Burgenland setzt auf Hybridkraft: Ausbauziele sollen ins Gesetz

Energiwende

Das Burgenland deckt bereits mehr als seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien. Um diesen Vorsprung langfristig abzusichern, sollen nun Ausbauziele im Klimaschutzgesetz festgeschrieben werden. Beim Besuch zweier Modellprojekte in Nickelsdorf und Gols warnte Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) vor drohenden Rückschritten auf Bundesebene.

Von Birgit Böhm-Ritter

Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und PÜSPÖK-Geschäftsführer Lukas Püspök

Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und PÜSPÖK-Geschäftsführer Lukas Püspök

© PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Hollunder

Zwei Vorzeigeanlagen im Fokus

Vor 25 Jahren errichtete das Parndorfer Unternehmen PÜSPÖK im Burgenland den ersten eigenen Windpark. Heute produziert das Bundesland über 150 Prozent seines Strombedarfs aus Windkraft und Photovoltaik. Anlässlich dieses Meilensteins besuchte Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner am Mittwoch gemeinsam mit PÜSPÖK-Geschäftsführer Lukas Püspök zwei Leuchtturmprojekte der Energiewende: den Windpark Pannonia in Gols und den sogenannten Super-Hybridpark in Nickelsdorf.

Letzterer gilt als erstes Großprojekt seiner Art in Österreich. Die Anlage kombiniert 84 Megawatt Windkraft, 82 Megawatt-Peak Photovoltaik und einen Batteriespeicher mit rund 70 Megawattstunden Kapazität. Ziel ist es, Strom aus erneuerbaren Quellen nicht nur wetterabhängig, sondern möglichst gleichmäßig über das ganze Jahr hinweg zur Verfügung zu stellen.

„Mit der Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und Speichertechnologie errichten wir in Nickelsdorf den ersten großen Super-Hybridpark Österreichs“, sagte Lukas Püspök bei einem Pressetermin. Das Projekt sei „ein Meilenstein auf dem Weg zu einer kontinuierlichen und langfristig kostengünstigen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen – jeden Tag, 365 Tage im Jahr für Klimaneutralität, zuerst im Burgenland, dann in ganz Österreich“.

Burgenland setzt auf Hybridkraft: Ausbauziele sollen ins Gesetz

© PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Hollunder

Der Speicher puffert Produktionsspitzen ab und entlastet so das Stromnetz. Laut Püspök verringern sich dadurch auch die Netzkosten pro Kilowattstunde, da die Netzinfrastruktur besser ausgelastet ist.

Forderung nach verlässlichem Rechtsrahmen

Damit ähnliche Projekte auch künftig realisiert werden können, fordern Haider-Wallner und Püspök klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Auf Landesebene habe das Burgenland bereits wichtige Schritte gesetzt. Das neue Gesetz zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren sei im April beschlossen worden. Das Klimaschutzgesetz befinde sich derzeit in der Endabstimmung und werde laut Haider-Wallner bis zum Sommer präsentiert. Darin soll auch ein verbindliches Ausbauziel für erneuerbare Energie verankert werden.

„Wir werden im Gesetz auch ein Ausbauziel für erneuerbare Energie festschreiben“, sagte die Landeshauptmann-Stellvertreterin. Ziel sei es, das „beste Klimaschutzgesetz Österreichs“ zu präsentieren. „Wir werden Wien in wichtigen Punkten deutlich überholen“, kündigte sie an.

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Burgenland setzt auf Hybridkraft: Ausbauziele sollen ins Gesetz
Püspök: PV-Park Nickelsdorf & Windpark Pannonia Gols

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Weitere Maßnahmen wie eine Photovoltaik-Pflicht für größere Gewerbebetriebe, Repowering bestehender Windkraftanlagen und der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität sind laut Regierungsprogramm bereits fixiert.

Kritik an geplanter „Spitzenkappung“

Auf Bundesebene sieht Haider-Wallner hingegen dringenden Handlungsbedarf. So fehle zum angekündigten Elektrizitätswirtschaftsgesetz (kurz ElWG) weiterhin ein Gesetzesentwurf. Besonders kritisch bewertet sie die geplante sogenannte „Spitzenkappung“. Damit soll das Einspeisen von Wind- und Sonnenstrom bei besonders hoher Produktion beschränkt werden.

„Für die Betreiber der Wind- und Sonnenstrom-Anlagen drohen hier große Verluste“, warnte Haider-Wallner. Gerade die Windkraft sei entscheidend, um im Winter klimaschädliche Gaskraftwerke zu ersetzen. Hybridanlagen wie jene in Nickelsdorf müssten jedenfalls von der Maßnahme ausgenommen werden, so die Landesrätin. Denn durch die integrierten Batteriespeicher würden dort ohnehin keine gefährlichen Produktionsspitzen entstehen.

Auch Lukas Püspök kritisiert die bisherige Zurückhaltung der Bundesregierung beim Thema Energiespeicherung: „Während andere Länder in Europa die Bedeutung von Großspeichern für die Energiewende erkannt haben, fährt Österreich noch immer mit angezogener Handbremse.“ Wer Klimaneutralität wolle, müsse neben dem Stromnetz auch die Speicherinfrastruktur ausbauen. „Ohne Anreize wird das nicht passieren“, stellte der Unternehmer klar.

Kritik an Kostenverteilung und Förderpolitik

Sowohl Haider-Wallner als auch Püspök fordern eine gerechtere Verteilung der Netzkosten zwischen den Bundesländern. Bisher müssten jene Länder, die beim Ausbau erneuerbarer Energie vorausgehen, mehrfach zahlen – für Investitionen, für höhere Netzkosten und bei Verfehlung der Klimaziele auch für Strafzahlungen.

„Derzeit zahlen die Bundesländer, die in der Klimapolitik vorangehen, doppelt und dreifach“, so Haider-Wallner. Die Bundesregierung müsse hier für Ausgleich sorgen. Ein Mechanismus sei notwendig, der Länder mit geringeren Anstrengungen stärker an den Kosten beteilige.

Neben rechtlichen Rahmenbedingungen sei auch eine verlässliche Förderpolitik zentral. Haider-Wallner fordert unter anderem eine rasche Neuauflage der Klimaförderungen für den Heizungstausch. „Es ist höchste Zeit, die Rahmenbedingungen positiv zu gestalten“, sagte sie. Die Bundesregierung müsse nun zeigen, dass sie Energieunabhängigkeit und Klimaschutz ernst nehme.

Das Burgenland will seinen Weg jedenfalls fortsetzen. Haider-Wallner sieht ihr Bundesland als Vorreiter: „Wir müssen jetzt die Weichen richtig stellen.“ In Nickelsdorf und Gols ist das längst geschehen.