In Oberwart kam es im Zuge einer Verkehrskontrolle zu einem Vorfall.
Schneeschaufel-Eklat: Familienstreit landete vor Gericht
Bezirk Oberwart
Mit einer Schneeschaufel aus Metall hatte ein Pensionist seine Nichte bedroht. Die Richterin versuchte den Hintergründen des Wutausbruchs auf die Spur zu kommen.
Ein jahrelanger Familienzwist eskalierte beim Schneeschaufeln und brachte einen 72-jährigen Pensionisten vor Gericht.
© BVZ/Kirchmeir
Nach dem späten Wintereinbruch wurde am 21. Februar dieses Jahres vor vielen Häusern im Burgenland Schnee geschaufelt. So auch in einer Ortschaft im Bezirk Oberwart, wo ein 72-jähriger Pensionist mit seiner Schwester und deren Tochter Tür an Tür lebt.
„Es waren starke Verwehungen, ich brauchte meinen PKW“, berichtete der 72-Jährige am Donnerstag, 2. April 2026, am Landesgericht Eisenstadt. Weil kein Platz für den weggeschaufelten Schnee war, habe er diesen auf die Straße geworfen.
Seine Nichte habe ihm etwas zugerufen. „Ich sagte, mach' dich nicht wichtig“, so der Angeklagte. „Sie rannte mit der Schaufel in der Hand heraus auf mich zu. Ich hatte den Reflex, dass ich die Schaufel aufhob.“ Mehr sei nicht gewesen.
„Das Problem war, dass er den Schnee von der Einfahrt gegenüber auf meinen Parkplatz schob“, schilderte seine Nichte den Vorfall. „Ich bat ihn fünf, sechs Mal, dass er das nicht tut. Wir haben jedes Jahr dasselbe Problem, dass er es rüberwirft und auf der Straße verteilt.“
„Ich fragte, ob das sein Ernst ist, dass er den Schnee wieder zu uns rüberschiebt“, so die Frau. Sie sei mit ihrer Schneeschaufel in der Hand auf die Straße getreten. Der Onkel sei mit erhobener Schaufel und zusammengebissenen Zähnen auf sie zugekommen, einen halben Meter vor ihr sei er stehengeblieben.
© Karikatur generiert durch künstliche Intelligenz (ChatGPT)
„Ich dachte, wenn er jetzt zuschlägt, wächst mein Kind ohne Mutter auf“, so die Frau.
„Warum lügst du?“, fragte der Angeklagte seine Nichte. „Ich lüge nicht“, antwortete die Zeugin. „Du bist emphathielos, du gehst über Leichen und wenn du einen Stock in der Hand hast, bist du nicht zu bremsen.“
Ihre Mutter hatte die Szene vom Haus aus beobachtet. „Ich sah meinen Bruder, die Schaufel war hoch erhoben, meine Tochter ganz knapp davor“, berichtete sie. „Ich habe mich erschreckt.“
Konflikt wegen parkender Autos
Schon seit Jahren gebe es Streit, sagte sie. Mutter und Tochter betreiben eine Praxis, geparkt wird in der engen Gasse. „Deshalb gibt es Stress“, so die Nichte des Angeklagten.
„Ärgern Sie sich über die Fahrzeuge der Klienten?“, fragte die Richterin den Angeklagten. „Wenn sie meine Ausfahrt verparken“, bestätigte dieser. Er gab auch zu, einmal einen Zettel auf die Windschutzscheibe eines Besuchers geklemmt zu haben. „Idiot“ soll draufgestanden sein.
Richterin lud zu Versöhnung ein
„Kann man so etwas wie einen Neuanfang machen, solche Streitigkeiten in Zukunft unterlassen?“, schlug die Richterin vor. Bruder und Schwester nickten. „Kann man sich die Hand geben?“, fragte die Richterin. Der Angeklagte und seine Schwester richteten sich auf, schüttelten sich die Hand.
„Ich glaube, dass Sie sich geärgert und die Schaufel erhoben haben“, wandte sich die Richterin an den Angeklagten. Da dieser einsah, dass er sich nicht richtig verhalten hatte, kam er in den Genuss einer Diversion, einer sehr milden Variante noch dazu: Wenn der Pensionist innerhalb einer einjährigen Probezeit nichts mehr anstellt, wird das Strafverfahren gegen ihn endgültig eingestellt.
Damit war der 72-Jährige einverstanden, auch der Staatsanwalt stimmte zu.
„Tut's euch vertragen“, empfahl die Richterin. „Ihr müsst ja nicht beste Freunde sein. Alles Gute“, verabschiedete sie den Pensionisten.