: 72 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen feierten den Maturaball des Neusiedler Gymnasiums in der Arena 7111 in Parndorf.
Wie versiegelt ist das Land? Mit „Soil Walks“ dem Boden auf der Spur
Darüber spricht das Land
Erstmals sind österreichweit einheitliche Zahlen zur Bodenversiegelung verfügbar. Das Burgenland liegt bei Flächeninanspruchnahme und Versiegelung vorne.
„Soil Walk“. Projektleiter Elias Grinzinger von der TU Wien bei einem Rundgang mit einer Teilnehmerin.
© Christoph Kleinsasser, Christoph Kleinsasser
Das Burgenland stellt seiner Bevölkerung reichlich Fläche zur Verfügung, und diese wird großzügig genützt: Pro Einwohnerin und Einwohner werden 1.271 Quadratmeter Fläche in Anspruch genommen – das ist der höchste Bundesländerwert und entspricht fast dem Doppelten des Österreich-Schnitts, der bei 629 Quadratmetern pro Person liegt.
Auch bei der versiegelten Fläche erreicht das Burgenland einen Spitzenwert: Pro Burgenländerin und Burgenländer gelten 582 Quadratmeter als versiegelt. Das ist österreichweit der höchste Wert, der Durchschnitt liegt bei 330 Quadratmetern. Betrachtet man hingegen den Anteil versiegelter Fläche am Dauersiedlungsraum, so liegt das Burgenland mit sieben Prozent unter dem Österreich-Schnitt von 9,1 Prozent, wie man im Büro des zuständigen Landesrates Heinrich Dorner betont.
Die Zahlen sind im Dash-board des Forschungsprojektes „Soil Walks“ (dashboard.soilwalks.at) abzulesen, das detaillierte Einblicke zu Flächenverbrauch und Versiegelung in Österreich gibt. 2022 wurden dazu bundesweit einheitlich Zahlen erhoben und für eine öffentlich zugängige Übersichts-Seite aufbereitet und analysiert.
Das Dashboard ermöglicht die Abfrage von Flächeninanspruchnahme und Versiegelung in allen österreichischen Gemeinden, Bezirken und Bundesländern. Auch können Vergleiche mit strukturähnlichen Gemeinden hergestellt werden.
Das Burgenland als Flächenbundesland stellt viel Raum zur Verfügung, der als Dauersiedlungsraum genutzt werden kann – nämlich 63 Prozent der Gesamtfläche von knapp 400.000 Hektar. Zum Vergleich: Im gebirgigen Tirol sind nur rund 12 Prozent der Gesamtfläche als Dauersiedlungsraum nutzbar, in Wien hingegen stehen 81 Prozent der Gesamtfläche als Dauersiedlungsraum zur Verfügung.
Auffällig ist auch, wie „Soil- Walks“-Projektleiter Elias Grinzinger feststellt, dass es im Burgenland hohe Baulandreserven gibt. „Es geht darum, zu überlegen, wo Entwicklung passieren soll“, sagt er und empfiehlt, in den Gemeinden mit kurzen Wegen und kompakter Bebauung für Lebensqualität und Begegnungszonen zu sorgen.
„Dort, wo Entwicklung keinen Sinn mehr macht, sollte man über Rückwidmungen nachdenken“, sagt der Raumplanungsexperte, der an der TU Wien lehrt und forscht. Er entwickelte mit Studierenden und anderen Expertinnen die „Soil Walks“ als Methode des öffentlichen Dialogs. Bei Spaziergängen durch Orte und Städte werden dabei Herausforderungen und Chancen zum Thema Flächennutzung besprochen.
„Die Methode wird veröffentlicht und in Schulungsvideos erklärt. Soil Walks können dann von Gemeinden selbst durchgeführt werden“, lädt Grinzinger zur Auseinandersetzung mit Flächeninanspruchnahme, Versiegelung und Raumnutzungen ein.
© Quelle: Soil Walks, Grafik: BVZ
„Wir brauchen andere Strategien, wie wir bauen“, erklärt der Neusiedler Nikolaus Gartner, der für den Architektur Raum Burgenland tätig ist und für die Architekturgalerie in Eisenstadt die Ausstellung „Haus Hof Dorf“ kuratierte, die bis vor Kurzem zu sehen war.
Die Ausstellung behandelte die Aspekte der kompakten Bauweisen im Ort und der Ortskernbelebung. „In vielen Ortskernen gibt es Grundstücke, die nicht oder nur zum Teil verbaut sind, und viele leerstehende Häuser“, berichtet Nikolaus Gartner. Das Potenzial, im Ortsinneren lebenswert zu bauen, sei groß.
Gerade die typisch burgenländischen Streckhofparzellen bieten die Möglichkeit, effizient mit Grund und Boden umzugehen. Zwei Beispiele – eines aus Pinkafeld, eines aus Wulkaprodersdorf – zeigen, wie man die schmalen, langen Grundstücke optimal nutzen kann. So wurden in Pinkafeld auf 2.250 Quadratmetern 13 Wohneinheiten für 39 Menschen geschaffen. Pro Person wurden nur 58 Quadratmeter Grundstücksfläche benötigt.
Wäre dasselbe Grundstück für ein Einfamilienhaus verwendet worden, so würde dort eine durchschnittliche Familie mit vier Personen 200 Quadratmeter pro Person verbrauchen. Sparsam ist auch der Umgang mit der kommunalen Infrastruktur: Der Straßenanteil beträgt bei der in Pinkafeld verbauten Streckhofparzelle gerade einmal 21,5 Meter. Ent- sprechend gering ist die Inanspruchnahme bei Straßenbeleuchtung, Kanal und Verkabelung, aber auch bei der Schneeräumung.
„Boden ist ein endliches Gut - das soll nicht gehortet werden“
„Weniger Infrastruktur bereitstellen zu müssen, das wäre für die Gemeinden ein enormes Sparpotenzial“, warnt Nikolaus Gartner vor zu starker Zersiedelung. Er empfiehlt, aktiv auf Grund- und Hausbesitzer zuzugehen und Baulandmobilisierung zu betreiben. „Boden ist ein endliches Gut, das soll nicht gehortet werden“, meint er.
Das Büro des zuständigen Landesrates Heinrich Dorner verweist auf bereits ergriffene Maßnahmen gegen die Bodenversiegelung. So dürfen Supermärkte ab einer Verkaufsfläche von 80 Quadratmetern nur mehr in Ortskernen errichtet werden. Geprüft werde eine Beschränkung von Supermärkten pro Einwohnerin und Einwohner sowie die Verpflichtung, beim Neubau eines Einkaufszentrums oder Supermarktes Leerstand im Ausmaß der gleichen Fläche zu entsiegeln oder eine Abgabe zu leisten.
Für neue Betriebsgebiete gibt es eine Obergrenze von 1,5 Hektar, künftig soll eine Leerstands- und Flächenmanagement-Datenbank dazu dienen, Baulücken und Leerstände in Ortskernen transparent zu erfassen. Man will sogar einen Entsiegelungswettbewerb starten, um die Burgenländerinnen und Burgenländer sowie die Gemeinden für die Bodenentsiegelungsoffensive zu motivieren, kündigt Dorner an.