Dunkle Geschäfte? Georgier soll gestohlene Autos gelenkt haben

Nickelsdorf

Ein 43-jähriger georgischer Staatsbürger steht in Eisenstadt vor Gericht, weil er widerrechtlich erlangte Autos über mehrere Staatsgrenzen gebracht haben soll.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der Angeklagte soll mit gestohlenen Luxuswägen mehrfach europäische Grenzen passiert haben.

Der Angeklagte soll mit gestohlenen Luxuswägen mehrfach europäische Grenzen passiert haben.

© Shutterstock, DesignRage

Unter anderem passierte der Angeklagte die Grenze bei Nickelsdorf, weshalb der Prozess gegen ihn jetzt am Landesgericht Eisenstadt stattfindet. Der georgische Staatsbürger war im Juni 2024 in Spanien verhaftet worden, im Juli 2024 wurde er nach Österreich ausgeliefert. Am Donnerstag, 14. November 2024 stand er vor einem Schöffensenat, der Prozess wurde nach vier Stunden vertagt.

Der Angeklagte gab bekannt, er habe 26 Jahre lang in der ukrainischen Stadt Odessa gelebt, wo er mehrere Restaurants und eine Bäckerei betrieb. Auch in Georgien habe ihm eine Firma gehört. Er besitze zwei Häuser in Odessa und eine Wohnung in Georgien und verdiene monatlich 20.000 Dollar, sagte der weder in Österreich noch in anderen europäischen Ländern vorbestrafte 43-Jährige.

Vorgeworfen wird ihm das Verbrechen der Geldwäscherei. Er soll von 16. April 2022 bis 19. Februar 2023 als Mitglied einer kriminellen Vereinigung widerrechtlich erlangte Fahrzeuge über mehrere Staatsgrenzen gebracht haben.

Angeklagter war vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und berichtete, er sei zwei Tage nach Beginn des Kriegs in der Ukraine, somit am 24. Februar 2022, mit seiner Familie geflüchtet und zunächst in Polen sowie später in Spanien aufhältig gewesen.

„Im April war klar, dass der Krieg länger dauern wird“, sagte der Angeklagte. „Ich war in Odessa und traf einen Bekannten. Er fragte, ob ich seinen orangen BMW rausbringen kann.“

Er habe, so der Angeklagte, das auffällige Auto zunächst nach Moldawien und dann über Rumänien nach Polen gebracht.

„Übergaben Sie das Auto dann an Ihren Bekannten?“, erkundigte sich die Richterin.

„Er ist russischer Staatsbürger, leider konnte er Russland nicht verlassen. Deshalb fragte er mich, was es kosten würde, wenn ich das Auto nach Georgien bringe. Das sind 4.000 Kilometer. Ich sagte, ja“, berichtete der Angeklagte.

Mit orangem BMW zum Flughafen Schwechat gefahren

Bevor er das Auto jedoch nach Georgien brachte, habe er es für eigene Zwecke benützt und sei damit zu einer Bekannte nach Deutschland und zum Flughafen Wien-Schwechat gefahren.

„Ich machte mir keine Sorgen“, sagte der Angeklagte. „Ich fuhr offiziell durch die Länder. Ich hatte das Auto und die Dokumente, so konnte ich gesetzeskonform rausfahren.“

„Das ist ja ein teures Auto und Ihr Bekannter holte es nicht ab. Das kommt mir seltsam vor“, wunderte sich die Richterin. „Es war sehr chaotisch“, berichtete der Angeklagte. „Viele Leute ließen ihre Autos am Grenzübergang stehen und gingen zu Fuß über die Grenze.“ Sein Bekannter sei froh gewesen, „dass das Auto rauskam“.

Auf der Kommunikationsplattform Telegram seien Fahrer gesucht worden, die Autos aus der Ukraine herausbringen können. Er selbst habe in den ersten 25 Kriegstagen 30 Autos überstellt, unter anderem nach Moldawien, Rumänien und Polen. Insgesamt habe er 100 Autos überstellt, so der Angeklagte.

1.000 bis 4.000 Euro pro Fahrt kassiert

Pro Fahrt aus der Ukraine nach Europa habe er 1.000 oder 1.500 Euro kassiert, bis Portugal kostete es 4.000 Euro, so der Angeklagte. Das Geld habe er in bar bekommen. Bestätigungen habe er keine unterschreiben müssen.

„Das hat alles viel Ähnlichkeit mit der Schlepperei“, stellte die Staatsanwältin fest.

„Es war alles im Vertrauen“, sagte der Angeklagte. „Ich hatte einen sehr guten Ruf, weil ich nicht rauche und schnell fahre. Ich trinke ein Red Bull und fahre weiter.“

Einen hellblauen BMW übernahm er in Deutschland und brachte ihn in die Ukraine. Später sei der gefragt worden, ob er dasselbe Auto nach Moldawien bringen könne. Doch bei der Übergabe sei ein Mann mit deutschen Kennzeichen und Papieren aufgetaucht. „Da dachte ich, es stimmt etwas nicht“, sagte der Angeklagte.

Er sei mit dem Auto zurück nach Polen gefahren, in einen Hagelsturm geraten und musste schlussendlich 1.300 Euro für den Schaden bezahlen. „Mit diesem Auto machte ich ein Minusgeschäft“, stellte er fest.

„Auffällig ist, dass diese Autos entwendet wurden“

„Auffällig ist, dass alle diese Autos zuvor entwendet wurden, falsche Kennzeichen bekamen und die Fahrzeugidentifikationsnummer geändert wurde“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor.

„Es ist absolut unmöglich, dass das Auto gestohlen war“, sagte der Angeklagte. „Ich kenne den Besitzer.“ Es habe aber „einen Skandal“ gegeben: „Viele Ukrainer brachten Autos aus der Ukraine und Georgien hinaus und meldeten das Auto dann als gestohlen, um die Versicherung zu kassieren“, berichtete er.

Der Prozess nach der Einvernahme des Angeklagten und der Befragung von dessen Frau und dessen Schwester auf Anfang Dezember vertagt.