Klinik Kittsee: Kleine Klinik, große Aufgaben
Gesundheit
Während auf Bundesebene über Gesundheitsreform, Gastpatienten und mögliche Spitalsschließungen diskutiert wird, verweist die Gesundheit Burgenland auf die Leistungen ihrer Häuser, darunter auch die Klinik Kittsee. Mehr als 25.000 ambulante Patientinnen und Patienten und knapp 4.000 stationäre Aufnahmen wurden dort 2025 gezählt. Gleichzeitig feiert die Intensivstation ihr 20-jähriges Bestehen und soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.
© Sascha Wurzinger
Zwischen Reformdebatte und regionaler Versorgung
Fiskalratspräsident Christoph Badelt bezeichnete kleinere Spitäler im ORF-III-Sommer(nach)gespräch jüngst als „Mini-Kliniken“. Die Klinik Kittsee steht damit stellvertretend für jene Standorte, deren Rolle im Zuge der aktuellen Gesundheitsdebatte hinterfragt wird. Die Gesundheit Burgenland betont hingegen deren Bedeutung für die Versorgung abseits großer Zentren.
Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2025 sollen diese Position untermauern. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sowohl die Zahl der ambulanten Patientinnen und Patienten auf mehr als 25.000 als auch deren Frequenz auf mehr als 38.000. Knapp 4.000 Menschen wurden stationär aufgenommen. Die Klinik verfügt über knapp 100 Betten.
„Wer über Zentralisierung spricht, muss sich anschauen, was eine Klinik wie Kittsee tatsächlich leistet. Hier geht es nicht um eine bessere Ordination oder Primärversorgungseinheit (PVE), sondern um ein Krankenhaus, das für die Menschen im Nordburgenland und darüber hinaus wichtige medizinische Leistungen sicherstellt. Eine PVE kann diese Klinik nicht ersetzen. Deshalb steht für mich außer Frage, dass wir das Leistungsspektrum – auch im Hinblick auf den Bau der Klinik Gols – absichern und weiterentwickeln, ebenso wie die weiteren Klinikstandorte im Burgenland“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.
Schmerzambulanz und neue medizinische Schwerpunkte
Auch innerhalb der Klinik wurde das Angebot zuletzt weiterentwickelt. Die Schmerzambulanz nahm ihren Betrieb wieder auf. Zudem übernahm Primaria Lea Verner die Leitung der Inneren Medizin und arbeitet unter anderem am Ausbau der rheumatologischen Versorgung. Primarius Alexander Carl Geberth leitet die Anästhesiologie und Intensivmedizin, Oberarzt Karl G. Sommer den Fachschwerpunkt Urologie.

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Gerade die Intensivmedizin zeigt, wie sich der Standort in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert hat. Am 2. Mai 2006 ging die Intensivstation unter der damaligen Primaria Anna Kiss, heute Kettner, mit vier Betten als sogenannte Intermediate Care Unit (IMCU) in Betrieb. Damals stand zunächst ein Beatmungsgerät zur Verfügung.
Heute verfügt die Station über sechs Intensivbetten, an denen jeweils eine Beatmungstherapie möglich ist. Zusätzlich gibt es ein Gerät für die kontinuierliche Nierenersatztherapie. Das Team umfasst derzeit 20 Pflegefachkräfte, zwölf Fachärztinnen und Fachärzte sowie eine Assistenzärztin.

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Intensivstation soll weiter wachsen
Mit dem medizinischen Fortschritt steigen auch die Anforderungen. „Der Fortschritt in der Medizin generell ist enorm, die Anforderungen an die Intensivmedizin steigen kontinuierlich“, betont Geberth, der die Abteilung seit Oktober 2025 leitet.
Die Station behandelt heute Patientinnen und Patienten nach komplexen Eingriffen oder mit schweren Erkrankungen. Für die kommenden zehn Jahre nennt Geberth den weiteren Ausbau der Kapazitäten und intensivmedizinischen Leistungen als Ziel – mit Blick auf die geplante Klinik Gols bis hin zu einer Zertifizierung als Level-II-Intensivstation.
Auch die Gestaltung der Station soll zur Versorgung beitragen. Die Räume orientieren sich am Konzept des Feng Shui und folgen mit Rundungen, Farben und Motiven aus Wasser und Wald dem Prinzip eines Nestbaus. Für Geberth bleibt neben der medizinischen Kompetenz vor allem der menschliche Umgang entscheidend: „Mir und meinen Mitarbeitenden liegt jeder Mensch, der von uns betreut wird, persönlich am Herzen. Diese Menschlichkeit ist es, die neben der fachlichen Kompetenz eine erfolgreiche Intensivstation auszeichnet. Darauf bin ich sehr stolz.“

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Kritiker kleiner Spitäler verweisen in der Reformdebatte unter anderem auf fehlende Spezialisierung, höhere Kosten und mögliche Qualitätsunterschiede bei seltenen Eingriffen. Befürworter betonen dagegen die regionale Versorgungssicherheit und kürzere Anfahrtswege, die gerade bei Notfällen eine Rolle spielen können. Genau zwischen diesen beiden Positionen bewegt sich auch die Diskussion um die Zukunft der Klinik Kittsee.