Seit vier Jahren gibt es den Sonnenmarkt in Güssing. Die Bilanz fällt positiv aus, doch die steigenden Lebenshaltungskosten bringen immer mehr Menschen in finanzielle Bedrängnis.
Güssing: Stelzmayer trotzt dem Wirtshaussterben
Gasthaus zur Burg
Das Güssinger Gastronomie-Urgestein Peter Stelzmayer ist 77 und steht noch immer in seinem Gasthaus, das es seit 75 Jahren gibt. Dabei ist die Wirtshaus-Legende ein Wirt wider Willen und einer, an dem auch manche anecken.
Der Jubilar (4. v. l.) mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaftskammer, die zum 75. Geburtstag des Gasthauses zur Burg gratulierten.
© WK
Steigende Betriebskosten, Mieten, höhere Lebensmittelkosten und ein Mangel an Arbeitskräften: Für viele Wirtshäuser ist es schwierig, wirtschaftlich rentabel zu bleiben. Dazu bürokratische Hürden und immer neue Auflagen. All das führt dazu, dass selbst traditionelle Gasthäuser schließen. Doch einer, der gegen den Trend schwimmt, ist Peter Stelzmayer. Mit jedem Gasthaus, das schließt, weist er noch lauter darauf hin, dass seines am Fuß der Güssinger Burg seit 75 Jahren existiert. Dabei ist er ein Wirt wider Willen, dessen Weg aber vorgezeichnet war. „Das stimmt total, ich kennen keinen zweiten Nicht-Wirt wie mich“, schmunzelt Stelzmayer.
Schon im Volksschulalter gefordert
„Als Wirtshauskind war ich natürlich verpflichtet, da haben sie mit dem Teller abwaschen schon gewartet, als ich noch in die Volksschule ging. Aber das gibt es heute nicht mehr. Dass die ganze Familie mitarbeitet, das funktioniert nicht mehr“, sagt Stelzmayer. „Bei mir stellte sich dann die Frage, wie lerne ich Wirt, da gibt es keine Schule. Du kannst Kellner oder Koch werden, aber dann sind wir auch schon fertig“, erklärt Stelzmayer. Sein Vater hatte schon länger gesundheitliche Probleme. 1977 übernahm er das Gasthaus. Und zum aktuellen Wirtshaussterben hat er eine ganz klare Meinung. „Wenn ein Wirtshaus nicht geht, muss man es sofort zusperren, denn wie soll das dann später gehen. Das ist der Lauf der Zeit. Das Leben ist wie auf hoher See, wenn der Wind von der falschen Seite kommt, kannst du machen, was du willst“, sagt der 77-Jährige.
Touristen sind die einzige Chance
„Wenn die Bevölkerung ein Wirtshaus haben will, dann wird sie rein gehen und wenn nicht, dann eben nicht. So einfach ist das. Die einzige Chance liegt darin, Leute von auswärts zu bekommen. Das ist die Lösung. Wie in der Wachau – Ostern aufsperren und zu Weihnachten zusperren und den Rest des Jahres ruhig verhalten“, betont der Güssinger. „Die hohe Kunst ist es ja, ein Gasthaus nach Zahlen zu führen. Ich bin auch ein paar Mal knapp am Konkurs vorbei gegangen. Wenn du das nicht nach Zahlen führen kannst, dann hast du keine Chance. Du brauchst auch viel Glück. Das hatte ich“, so Stelzmayer, der betont. „Je mehr Menschen nach Güssing kommen, umso besser für uns. Ich bin da relativ früh drauf gekommen, dass wir Leute von auswärts brauchen, also Touristen. Und je mehr, umso besser für uns Betriebe“, sagt der Jubiläumswirt, der sich seit Jahrzehnten mit der Region und ihren Möglichkeiten zur Entwicklung beschäftigt. „Es geht ja immer nur darum, wer die Arbeit macht und wer die Arbeit zahlt. Egal, was man macht, es reduziert sich immer auf diese zwei Fragen. Hat man das kapiert, dann funktioniert es auch“.