„Ex“ soll gedroht haben: „Ich gehe ins Gefängnis, du ins Grab“

Wr. Neustadt/Mattersburg

Aus Eifersucht soll ein 38-jähriger gebürtiger Türke im Bezirk Mattersburg seine Ex-Frau bedroht und geschlagen haben. Sie sitzt auf der Anklagebank, weil sie zwei ihrer Kinder misshandelt haben soll.

Von Elisabeth Kirchmeir

In Handschellen wurde der Angeklagte in den Verhandlungssaal gebracht. Er verbüßt in der Justizanstalt Josefstadt eine Strafhaft.

In Handschellen wurde der Angeklagte in den Verhandlungssaal gebracht. Er verbüßt in der Justizanstalt Josefstadt eine Strafhaft.

© BVZ/Kirchmeir

Seit April 2024 war das Paar getrennt, im November 2024 war die Scheidung. 14 Jahre lang hatte die Ehe gedauert, zwei der drei gemeinsamen Söhne sind Teenager, einer im Volksschulalter. Bevor der 38-Jährige ins Gefängnis musste, lebte er in Wiener Neustadt.

Im Vorjahr vermutete er, seine Frau betrüge ihn mit einem Arbeitskollegen. Er drohte ihr daraufhin im Juli 2024, er werde sie umbringen und dafür ins Gefängnis gehen. Dem Arbeitskollegen seiner Frau werde er „alle Knochen brechen“ und ihm „eine Gruppe Tschetschenen schicken“.

Mit Verletzungen gedroht?

Gegenüber seiner Schwägerin kündigte der Mann an, er werde seine Frau und deren angeblichen Freund so stark verletzen, dass sie „drei Monate im Rollstuhl sitzen“ und Nahrung nur durch einen Strohhalm zu sich nehmen würden. Ende Juli 2024 soll er der Frau tatsächlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Ihre Verletzungen wurden im Spital dokumentiert.

Im September 2024 rief er beim Arbeitgeber seiner Frau im Bezirk Baden an und behauptete, diese habe ihre Kinder geschlagen und nehme Drogen. Daraufhin wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst.

Kinder geschlagen?

Auch die 33-jährige Ex-Frau musste vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, am 26. und 27. August 2024 zwei ihrer Söhne mit einer Fliegenklatsche und einem Kochlöffel geschlagen und einem Sohn ein Buttermesser nachgeworfen zu haben.

Beide Angeklagten bestritten die Vorwürfe.

„Sie ist eine sehr liebevolle und fürsorgliche Mutter, die jahrelang in einer Beziehung gefangen war“, sagte die Verteidigerin der 33-Jährigen. Die in der Anklage vorgebrachten Vorwürfe seien „Versuche, sie zu diffamieren“.

Angeklagter: „Vielleicht hat sie es selber gemacht“

„Sie hat mich immer provoziert“, sagte der 38-Jährige. Er wurde bereits zweimal verurteilt und verbüßt derzeit eine Strafhaft in Wien. Er habe seine Ex-Frau und deren Arbeitskollegen nicht bedroht und die Frau nicht geschlagen. „Vielleicht hat sie es selber gemacht“, sagte er zu den dokumentierten Verletzungen.

Hingegen gab der Mann zu, beim Arbeitgeber seiner Frau im Bezirk Baden angerufen zu haben: „Ich sagte, wie kann sie dort arbeiten? Sie schlägt ihre Kinder.“ Von Drogen habe er hingegen nichts gesagt.

Am 28. August 2024 war ihr mittlerer Sohn plötzlich verschwunden, berichtete die Frau. Später stellte sich heraus, dass er - in Begleitung seines Vaters - in einer Polizeiinspektion in Wiener Neustadt Anzeige gegen seine Mutter erstattet hatte. Bei der Polizei und im Krankenhaus wurden Kratzer festgestellt.

Wie kam der Sohn nach Wiener Neustadt?

„Ich vermute, dass mein Kind abgeholt wurde“, sagte die im Bezirk Mattersburg lebende Angeklagte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ohne Geld und Ticket nach Wiener Neustadt kam - nur in Schlapfen.“

Verletzungen habe sich ihr Sohn ein paar Tage zuvor zugezogen, weil er mit dem E-Scooter gestürzt sei.

Der Sohn hatte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, die Mutter habe ihn und seinen Bruder mit einem Kochlöffel und einer Fliegenklatsche geschlagen und ihm ein Buttermesser nachgeworfen. Dabei soll sie davon gesprochen haben, sie sei „überfordert“. „Nein, das stimmt nicht“, sagte die Angeklagte. „Sie sind meine Kinder. Ich bin vielleicht gefordert, aber nicht überfordert.“

Die Söhne leben derzeit nicht bei ihr, die Obsorge liege beim Jugendamt. Sie vermute, dass die Kinder vom Vater „manipuliert“ werden, so die Frau.

„Ich soll anfangen zu beten“

„Es begann im November 2023. Da sagte er, ich soll anfangen zu beten, mich zudecken, ein viertes Kind in die Welt setzen“, berichtete die 33-Jährige. Bei einem Telefonat im Sommer 2024 wollte er wissen, ob sie einen Freund habe. „Ich sagte, er ist ein Arbeitskollege“, so die Frau. „Er sagte, wenn er mein Freund ist, kommt er ins Gefängnis und ich ins Grab.“

Der Prozess wurde vertagt. Die Richterin will Audioaufzeichnungen aus dem Türkischen übersetzen lassen. Mehrere Zeugen werden geladen, darunter mehrere Familienangehörige der Angeklagten.