Südburgenlands Innenstädte im Wandel

Dienstleistungsmeilen

In den Stadtzentren von Oberwart und Güssing stehen immer mehr Geschäftsflächen leer. Dieser Trend verändert das Gesicht der Innenstädte grundlegend. Statt traditioneller Einkaufsstraßen entstehen zunehmend Dienstleistungsmeilen – ein Wandel, der verschiedene Ursachen hat.

Von Bertie Unger

Für Banken ist das Stadtzentrum ein idealer Standort. Fo

Für Banken ist das Stadtzentrum ein idealer Standort. Fo

© Bertie Unger

„Die Innenstadt als typischer Platz für den Handel, das ist vorbei“, sagt Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner. „Wir haben aber sehr viele Dienstleister und Wohnungen im Zentrum und das sind schon auch Frequenzbringer“, sagt der Stadtchef, der auf die vielen Leerflächen in der Oberwarter Innenstadt keinen Zugriff hat. „Was die Leerflächen betrifft, haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht, aber die Gemeinde ist da nicht erster Ansprechpartner. Das sind die Besitzer und Vermieter“, so Rosner. „Das Problem liegt ja schon ein paar Jahre zurück, wie alles versucht hat, auf die grüne Wiese raus zu gehen und das wurde damals auch stark gefördert“, sagt Rosner. „In Summe sind die Frequenzbringer nicht mehr der Handel, sondern Wohnen und Dienstleister, Versicherungen und Banken.“ Die Innenstadt verliert ihre traditionelle Funktion als Einkaufsort und muss sich neu ausrichten.

Stadtzentrum als idealer Standort

„Für uns ist das Stadtzentrum der ideale Standort“, sagt Raiffeisen Bezirksbank Oberwart-Vorstandsdirektor Karl Kornhofer. „Gebäude und Parkplätze waren schon vorhanden, im Sinne der Nachhaltigkeit war mit dem Um- und Ausbau auch keine Bodenversiegelung notwendig. Das war uns sehr wichtig und wir leisten als Frequenzbringer auch unseren Beitrag zur Belebung des Zentrums“, sagt Karl Kornhofer.

Demografischer Wandel ist Teil der Entwicklung

In vielen ländlichen Regionen wächst der Anteil älterer Menschen, die weniger an klassischen Einkaufsstraßen interessiert sind, dafür aber verstärkt auf medizinische Versorgung und Dienstleistungen angewiesen sind. „In Güssing haben wir Bezirkshauptmannschaft und Banken, aber auch Ärzte, Notare und Rechtsanwälte im Zentrum. Das belebt die Stadt, da ist Besuch gegeben“, sagt Güssings Bürgermeister Vinzenz Knor. „Natürlich ist es gut, dass sich da auch eine Bäckerei, ein Elektrogeschäft und die Apotheke befinden, aber der Trend geht natürlich weg von den kleinen Geschäften und hin zu Einkaufszentren an der Peripherie. Ich hoffe dass sich das wieder ändert, das Geschäfte Nischen abdecken. Aber das liegt auch daran, wie hoch die Mieten sind, was wiederum in der Hand privater Vermieter:innen liegt“, sagt Knor. „Wir halten die Innenstadt sauber und machen sie zum Beispiel mit Blumen optisch einladend. Die Burg ist auch ein Frequenzbringer in die Stadt und auch der Stadtsaal bringt mit seinen Veranstaltungen sehr viele Besucher.“

All diese Faktoren führen dazu, dass die Innenstädte im ländlichen Raum zunehmend von Einkaufszonen zu Dienstleistungszentren werden. Während manche diesen Wandel als Verlust traditioneller Strukturen bedauern, sehen andere darin eine Chance, die Stadtzentren durch neue Nutzungskonzepte langfristig zu beleben. Wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiterentwickelt, hängt natürlich auch davon ab, wie Städte und Gemeinden auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren.