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Kryptohandy im Fokus: Angeklagter bestreitet Drogenhandel
Bezirk Neusiedl/Hainburg
Über ein Kryptohandy soll ein gebürtiger Nordmazedonier mit „Großbandenführern“ im Drogengeschäft in Kontakt gewesen sein. Jetzt droht dem Mann am Landesgericht Eisenstadt eine Haftstrafe in der Dauer von bis zu 15 Jahren.
Die Angeklagten bestritten jede Beteiligung am großangelegten Drogenimport.
© BVZ/Kirchmeir
Der 56-jährige Angeklagte, der bis zu seiner Verhaftung in Bratislava lebte, muss sich wegen eines umfangreichen Drogenhandels gemeinsam mit einem 65-jährigen mutmaßlichen Mittäter vor Gericht verantworten. Der erste Prozesstag fand am 17. Juni 2025 statt.
Die beiden Männer hatten im Bezirk Neusiedl ein Fastfood-Lokal betrieben, das 2024 in Konkurs ging. Im Dezember des Vorjahres wurden sie in einem Haus in Hainburg verhaftet. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass die Wohnung in Hainburg zum Bunkern von Drogen angemietet worden war. Ein in die Drogengeschäfte involvierter Mittäter war bereits im Mai am Landesgericht Eisenstadt verurteilt worden.
Der 56-jährige Nordmazedonier soll, so die Staatsanwältin in ihrem Anklagevortrag am 17. Juni, „in der europäischen Suchtgiftszene eine Größe“ gewesen sein. Er soll mit zwei bereits verurteilten Großbandenführern in Kontakt gewesen sein. Man unterhielt sich über Kryptohandys, von denen man glaubte, sie seien abhörsicher. „Da wurde offen geredet“, berichtete die Staatsanwältin.
Dem 56-Jährigen wird vorgeworfen, er habe von 2020 bis 2024 sieben Kilo Kokain und 20 Kilo Heroin nach Österreich ein- oder von hier wieder ausgeführt. „Er zog die Fäden und arbeitete mit Lieferanten und Kurieren zusammen“, so die Staatsanwältin.
30 Kilo Heroin verkauft?
Außerdem soll der Hauptangeklagte vier Kilo Kokain und 30 Kilo Heroin in Verkehr gesetzt haben. Der 65-Jährige soll ihn als Kurier unterstützt und 2,6 Kilo Kokain ein- und ausgeführt haben.
Bei der Polizei hatte der 65-Jährige groß ausgepackt und den 56-Jährigen schwer belastet. In der Untersuchungshaft änderte sich seine Verantwortung und stritt nunmehr alles ab. „Es geht vermutlich um Druck von außen und Angst“, meinte dazu die Staatsanwältin.
„Man will ihm etwas in die Schuhe schieben“, sagte der Verteidiger über den 56-jährigen Angeklagten. Dieser habe einen „tadellosen Lebenslauf“, sei bislang „nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen“.
„Man will ihm etwas in die Schuhe schieben“, sagte der Verteidiger über den 56-jährigen Angeklagten. Dieser habe einen „tadellosen Lebenslauf“, sei bislang „nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen“.
Kryptohandy: Stimmanalyse gefordert
Dass er der Besitzer des beschlagnahmten Kryptohandys sei, bestreite sein Mandant, so der Verteidiger. „Er sagt, dass sämtliche Sprachnachrichten nicht von ihm sind. Da wird es erforderlich sein, dass man eine Stimmenanalyse durchführt.“
Der 65-Jährige gab nur zu, Besitzer jener 700 Gramm Kokain gewesen zu sein, die man in der Wohnung in Hainburg gefunden hatte. Ansonsten wolle er keine Angaben machen.
Ausführlich sagte am 17. Juni hingegen der 56-Jährige aus. Er habe mit dem 65-Jährigen, einen „guten Koch und Gastronom“, das Fastfood-Lokal im Bezirk Neusiedl betrieben und mit Fahrzeugen gehandelt. Bis zu seiner Verhaftung habe er gut verdient - zwischen 7.000 und 10.000 Euro monatlich, behauptete der 56-Jährige.
65-Jähriger hatte seinen Mitangeklagten belastet
Die Richterin hielt ihm vor, dass der 65-Jährige bei seiner ersten Einvernahme bei der Polizei angegeben habe, er habe durch den Konkurs des Lokals im Bezirk Neusiedl 170.000 Euro verloren und sei danach „als Bursche für Erledigungen aller Art“ für den Hauptangeklagten tätig gewesen. Diese Tätigkeit habe vor allem den Transport von Kokain umfasst.
„Das entspricht nicht der Wahrheit“, erwiderte der 56-Jährige. Er wisse aber auch nicht, warum sein Freund so etwas behauptet hatte.
Er habe dem 65-Jährigen geholfen, Möbel in die Wohnung in Hainburg zu bringen. Einmal habe er dort auf den Heizungsinstallateur gewartet, während der 65-Jährige nach Budapest fuhr. „Das dritte Mal war ich dort, als wir am 6. Dezember 2024 festgenommen wurden“, so der Angeklagte.
Richterin: „In der Wohnung stand eine Kokainpresse“
„Die Wohnung war leer. Mitten im Raum stand eine Kokainpresse. Und Sie sagen, Sie wussten nichts davon?“, wunderte sich die Richterin.
„Ich habe so etwas nicht gesehen“, sagte der 56-Jährige. Sein Freund habe in der Wohnung in der Küche „gearbeitet“. „Ich habe etwas gerochen, wie Putzmittel“, sagte der Hauptangeklagte. „Ich half ihm und putzte das Klo“, erwähnte er noch.
Der Prozess wurde vertagt.