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Reden übers „Älterwerden“ in der Arche Jennersdorf
Gesprächsreihe
In der Arche Jennersdorf erzählten zwei Männer aus ihrem langen Leben – ohne Pathos, ohne Schönfärben. Herausgekommen ist ein Abend, der sehr still begann und mit großer Ehrlichkeit endete.
Adolf Brückler (re.) und Ernst Mayer sprachen einige spannende Themen an.
© zvg
Damit Reden übers Älterwerden nicht zum Gerede und gegenseitigem Schulterklopfen verkommt, braucht es Menschen, die in ihrer Zwischenbilanz sowohl die Zurückhaltung als auch die Tiefe suchen. In der Arche Jennersdorf gelang das – zwei Männer erzählten dort eindrucksvoll aus ihrem Leben.
Adolf Brückler, früher Tischlermeister und später Mesner in der Stadtpfarrkirche, ist 86 und wirkt, als hätte er jeden seiner Lebensabschnitte bewusst sortiert. Alkohol trinkt er seit 30 Jahren nicht mehr, das Rauchen hat er vor 15 Jahren aufgegeben. Über 20 Jahre spielte er Tischtennis im Jennersdorfer Verein. Vor allem aber schreibt er Tagebuch – persönliche Journale voller Zeichnungen und Gedichte. „Ich habe keine finanziellen Sorgen, keine Ängste im Beruf mehr. Je älter ich werde, umso freundlicher sind die Leute zu mir“, sagt er. Mit großer Zärtlichkeit erzählt er von seinen Enkelkindern: „An keinem einzigen Tag hat jemals ein Enkerl gesagt: Opa, ich will nicht mit dir mitkommen.“
Mitten im Gespräch meldete sich ein pensionierter Polizist aus dem Publikum, nach einem schweren Schlaganfall im Rollstuhl. Er kämpfte mit den Worten und sagt nur: „Ich danke, dass ich leben darf.“ Es war einer dieser Sätze, die einen Raum ganz still machen.
Kein einfacher Übergang in die Pension
Ernst Mayer, ehemaliger Religionslehrer und langjähriger Politiker, ging mit 65 in Pension und dachte, nun beginne „das Paradies“. Ganz so einfach war es nicht. Neue Aufgaben mussten her. Heute macht er Nachtdienste bei den Vinzi-Werken in Graz, besucht regelmäßig Bewohner:innen im Mutter-Teresa-Haus und unterrichtete zwei Jahre lang wieder einige Religionsstunden. Mit 69 ist sein E-Bike ständiger Begleiter. Die Lebensweisheiten seiner Mutter – „Was werden die Leute sagen?“ hinterfragt er heute bewusst. Und er staunt darüber, wie viel Zeit seine Söhne mit ihren Kindern verbringen. „Jetzt weiß ich auch, wie paradiesisch es sich anfühlt, lange mit den Enkelkindern zu spielen.“
Für beide Männer war der Glaube immer ein Halt. Und auch an diesem Abend gab er den Rahmen vor – nicht tröstend, sondern nachdenklich. Zum Schluss versucht Adolf Brückler ein letztes Wort: Er denkt an Menschen, die viel zu früh sterben müssen, an das Leid der Schmetterlingskinder. Und über das eigene Sterben sagt er: „Wenn es schnell ginge, wäre ich jederzeit dazu bereit.“
Es war ein Abend, der berührte und der und das Älterwerden plötzlich ganz leise machte.