Drei Abende lang stand der Festsaal der Volksschule Parndorf ganz im Zeichen der traditionellen Tamburizzamusik. Der Tamburizza-Verein „Ivan Vukovič – Parndorf“ lud von Freitag bis Sonntag zum Großen Tamburizza Herbstkonzert und durfte sich über einen großen Besucherandrang freuen.
Ließen Mutter und ihr Freund 14-Jährige Joints rauchen?
Drogenprozess
Schwere Vorwürfe äußerte eine 16-jährige Jugendliche gegenüber ihrer Mutter und deren Lebensgefährten: Die Erwachsenen sollen ihr Drogen angeboten haben.
Die 33-Jährige und ihr 36-jähriger Freund standen vor Gericht, weil sie Cannabis erzeugten und eine Minderjährige "mitrauchen" ließen.
© BVZ/Kirchmeir
Vor zwei Jahren lebte die damals 14-Jährige bei ihrer Mutter und deren Freund im Bezirk Neusiedl. Damals bekam sie nicht nur mit, dass die beiden Cannabis erzeugten, sondern sei auch eingeladen worden, mit den Erwachsenen Joints zu rauchen.
„Meine Beobachtung war, dass sie im Garten Cannabis anbauten“, berichtete die 16-Jährige am Freitag, 21. Juni 2024, vor Gericht, wo sich ihre 33-jährige bislang unbescholtene Mutter und deren zweifach vorbestrafter 36-jähriger Freund wegen diverser Drogendelikte verantworten mussten.
Als die Cannabispflanzen reif und höher als sie selbst waren, seien sie im Keller des Hauses auf einem Wäscheständer zum Trocknen aufgehängt worden, berichtete die Jugendliche. Der Freund der Mutter habe sie aufgefordert, beim „Schneiden“ mitzuhelfen. „Ich wollte aber nicht“, sagte die Jugendliche. Ihre Mutter und deren Freunde hätten dann die Cannabisblüten abgeschnitten und in Kübel gelegt.
„Ich sah, dass meine Mutter und ihr Freund Cannabis konsumierten“
Mehrfach erinnerte Richterin Karin Knöchl die junge Zeugin an ihre Wahrheitspflicht. Diese bleib dabei: „Ich sah, dass meine Mutter und ihr Freund gemeinsam Cannabis konsumierten. Ich habe mit ihnen gemeinsam Gras, also Cannabis, konsumiert. Wir saßen zu dritt im Keller und haben Joints geraucht.“
Das sei öfter passiert.
Der Freund der Mutter habe ihr auch einmal Crystal Meth angeboten, „weil ich mitbekam, dass er gezogen hat“, so die Jugendliche. Sie habe im Keller „Schniefgeräusche“ gehört und einen Spiegel entdeckt, „wo das aufgelegt war“.
Sie habe den Freund der Mutter darauf angesprochen. „Er fragte, ob ich das auch will, und zeigte es mir. Ich habe es aber kein einziges Mal konsumiert“, so die 16-Jährige.
„Mama gab mir Gras mit“
Wenn sie mit Freunden unterwegs war, habe ihre Mutter ihr „Gras“ mitgegeben. „Einige Freunde waren in meinem Alter, einige älter“, so die 16-Jährige.
„Stimmt das, was Sie heute sagten?“, vergewisserte sich die Richterin. „Ja, zu hundert Prozent“, bestätigte die Jugendliche.
Im Jänner 2023 war sie nach einem Streit bei der Mutter und deren Freund ausgezogen und zum früheren Mann der Mutter, ihrem Stiefvater, zurückgekehrt. Seit einem halben Jahr sei sie „clean“, so die Jugendliche.
Ihre Mutter bestritt, der Tochter Drogen gegeben zu haben. Sie gab nur zu, selbst Cannabis konsumiert zu haben. Auch mit dem Drogenanbau und der Verarbeitung habe sie nichts zu tun gehabt: „Im Garten sah ich drei Cannabispflanzen stehen, ich habe mich nie dafür interessiert“, sagte die Frau.
Die Richterin hielt ihr vor, dass das Handy der Angeklagten ausgewertet worden sei. Die Kriminalbeamten hatten herausgefunden, dass die Frau im Internet sogenannte „Grow Shops“ gesucht, Fotos von Cannabispflanzen heruntergeladen und sich intensiv mit dem Thema Cannabis auseinandergesetzt habe.
Angeklagte: „Suchte pflanzliche Lösung, um mich zu beruhigen“
„Ich habe mich theoretisch interessiert, aber nicht praktisch“, sagte dazu die Angeklagte. „Ich interessiert mich für die Wirkstoffe der Pflanzen, es ging mir damals nicht gut.“ Sie habe eine „pflanzliche Lösung“ gesucht, um sich zu beruhigen. Und ab und zu habe sie eine „CBD“-Blüte bestellt.
Vor ihrer Tochter habe sie nie geraucht, so die Angeklagte, sie wisse auch nichts vom Crystal Meth-Konsum ihres Freundes.
„Ich weiß nicht, warum das Mädchen das sagt“, zeigte sie sich über die Aussage ihrer Tochter entrüstet.
Ihr Freund war bereits 2020 verurteilt worden, weil er eine Indoor-Cannabisplantage betrieben hatte. Diese Erfahrungen habe er 2022 in eine Outdoor-Zucht im Garten einfließen lassen. Die Tochter seiner Lebensgefährtin habe von den Cannabispflanzen gewusst, so der Angeklagte.
Auch er bestritt, dem Mädchen Drogen gegeben zu haben.
Knapp ein Kilo Cannabiskraut, 0,7 Gramm Crystal Meth und drei Joints waren bei den Angeklagten sichergestellt worden.
Richterin glaubte den Angaben der Jugendlichen
Die beiden Angeklagten wurden schuldig gesprochen, die Frau zu neun Monaten Freiheitsstrafe bedingt, der Mann zu 16 Monaten Freiheitsstrafe, davon fünf Monate unbedingt verurteilt.
Im Zweifel freigesprochen wurden sie von dem Vorwurf, im Winter 2024 THC-hältiges Cannabis in Töpfen angebaut zu haben. Die Behauptung der Angeklagten, es habe sich bei den sichergestellten Gewächsen um legale CBD-Pflanzen gehandelt, lasse sich nicht widerlegen, so die Richterin.
„Ich bin überzeugt, dass stimmt, was das Mädchen sagt - dass man gemeinsam konsumiert und die Angeklagte zur Erzeugung beigetragen hat, indem sie half, Blüten von Blatt und Stängel zu trennen“, so die Richterin.
Den 36-Jährigen ermahnte sie: „Ihnen muss noch mehr vor Augen gehalten werden, dass sich etwas ändern muss. So kann es nicht weitergehen.“
Die Angeklagten und die Staatsanwältin gaben keine Erklärungen zum Urteil ab. Dieses ist somit nicht rechtskräftig.